Dächer 3
fangen hatte, die Hauser mit der langen Seite nach der Straße zu richten, erfand der statt;.Baumeister Mansard (s. d.), um die nun mehr hcrvortrekendc einförmige Dachflächezu unterbrechen, die nach ihm benannten Mansard cd ach er. Gleichzeitig mit Mansardbrachte der franz. Architekt Philibert de l'Orme die Bohlcndächer in Aufnahme, indemer alle starke Balken und geraden Sparren verwarf und statt derselben bogenförmige Spar-ren anwendete, welche er aus zwei bis drei Zoll starken Bohlenstückcn zusammensetzte undso ihnen eine Sprengung gab, daß sie, vor dem Seitcnschub gesichert, ohne weitere Un-terstützung ihr eigene und die Last des Deckungsmaterials tragen konnten. Durch die Bo-gensparren erhielten diese Bohlcndächer, über welche man oft noch gerade Sparren legte undso die Dachflächen gerade machte, um das Deckungsmaterial besser auflegen zu können,ursprünglich gewölbte Dachflächen, und wenn man dieselben auf kreisrunde oder ovaleGrundflächen stellte, so erhielt man Kuppeldächer, die man indeß auch schon früher ge-kannt hatte. Späterhin kam die Construction der Bohlendächer wieder in Vergessenheit,bis sie 1797 Gilly in Deutschland von neuem einführte, wo sie dann mehrfach in Anwen-dung kam. Jene Zeit, welche den sogenannten Nococostil auch in die Baukunst brachte,äußerte auch ihren Einfluß auf die Dachformen, namentlich der sogenannten Staatsgcbände,und von dorther schreiben sich die sogenannten Haubendächer, deren schräge Flächen inmannichfach geschwungenen Linien gebildet sind und die wir noch heute an manchen Thurmdächern vorfinden. Die in der neuesten Zeit mehrfach in Anwendung gekommenen eisernenDachstühle gründen sich ganz auf die Holzconstructionen der Hängewerke und der Bogcn-sparren und gewähren große Leichtigkeit, Raumersparniß und ^eue rflckierheit. —
Die Formen der
fledurch die Hölü 9ks D üh?ÜNVcryaltnlp zu dessen Tiefe oder Breite bestimmt werden,so machten sich auch hier die klimatischen Verhältnisse so lange geltend, bis der Fortschritt derKunst und neuere Erfindungen sich denselben siegreich cntgcgcnstelltcn. Den platten oderAlcandächern, den ältesten, stehen zunächst die griechischen, deren Höhe '/r —'4 ihrerGrundfläche beträgt, und dieser die italienischen Dächer, deren Höhe'/r ihrer Grund-linie ausmacht. Die altfranzösischen Dächer haben etwas über die Hälfte der Haus-tiefe zur Höhe, während die altdeutschen Dächer ein gleichseitiges Dreieck bilden, alsobeinahe "/>o der Tiefe zur Höhe haben, welche bei den Kirch endächern bis zur vollcnTiefedes Gebäudes steigt. Gegenwärtig haben die gewöhnlichen sogenannten Winkeldächer7 /.. In neuerer Zeit hat man den Dachconstructioncn große Auf-
merksamkeit geschenkt/ und Illllluniuch-habe n in Deutsch land Mollcr's Bemühungen indieser Art viel Erfolg gehabt. Eine cigenthünssl!!-! VöstfkkMM« aber stellen die nach ihremErfinder, dem Fabrikencommissionsrath Dorn in Berlin genannten DorVßH-en Dächerdar, welche die Möglichkeit einer sehr flachen Böschung gewähren, ohne daß man zu Meflav-cindeckungen seine Zuflucht nehmen müßte. Man legt bei diesen Dächern die Sparren miteiner solchen Neigung gegeneinander, daß die Höhe des Dachs etwa '/s der Tieft oder selbstnoch weniger beträgt. Auf diese Sparren werden Latten etwa Zoll weit voneinander ge-nagelt und auf und zwischen denselben die Deckungsmasse, aus '4 geschlämmtem Lehm und*/- Lohe gut durcheinander gemengt und mit Wasser zu einem ziemlich derben Teig gemacht,etwa Zoll dick aufgctragen und mit einem Streichbret gleich gestrichen. Ist dieser Estrichtrocken, so wird er mit heißem Steinkohlentheer zwei bis dreimal übergossen und verstrichen,wodurch nach dem Erkalten sich eine steinartige Masse bildet, welche dem Regen und Schneeundurchdringlich ist. Mit dem letzten Aufgusse vereinigt man Erdprch oder sonstige harzigeSubstanzen und überstreut das Ganze dick mit grobkörnigem Sande, welcher sich mit dirMasse verbindet und ihm noch größere Festigkeit gibt. Man hat diese Dächer an vielenOrten angcwendet und ist auch in den ersten Jahren vollkommen damit zufrieden gewesen,doch ist man später zu der Einsicht gelangt, daß sich diese Art Dächer nur für kleinere Flächeneignen. Die Erleuchtung des Dachraums geschieht durch Dachfenster, welche entwedersenkrecht gestellt und deshalb ausgebaut, oder in die Dachfläche selbst gelegt werden. BeideArten haben den Nachtheil, daß sie sehr bald nicht mehr wasserdicht halten und dann denRuin der anliegenden Theile des Dachs herbeiführen. Deshalb ist man meist davon abge-