Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
750
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756 Cnstos Cuvler

Custos, in der Mehrheit Cnstoden, eigentlich Hüter, wovon auch das deutsche WortKüster, d. i. Kirchcnhnter, abstammt, nennt man insbesondere den Aufseher einer Bibliothek,Kunst-, Naturaliensammlung u. s. w. In der Sprache der Buchdrucker heißen Custodendie am Schluffe einer Seite unten gesetzten Anfangssylbcn der nächstfolgenden Seite, dochwerden dieselben, als der Symmetrie zuwider, jetzt meist weggelassen. In der Notenschriftheißt Cu stosdas Zeichen, welches anzeigt, daß die Noten einer Stimme auf der folgendenSeite in demselben Schlüssel fortgehen.

Cuvier (George Leopold Chre'tienFrede'ric Dagobert, Baron von), geb. am 23. Aug.1769 in der damals würtemberg. Stadt Mömpelgard, war der zweite Sohn eines Offiziersdes Schweizcrregimcnts Walden und wurde unter der Aufsicht einer durch moralische Vor-lrcfflichkeit und seltene Bildung ausgezeichneten Mutter erzogen. Seine raschen Fortschritteerregten zeitig die Aufmerksamkeit der Lehrer des Gymnasiums von Mömpelgard, schütztenihn aber nicht gegen die Ungerechtigkeit eines übelwollenden Examinators, die indessen da-durch ausgeglichen wurde, daß ihm der Statthalter, Prinz Friedrich, 1784 eine Stelle inder Karlsakademie zu Stuttgart verschaffte. C. studirte hier in sehr verschiedenen Fächern,vergaß aber über denselben nicht die Naturgeschichte, der er schon als zwölfjähriger Knabe,durch Gesner's Thiergeschichte und Buffon veranlaßt, sich hingegeben hatte. Die beschränk-ten Vermögensumstände seiner Altern zwangen ihn, am Schluffe der akademischen Lehrzeit1788 eine Hauslehrerstelle bei dem Grafen d'Hericy auf dem Schlosse Fiquainville in derNormandie anzunehmcn, wo ihn besonders die Nähe des Meers zur Fortsetzung seiner natur-historischen Untersuchungen veranlaßte. Ein Zufall brachte ihn dort in Verbindung mit demAbbe Tessicr, der als Schriftsteller über Ackerbau berühmt, unter der Gestalt eines Regi-mentsarztes sich während der Schreckenszcit verborgen hielt, und nach Wiederherstellung derOrdnung durch seine Verbindungen mit den vornehmsten der pariser Gelehrten C. 1795einen Ruf nach Paris als Professor an der Centralschule des Pantheons verschaffte. Kurznachher wurde C. zum Gehülfen Mertrud's, des Lehrers der vergleichenden Anatomie amJardin des plantes ernannt und begann auf der Grundlage von fünf schlechten, von Dau-benton herrührcnden Skeletten, jene Sammlung zu errichten, die zur größten Europas ge-worden ist. Im 1.1796 zumMitglicde des neuerrichteten Nationalinstituts ernannt, wurdeer 1890 Daubenton'S Nachfolger am College de France und als einer der sechs Generalin-spcctoren des gelehrten Unterrichts von Bonaparte 1802 mit Einrichtung der Lyceen zuBordeaux, Nimes und Marseille beauftragt. Gleichzeitig erhielt er eine der zwei bestänbi-gen Secretairstellen an dem neugeformtcn Nationalinstitute und stieg fortwährend in derAchtung des Kaisers, der ihn 1808 zum Nach der neuen kaiserlichen Universität auf Lebens-zeit erhob, ihm die Einrichtung von Akademien in den neuen Gebietstheilen des Kaiserreichs,in Italien, Holland und den Hansestädten übertrug, 1813 zum Rcquetenmeister imStaats-rathe ernannte und endlich nach Mainz als außerordentlichen Commissar abschickte, umdie Bewohner des linken Nheinufers zur Erhebung gegen die Verbündeten zu vermögen,die jedoch so rasch vordrangen, daß C. umzukehren gezwungen war. Napoleon machte ihnzum wirklichen Staatsrathe kurz vor dem eigenen Falle, der aber auf C. keinen Einstuß übte,denn Ludwig XV1I1. ließ ihn nicht nur im Besitze aller Würden, sondern fügte noch neuehinzu. Die Hundert Tage brachten C. um seine Stellung im Staatsrathe, allein bei der Wie-derkehr der Bourbons erhielt er das Amt eines Kanzlers der Universität und von da an im-mer neue Auszeichnungen als Lohn seiner unermüdlichen Thätigkcit und seiner vielartigenVerdienste um Frankreich und die Wissenschaften. In England ward er bei Gelegenheiteines Besuchs im 1.1818 mit Ehren überhäuft, gleichzeitig zum Mitgliede der franz. Aka-demie erwählt und als Minister des Innern vorgeschlägen, 1819 zum Rang eines Baronserhoben, von Ludwig XVIII. in den Cabinetsrath berufen, 1822 zum Großmeister der pro-testantisch-theologischen Facultät der Universität ernannt, 1826 Großoffizier der Ehrenlegionund sogar noch mit äußerer Achtung behandelt, als ihn seine entschiedene Weigerung, diePreßbcschränknngen Karl's X, zu unterstützen, um die Hofgunst gebracht hatte. Unter Lud-wig Philipp behielt, er alle Ämter und Würden, wurde am 19. Nov. 1831 Pair von Frank-reich und sollte zum Minister des Innern ernannt werden, als er plötzlich erkrankte und voneiner unaufhaltsam fortschreitenden Lähmung ergriffen, am 13. Mai 1832 starb. Verhei-