Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
756
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756 Cylinder Cyniker

Cylinder oder Walze Heißtein geometrischer Körper, der in der Natur wie in derKunst sehr häufig vorkommt. Wenn eine gerade, sich selbst immer parallel bleibende Linieso herumgeführt wird, daß ihr einer Endpunkt sich durch die aufeinanderfolgenden Punkteirgend einer gegebenen krummen Lime von einfacher Krümmung bewegt, so beschreibt sieeine Cylinderfläche oder die Oberfläche eines Cyliflders, im allgemeinsten Sinne des Worts,ihr anderer Endpunkt aber eine krumme Linie, die der ersten völlig gleich ist und in einer derEbene derselben parallelen Ebene liegt. Beide krummlinige Figuren heißen die Grundflächenund ihr Abstand die Höhe des Cylinders. Demnach ist ein Cylinder ein Körper, der vonzwei ebenen und völlig gleichen, in parallelen Ebenen liegenden krummlinigen Figuren, welchedie Grundflächen des Cylinders bilden, und einer beide verbindenden krummen Fläche, derSeitenfläche, eingeschlossen wird. Die letztere hat die besondere Eigenschaft, daß man aufihr von einer Grundfläche zur andern unzählige gerade Linien ziehen kann, die einander gleichund parallel find. In der Regel betrachtet man nur Kreiscylinder, d. h. solche, deren beideGrundflächen Kreise sind; von diesen kommen wieder die geraden am häufigsten vor. Einsolcher entsteht auch durch die Umdrehung eines Rechtecks um eine seiner Seiten. Diejenigegerade Linie, welche die Mittelpunkte der Grundflächen eines Kreiscylinders verbindet, heißt dieAchse des Cylinders, alle auf der Seitenfläche möglichen geraden Linien find ihr gleich undparallel, und je nachdem sie auf den Grundflächen senkrecht oder schief steht, ist der Cylinderselbst gerade oder schief; im ersten Falle ist die Achse gleich der Höhe. Durchschneidet maneinen Kreiscylinder mit einer Ebene, so ist die Durchschnittsfigur ein Kreis, wenn die schneidendeEbene der Grundfläche parallel ist, ein Parallelogramm aber, wenn sie durch die Achse ge-legt ist, außerdem stets (einen besonder« Fall ausgenommen) eine Ellipse. Der körperlicheInhalt jedes Cylinders wird gefunden, wenn man den Inhalt der Grundfläche mit der Höhemultiplicirt. Die krumme Seitenfläche oder Cylinderfläche läßt sich nur bei einem geradenCylinder leicht berechnen und ist dann gleich einem Rechtecke, das den Umfang der Grund-fläche zur Grundlinie, zur Höhe aber die Höhe des Cylinders hat; beides multiplicirt, gibtalso den Inhalt der Seitenfläche des Cylinders, zu welcher man noch die beiden Grundflächenaddiren muß, um die gesämmte Oberfläche des Cylinders zu erhalten. Unter einem C y -lindroid versteht man erstens einen cylinderartigen Körper oder solchen Cylinder (nach derim Vorigen angegebenen allgemeinsten Bedeutung), dessen Grundflächen keine Kreise find;zweitens einen Körper, der durch Umdrehung einer Hyperbel oder Parabel um eine durchden Mittelpunkt auf die Hauptachse senkrecht gezogene gerade Linie erzeugt wird, wiewol dieseBenennunssnkckt ganz passend zu sein scheint. Cylinderuhren sind solche Uhren, beidenen die Hemmung mittel? öiiteS Cylinders geschieht. Statt des Steigrads haben sie einhorizontales Rad mit aufrechtstehenden kleinen Häkchen,- die in den Einschnitt eines kleinenhohlen (am besten aus Quarz oder Achat verfertigten) Cylinders eingreife», auf desscnAchsedie Unruhe befestigt ist, sodaß die Spindel wegfällt. Erfunden wurde diese neuerlich sehrin Aufnahme gekommene und beliebt gewordene Hemmung durch den Engländer Tompion,nachher aber durch Graham u. A. wesentlich verbessert.

Cymbel hieß bei den Alten ein namentlich beim Dienste der Cybele gebrauchtes Jn-strumentvon Erz, das, ähnlich den Becken bei derJanitscharenmusik, aus zwei hohlen Beckenbestand, welche, zusammengeschlagen, einen gellenden Ton gaben. Die Neuern nennenCymbel ein Glöckchen von Silber, das häufig in alten Orgeln angebracht ist und gewöhn-lich mit einem beweglichen Stern in der Orgelfront in Verbindung steht; daher der miteinem Glöckchen versehene Klingelbeutel ebenfalls Cymbel genannt wird. Cymbel heißtendlich auch eine gemischte Orgelstimme. Cymbal nennt man jetzt meist das Hackebret.

Cyniker nannte man die philosophische Sekte, welche Antisthenes (s. d.), ein Schü-ler des Sokrates, in dem Gymnasium Kynosarges zu Athen um 380 v. Chr. stiftete. Siemachte die praktische Moral zum vornehmsten oder vielmehr einzigen Gegenstände der Phi-lojophie, verachtete alle Spekulationen und setzte die Tugend in das Entbehren und in dieUnabhängigkeit von dem Äußern, wodurch man Gott ähnlich werde. Diese Einfachheit desLebens artete jedoch in Schmuz und Vernachlässigung alles Anstandes aus. Man wollteder Natur gemäß leben und setzte sich dadurch zum Wilden ja zum Thiere herab. Daherwar es kein Wunder, daß diese Sekte bald der Gegenstand allgemeiner Verachtung wurde.