Cuvier 751
rächet war C. seit 1867 mit der Witwe des Gcneralpächters Duvancck, der 1764 unter derGuillotine ftarb. In allen andern Verhältnissen vom Glücke fast verfolgt, hatte er das bit-tere Misgeschick, seine vier Kinder zu überleben.
Die Bcurtheilung von C.'s Wirksamkeit und Verdiensten ist um so schwieriger, da ereiner von jenen Begünstigten war, die sich in den verschiedensten Berufen mit gleichem Glückeund Leichtigkeit bewegen. Als Sammler naturhistorischer Gegenstände, als Untersucherderselben, als philosophisch vergleichender, scharfsinniger Forscher, als klarer Systematiker,als vortrefflicher Lehrer und glänzender Redner, als umsichtiger Staatsmann, als Freunddes Volks, der in einem tüchtigen Unterrichte und in der Erziehung die einzigen sichernGrundlagen des Volksglücks erkennt und sie daher mit Sachkennkniß cinrichtet und über-wacht, in jedem dieser mannichfaltigen Gebiete steht C. Achtung gebietend da. Ihm verdanktbesonders die Naturgeschichte die ungetheilte Anerkennung, die ihr früher von vielen Seitenher versagt wurde. Er legte den Grund zu der jetzt alleinherrschenden zoologischen Methode(s Zoologie), indem er den Sah aufstellte, daß Organisation und physiologisches Ver-halten eines Thiercs so eng verkettet sind, daß Eins das Andere bedingt, und daß die ge-naue Kenntniß dieser Eigenthümlichkciten allein zur Bcurtheilung von Verwandtschaft undsystematischer Stellung führen könne und alle ferncrn Folgerungen nur von diesen philo-sophischen Basen ausgehen dürften. Hierdurch erhob er die vergleichende Anatomie, die bisdahin nur aus einer Menge unverbundener Einzelnheitcn bestanden, zuerst zur Wissenschaft.Nachdem er mit eisernem Fleiße eine zahllose Menge Thiere, und besonders die noch weniggekannten Weichthiere, untersucht, gab er die „I^eynns d'anatomio comparee" (5 Bdc.,Par. 1861 —5; neue Ausg., von vielen seiner Schüler gemeinschaftlich besorgt, Par. l 816;deutsch von Froriep und Merkel, 4 Bdc, Lp;. 1868— l 0) heraus, die er in den „illemoiro»pimr servir ä l'bistoire de I'naatomie des mollusquos" (Par. 1816) ergänzte. Mit be-wundernswertstem Scharfsinne wendete er die Sätze seiner vergleichenden Osteologie auf dieNeste vorweltlicher Wirbelthierc an und eröffnet« zuerst eine Bahn, auf welcher ihm seit-dem Forscher aus allen Nationen gefolgt sind. Seine „Recllei-elms snr los »Moments fos-siles^ (Par. 1821—24; 4. Aust., Par. 18.75) sind eine wahre Fundgrube des mannich-fachstcn naturhistorischen Wissens. Sie enthalten zuerst die sichersten Beweise, daß die Ge-schöpfe in verschiedenen Perioden und zwar die einfachsten Formen am frühsten entstandensind, daß jene untergegangenc Schöpfung von der gegenwärtigen meist sehr verschieden ge-wesen, und daß selbst zwischen ganz ähnlichen Organismen verschiedener Erdperioden spe-cielle Unterschiede stattsinden, daß daher die West» der Jetztwelt nicht durch gradweise Um-bildung aus jenen verweltlichen Formen hcrvorgcgangen sei» können. Lm Verlaufe dergcognostischen Untersuchungen des pariser BeckenS kam C. zuerst auf den wichtigen Gedan-ken, daß abwechselnd Fluten von Süßwasser und vom Meer die Erdoberfläche verändert,ein Sah, der seitdem allgemeine Geltung gefunden und viel Licht verbreitet hat. EinenBeweis hoher Fähigkeit, wissenschaftliche Forschungen allgemein verständlich und in glänzen-der Sprache vorzulegen, gab er ferner durch die berühmte Einleitung zu dem letztgenanntenWerke, den besonders gedruckten und vielfach neu aufgelegten „Discours s»r les revolutions,1« la surlace d» ^lobe et sur les elmngements qii'elles ontprodiiits dans io rögne animal".Seine Grundsätze über Anordnung des Thierrcichs hatte er zwar schon in der ersten Auflageseines Hauptwerks „H rögno animal" (4 Bde., Par. 1817; deutsch von Schütz, Stlittg.1818) umständlich dargelegt, allein die zweite Auflage desselben Buchs (Par. I826 fg.;deutsch von Voigt, 6 Bde., Lp;. 1871 —42) wird durch consequcnte Verfolgung des leiten-den Gedanken, durch Neichthum und dennoch Gedrängtheit des Materials zu aller Zeit einMuster bleiben. In Verbindung mit Valencienncs begann er schön 1828 seine „Histoire»aturvlle des yoissons", die von Letzterm jetzt mit geringcrm Glück fortgesetzt, 1847 schonbis zum >6. Bande gediehen war, und auf Ungeheuern Vorarbeiten C.'s und der größtenSammlung von Fischen beruht, die ein Einzelner je zusammcngebracht. Die von C. gehal-tenen Gcdächtnißreden in dem „kecneil d'eloges llistoriqiios" (7 Bde., Par. 1819 fg.) sindMustcrwerke der Darstellung und sehr wichtig für die Geschichte der Wissenschaft.
Im öffentlichen Leben entwickelte C. dieselbe Thätigkeit wie auf dem geräuschloser!;Felde der Natmsvrschung und gewann hierbei das seltene Lob, nie einer Partei sich blind