36 Dampfmaschinen
relstiv- s I'inventian <l«s msckiinss s vopeiir" soll schon im I. 15-13 der span. SeecapltainBlasco de Garay im Hafen von Barcelona ein Dampfschiff nach seiner Erfindung gezeigthaben; doch behielt er das Geheimniß desselben für sich, das höchst wahrscheinlich auf einerAnwendung der D a m p fk u g e l (s. d.) begründet war. Der Prediger Mathesius in seinerBergpredigt „Sarepta" (Nürnb. 1562) bittet für einen Mann, welcher Wasser durch Feuerund Luft hebt, was für eine frühzeitige Anwendung der Dampfkraft in Deutschland spricht,und der deutsche Ingenieur Sal. de Caus, der zu Heidelberg im Dienste des Kurfürsten vonder Pfalz stand, beschreibt in seinem Werke ,,1-e» rsisons <les lorces mniivsntes svec üi-verses Mkiebines" (Franks. 1615) eine Dampfmaschine seiner Erfindung, die übrigens durch-aus nichts Anderes ist als eine Mqdificirung der Dampfkugel, welche auch der ItalienerBranca 1629 dahin benutzte, daß er die ausströmenden Dämpfe gegen die Schaufeln einesRades lenkte, das, dadurch in eine rotirendc Bewegung gesetzt, ein System ineinander grei-fender Räder trieb. Später kamen auch die Engländer auf die Idee, den Dampf als bewe-gende Kraft zu brauchen. Der Marquis von Worcester in seiner „6ent>irx ok inventions",deren Originalmanuscript von 1655 im Britischen Museum aufbewahrt wird, gedenkt einerDampfmaschine, mittels deren er selbst einen Wasserstrahl auf -tv F. Höhe emportrieb,und Sir Sam. Morland übergab 1683 Ludwig XIV. ein Project zur Wasserhcbung durchDampf, welches er mit den scharfsinnigsten Berechnungen und Tabellen versah, die großen-theils noch gegenwärtig ihre vollkommene Gültigkeit haben. Am 25. Juli 1698 erhielt derCapitain Thom. Savary das erste Patent auf Anwendung der Dampfkraft für verschiedeneMaschinen und stellte 1699 der socieh ein arbeitendes Modell vor; doch fand dieserVersuch noch keine ausgebreitete Anwendung und diente nur zu künstlichen Wasserwerkenin Gärten. Papin, der durch Leibnitz von Savary's Unternehmungen Kenntniß erhaltenhatte, stellte 1707 eine vollständige Theorie der Dampfmaschine auf, welcher er zugleich dieZeichnung einer Maschine nach seiner eigenen Erfindung beigab. Savary benutzte in seinerMaschine nicht allein die große Expansivkraft des comprimirten Dampfs, sondern er machteauch von dem luftleeren Raume Gebrauch, welcher sich nach der Condensation der Wasser-dämpse bildet. Savary's Maschine erhielt durch den Schmidt Thom. Newcomen, welcherden Niederschlag der Dämpfe sehr schnell bewirkte, eine viel wirksamere und ausgebreitetereAnwendung und auch die Deutschen, namentlich Weidler, Sturm, Leupold, welcher letztere1720 die erste Idee zu einer Hochdruckdampfmaschine hatte, machten sich durch bedeutendeVerbesserungen um die Dampfmaschine verdient, kfis endlich mit Watt und Boulton eineganz neue Ära für das DamvfmaMvemvrsen eintrat, das von da ab mit Riesenschrittenbis zu der Stuke de r Vollkommenheit emporstieg, auf welcher es sich gegenwärtig befindet.
Der Dampf(s. d.) besitzt, in bedeutendem Hitzegrade und unter einem gewissen Druckeentwickelt, eine sehr große Expansionskraft, und es kam bei Erfindung der Dampfmaschinenur darauf an, diese Expansionskraft zweckmäßig wirken zu lassen. Die Versuche der erstenErfinder, dieses zu bewerkstelligen, mußten jedoch so lange einen mangelhaften Erfolg haben,als man nicht das Kolbensystem in Anwendung brachte, und neuere Versuche, andere Systemezu adoptiren, haben durch ihre beschränkte Anwendbarkeit und ihre Mangelhaftigkeit darge-than, daß das Kolbensystem unstreitig das zweckmäßigste sei. Denken wir uns einen hohlen,unten geschlossenen Cylinder (Dampfcylinder), in welchem sich eine Platte (Kolben)luftdicht auf- und abschieben läßt und an dieserPlatte, mittels einer über eine Rolle geführtenSchnur, ein außer dem Cylinder befindliches Gewicht so angebracht, daß es steigt, wenn derKolben sinkt, und umgekehrt, und dieses Gewicht so schwer, als der Druck der Atmosphäreauf den Kolben ist, also 14 mal so viel Pfunde haltend als der Kolben lUZoll Oberfläche hat,so wird, sobald durch eine Öffnung am Boden des Cylinders Dampf unter den Kolben tritt,derselbe den letztem in die Höhe treiben und somit das Gewicht herabsinken, bei der Dampf-absperrung aber stehen bleiben. Wen» man nun in den mit Dampf gefüllten Cylinder kal-tes Wasser einspritzt, so werden sich die Dämpfe condensiren, und es wird unter dem Kolbenein luftleerer Raum entstehen, in welchen durch den Druck der atmosphärischen Luft derKolben hinabgedrückt und auf diese Weise das angehängte Gewicht gehoben wird. Wäreder Cylinder auch oben geschlossen und hätte dort ein Dampfzuflußrohr, stände aber untenmit einem auf irgend eine Weise luftleer gemachten Raume in Verbindung, so würde obe*