Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
741
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Culm Cultur 741

wurden, da man die Anhänglichkeit der Hochländer an das alte Königshaus in der Eigen-lhümlichkeit ihres ganzen Lebens, besonders der Clanverfassung, gegründet fand, alle Ein-richtungen, woran sie geknüpft schien, aufgehoben. (S. Schottland.)

Culm, pol». <7l;I»»><>, eine Kreisstadt im Regierungsbezirk Marienwerder der Pro-vinz Westpreußen an der Weichsel, hat .','»<10 E., ein Cadettenhaus und ein Gymnasium.Das Bisthum daselbst wurde >243 errichtet; der Sitz des Bischofs und des DomcapitelSaber 1824 nach dem ehemaligen Cistercicnserstifte Pelplin verlegt. Die Begründung derStadt durch die Kreuzritter fallt ums I. 1230; 1454 unterwarf sie sich nebst dem Um-kreise, dem Culmcr lande, dem poln. Könige, und fiel durch die erste Theilung Polens anPreußen. Nach ihr ist das entmische Recht benannt. Als im IS.Jahrh. die StädteDeutschlands zu bürgerlicher Freiheit und fester rechtlicher Ordnung sich erhoben, thciltcnbesonders diejenigen, in welchen Bischöfe ihren Sitz hatten, sich ihre Satzungen mit. So kammagdeburgisches Recht nach Breslau und von Schlesien weiter nach C. Schon >233 gabder Hecrmeister Hermann von Salza der Stadt einen Brief über ihre Freiheiten, der > 251erneuert wurde, und >394 sammelte man ein Nechtsbuch, welches sich von da aus nachandern preuß.Städten verbreitete und nachdem man besonders in Polnisch-Preußen verfuhr.Es wurde zuerst 1584 zu Thorn gedruckt und zuletzt 1711 umgearbeitet. Vgl. Bandtke.3»s cnlmense" (Marsch. 1814) und Prätorius,Versuche über die mimische Handfeste,das älteste Grundverfafsungsgesetz Preußens" (hcrausg. von Lohde, Thorn 1842). DasCulmcrland hatte sein eigenes Flächenmaß, der culmische Morgen enthält 332 preuß.ORuthcn, die culmische Hufe bald 30, bald 60 solcher Morgen.

Culmination heißt in der Astronomie der Durchgang der Sterne durch den Meri-oian, weil sie in dem Augenblicke dieses Durchgangs den höchsten Gipfel (culmsn) oderPunkt ihrer Bahn erreicht haben. Ein Stern culminirt heißt demnach, er geht durchden Meridian, hat seinen höchsten Standpunkt am Himmel, den Kulminationspunkt,erreicht. Die Sonne culminirt immer um zwölf Uhr wahre Zeit, d. h. im wahren Mittag,der Vollmond culminirt um Mitternacht. Die Firsternc culminircn dann, wenn eine nachSternzeit gehende Uhr die in Zeit ausgedrückte gerade Aufsteigung dieser Sterne zeigt. Soist die gerade Aufsteigung von « Orion gleich 5 St. 46 Min., also culminirt auch dieserStern täglich um 5 St. 46 Min. Sternzeit (s. d.). Bei Fixsternen liegt die Zeit der Cul-mination immer genau, bei der Sonne, dem Monde und den Planeten beinahe genau in derMitte zwischen der Zeit des Auf- und Untergangs. Für die Astronomen ist die Kenntnißder Culminationszeit der Gestirne von der größten Wichtigkeit, weil, dieselben, so oft die größteSchärfe gcfodert wird, immer zu dieser Zeit beobachtet werden müssen und die Refractiondann den kleinsten Einfluß übt. Von der astronomischen ist eine tropische Bedeutung desWorts hergeleitet; so sagt nian, unter Augustus hatte die röm. Literatur ihren Culmina-tionspunkl, d. h. ihre größte Blüte, erreicht.

Cnltivkttoren heißen die Ackerwcrkzeuge, die meist in England oder doch nach engl.Mustern gefertigt werden. Mit großer Zeit- und Kraftersparnißwird mitihnen die Oberflächedes ackerbaren Landes 2 4 Zoll gelockert, gepulvert, gleichmäßig gemengt und von Un-krautsamen und Wurzeln befreit. Es gehören hierher der Exstirpator, Scarificator, Ruhr-haken, Hobelpflug, Geier, Egge u. s. w. (S. Pflug, Haken und Egge.)

Cultur, abgeleitet vom lat. cyloro, d. i. bebauen oder bearbeiten, bedeutet zunächstdie auf eine Sache gerichtete Thätigkeit, um die in ihr schlummernden Kräfte zu entwickelnund auszubildcn; dann aber auch den Zustand, in welchem diese Kräfte schon bis zu einembedeutenden Grade entwickelt und ausgebildet sind. Daher spricht man ebcnsowol von derCultur eines Ackers oder Landes als von der Cultur eines Menschen oder Volks. Rousseauin der Schrift8>ir I'iiieg^lite parmi le» kiommes" betrachtet den Culturzustand des Men-schen als die Hauptquclle des physischen und moralischen Elends, welches die Menschen drückt,weil durch Cultur ihre Verhältnisse so gesteigert würden, daß ihre Neigungen und Wünschekeine Grenzen mehr anerkennten. Nach seiner Ansicht sollen die cultivirten Menschen, umsich von jenem Elende zu befreien und ihre Bestimmung zu erreichen, in den ursprünglichenZustand natürlicher Roheit zurücktretcn. Diese Paradoxie hat aber nur in der Verwechselungeiner einseitigen Bildung oder Halbcultur mit der wahren Bildung (s. d.) ihren Grund,