Darier (Anna) Darier (Bon Jos.) 5
der Tochter seines Lehrers, Anna Lefevre, 1683 das Band der Ehe. Zwei Jahre darauftraten Beide zur katholischen Kirche über und zogen sich, um den Schein zu vermeiden, alssei cs aus Interesse geschehen, für einige Zeit nach Castrcs zurück. Nach der Rückkehr nachParis wurde D. Bibliothekar des Königs und 1695 Mitglied der Akademie der Inschriftenund der Akademie, welche letztere ihn in der Folge zu ihrem beständigen Secretair wählte.Er starb am 18. Sept. 1722. Außer der Ausgabe des Festus und der „Oeuvres ck'Horsceen Iritin et eil Iranyaiss/ (Iv Bde., Par. 1681—89, 12.) sind bekannt seine Ausgabe desValerius Flaccus, die Übersetzung des Marcus Antoninus, des Epiktet, der Poetik des Ari-stoteles, welche ,eine seiner besten Arbeiten ist, der Lebensbeschreibungen des Plutarch, deSSophokleischen Ödipus und der Elektra, der Werke des Hippokratcs und mehrer Dialogendes Platon. Seine Übersetzungen sind zumeist höchst mittelmäßig und seine Erklärungen deralten Schriftsteller sehr seicht. Bei dem lebhaften Streite der franz. Gelehrten über die Vor-züge der Alten vor den Neuern verthcidigte er die Alten, aber mit so wenig Einsicht, daßBoilcau sagte, sie hatten über ihren Übersetzer D. mehr als über ihren Verleumder Perraultzu klagen.
Datier (Anna), geborene Lefevre, die Gattin des Vorhergehenden, geb. 1651 zu Sau-mur, begab sich nach dem Tode ihres gelehrten Vaters, der ihr Talent gebildet hatte, nachParis, wo sic durch eine Ausgabe des Kallimachus (1674, 4.), welche sie Huet, dem dama-ligen Unterhofmeister des Dauphin, zueignete, einen solchen Ruf erlangte, daß ihr der Herzogvon Montanster die Bearbeitung mehrer Ausgaben alter Schriftsteller zum Gebrauche desDauphin übertrug. Auch nach ihrer Vcrheirathuna setzte sie ihre a elebrte n Arbeiten fort.Besonders ma chte ihre, obsch on ckUueswegii ainMQllMeks Übersetzung des Homer (Amst.1708°; VleMAUsi., 8 Bbc., Par. 1756, 12.) Aufsehen, die sie mit Houdart de Lamotte ineinen Streit verwickelte. In den „Oonsiclerations sur le» eauses tle In corruption <1u goüt"(Par. 1714, 12.) verthcidigte sie den Homer mit dem Scharfsinne eines gründlichen Com-mentators, Lamotte aber antwortete ihr mit den Waffen des Witzes und der Sanftmuth,weshalb man damals sagte, Lamotte habe wie eine geistreiche Frau, sie dagegen wie ein ge-lehrter Mann geschrieben. In ihrem „Homere ilst'entlu" (Par. 1716, 12.) griff sie denJesuiten Hardouin an, der eine spöttelnde Lobrede dieses Dichters geschrieben hatte. Auchübersetzte sie den Tercnz (3 Bde., Par. 1688, 12.), den Amphitruo, Epidicus und Rudensdes Plautus (3 Bde., Par. 1683, 12.), welche letztere sie mit einer Vorrede begleitete, in dersie sich mit Einff-lu über dm I1,'ssi,u»!i dil Ausbildung und die Veränderungen der drama-tischen Poesie aussprach; den AnäkrkM vnd die Sappho (Par. 1681, 12.) und den Plutusund die Wolken des Aristophanes (Par. 1684, 12.), biederste kränz. Übersetzung diesesDichters, die darum auch billige Nachsicht verdient. Gleich achtungswerth siürch ihren Cha-rakter und durch ihre Talente, gewann sie ebenso viel Bewunderer durch ihre Tugend, ihreStandhaftigkeit und ihren Gleichmuth als durch ihre Schriften. Sie starb am 17.Apr. 1720.
Datier (Bon Jos.), franz. Historiker, geb. am l. Apr. 1742 zu Valognes im Depar-tement Manche, machte seine ersten Studien in Paris im College d'Harcourt als MitschülerTalleyrand's und Choiseul-Gouffier's, mit denen er auch später in nahen Beziehungen blieb.Von seinen Altern zum geistlichen Stande bestimmt, erhielt er die erste Weihe, verließ aberdiese Laufbahn, um sich dem Studium der Geschichte zu widmen. Er kam in das Haus vonFoncemagne und als dieser Erzieher des Herzogs von Chartres wurde, mit ihm ins Palaisroyal, wo er Mitschüler des Herzogs von Orleans, des nachmaligen Oito^en Lgslits war.Jm J. 1772 wurde er Mitglied der Akademie der Inschriften und 1782 zu deren beständigemSecretair erwählt. Als solcher stiftete er dasComite der Handschriften, welches die „Koticeset ertritits" aus den ungedruckten Werken der pariser Bibliotheken herausgab. Im 1.1784wurde er vom Grafen Provence (Ludwig XVIII.) zum Historiographen der Orden St.-Lazarus, Jerusalem und Karmel ernannt. Nachher erhielt er den Auftrag, eine vollständigeAusgabe der Chronik von Froissart zu veranstalten; schon war der erste Band seiner Voll-endung nahe, als der Druck unterbrochen wurde- Seine handschriftlichen Sammlungen fürdiese Arbeit benutzte später Buchen bei seiner Ausgabe dieses Schriftstellers. Im I. 1790hatte D. als Mitglied der Municipalität der Stadt Paris die neue Vertheilung der Steuernzn besorgen. Das Finanzministerium, welches ihm kurze Zeit nachher Ludwig XVI. anbot,