Dampfmaschinen 37
einströmender Dampf, dessen Elasticität nur dem Drucke der Atmosphäre gleich wäre, eben-falls den Kolben Hinabdrücken und das Gewicht heben. Dies ist das Gruudprincip, auf wel-chem die ganze Dampfmasihinenconstruction gebaut ist. Durch ein Pfund Dampf von 8t>'N , der also den Druck der Atmosphäre hat, wird auf einen Kolben von einem lüF. Ober-fläche, ohne auf Nebenumstände Rücksicht zu nehmen, eine Wirkung hervorgebracht, welche55237 Pfd. auf einen Fuß Höhe gehoben gleich ist.
Bei den Dampfmaschinen in der einfachsten Form findet sich am Fuße des oben offe-nen Dampfcylinders, in welchem sich der Kolben an seiner Kolbenstange luftdicht auf- undabbewegen kann, das Dampfzuflußrohr, welches mit dem Steuerungscylinder in Verbin-dung steht. Unter Steuerung versteht man diejenige mechanische Vorrichtung, mittelsderen der Dampfzufluß in den Dampfcylinder entweder gestattet oder abgesperrt wird. Frühermußte diese Steuerung durch einen Mann bewerkstelligt werden, bis man auf die Idee kam,die Steuecungshähne durch die Maschine selbst bewegen zu lassen. Die Steuerung befin-det sich in einem besonder« Cylinder, der mit dem Dampfkessel durch ein Rohr derge-stalt^in Verbindung steht, daß der Dampf, um in den Dampfcylinder zu kommen, durchden Steuerungscylinder streichen muß. In letzterm befinden sich zwei Kolben übereinanderan derselben Stange, welche so stehen, daß, wenn der untere mit seiner Unterkante über demEinflußrohre in den Dampfcylinder steht, er den Dampf, der in den Steuerungscylindertritt, abspcrrt. Tritt aber dieser untere Kolben tiefer herab, so öffnet er den Dampfzuflußso lange, bis der obere Kolben das Dampfrohr aus dem Dampfkessel absperrt. Währenddieses Zuflusses wird durch den eintretenden Dampf der Kolben im Dampfcylinder geho-ben, und mit ihm steigt die Kolbenstange empör. Nun aber fleht neben dem Dampfcylinderein Gestell aus zwei Wänden, welche oben ein Zapfenlager tragen, in welchem die Welleeines langen Wagebalkens (Balanciers) ruht, an dessen einem Ende die Kolbenstange befe-stigt ist, die also, wenn sie steigt, das zugehörige Ende des Balanciers hebt, wodurch dasentgegengesetzte Ende sinken muß, und umgekehrt. Hängt man an das letztere die Kolben-stange einer Pumpe, so wird das abwechselnde Heben und Steigen des Dampfkolbensdas Geschäft der Wasserhebung vollbringen. Das Wiederhinabtreiben des Dampskolbensvon seinem höchsten Standpunkte wird durch Condensation der Dämpfe bewirkt. Zu die-sem Zwecke reicht der Steuerungscylinder noch unter das Zuflußrohr des Dampfcylin-ders in den Condensator, ein Gefäß, welches mit kaltem Wasser gefüllt ist. Hierist derselbe abgeschlossen und mit einem Ventil versehen, welches sich nach innen öffnet.Unter einem rechten Winkel stößt an sein unteres Ende ein zweites Rohr, welches den Cylin-der einer Luftpumpe durchstreicht und an jeder Seite des letztern ein Klappventil hat, dassich vom Steuerungscylinder abwärts öffnet. Der Kolben der Luftpumpe ist massiv undletztere oben geschloffen. Über dem Kolben steht eine kleine Wasserschicht, um ihn luftdichtzu halten. Die Kolbenstangen des Steucrungscylinders und der Luftpumpe hängen amgroßen Balancier und folgen dessen Bewegungen, und die Kolben beider sind so regulirt,daß, wenn der Kolben im Dampfcylinder seinen höchsten Stand erreicht hat, der untere Kol-ben des Steucrungscylinders den Dampfzufluß absperrt, dagegen dem Wasserstrom, deraus dem Condensator durch einen Jnjcctionshahn eingespritzt wird, den Zutritt zum Dampf-cylinder freiläßt. Der Kolben der Luftpumpe hat dann seinen höchsten Stand erreicht.Sobald das kalte Wasser einströmt, condensirt sich der Dampf im Hauptcylinder, es bildet sichdort ein leerer Raum und der Druck der atmosphärischen Luft zwingt den Kolben, abwärts zugehen. Mit ihm zugleich senkt sich der untere Kolben im Steuerungscylinder und sperrt denWafferzufluß ab, treibt aber auch zugleich das Condensationswaffer, das sich aus dem Dampfebildete, in den untern rechtwinkligen Fortsatz des Steucrungscylinders und durch dessen erste-Ventil in den Stiefel der Luftpumpe, deren Kolben dann ebenfalls seinen niedrigsten Standerreicht. Sobald der Kolben im Dampfcylinder auf seinem tiefsten Stande angckommcn ist,befindet sich der untere Kolben im Steuerungscylinder unter dem Dampfzuflußrohre undläßt den Zugang desselben frei, sodaß neuer Dampf unter den Dampfkolbcn tritt und diesenin die Höhe treibt. Ihm folgt natürlich der Kolben des Steucrungscylinders und sperrt end-lich den Dampf ab, worauf sich das ftüher angegebene Spiel wiederholt. Mit den beidenerstgenannten Kolben zugleich ist aber auch der Kolben in der Luftpumpe gestiegen und hat