Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
729
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Cronegk 729

an, und sein früherer Waffengefährte Sindercome predigte sogar gegen ihn die Rechtmäßig»keit des Mords. Mehre Complots wurden von dieser Seite entdeckt und unterdrückt. Auchdas fanatische Heer, in dem sich ein wicdertäuferischer Geist regte, legte allmälig Unzufrie-denheit mit der strengen und nüchternen Regierungswcise, die nun eingetrctcn, an den Tag,und selbst die Verwandten C.'s, die jetzt einsahcn, daß derselbe mehr auf die eigene Größeals die Erhebung der Religion gearbeitet, wurden kalt und hielte» sich fern. Die ganze Na-tion richtete allmälig ihre Wünsche auf den Prinzen von Wales. C., der kühne, unerschrockeneMann, vermochte diese allgemeine Entfremdung nicht zu ertragen; er gerieth in Furcht, um-gab sich mit Wachen, ging nur bewaffnet umher, faßte Argwohn gegen jedes fremde Gesicht,schlief nie mehre Nächte in einem Zimmer, und sein sonst kräftiger Körper erlag endlich ei-nem tödtlichen Fieber, zumal der Tod seiner geliebten Tochter, Elisabeth Claypole, ihn tiefbetrübt hatte. Auf seinem Krankenbette unterhielt sich C. zwar viel mit Geistlichen und legteunzweifelhaft an den Tag, daß seine Religiosität keine Heuchelei sondern das Bedürfniß ei-nes tiefen Gemüths gewesen; allein er glaubte nicht an sein nahes Ende und hielt sich, wäh-rend seine Kräfte sanken, für einen Genesenden. Schon besinnungslos antwortete er auf dieFrage der Deputation des Staatsraths, ob er seinen Sohn Richard zum Nachfolger ernenne,mit: Ja. Er starb hierauf am 3. Sept. 1658. C. hinterließ die Verwaltung Englandsgeordnet und das Ansehen der Republik nach außen befestigt; nur ein Mann von der Tiefeund Schärfe seines Geistes und der Stärke seines Charakters konnte dieses Werk in wenigenJahren vollbringen. Seine Negierung zeichnete sich durch Strenge und Gerechtigkeit aus;allein seine Zeitgenossen waren für die großen Eigenschaften C.'s blind und für seine Ver-dienste um das öffentliche Leben der Nation nicht dankbar, weil die Republikaner den Wegzur Erhebung, und die Royalisten den blutigen Umsturz eines Throns Haffen mußten.Sein Sohn NichardC., geb. 1626, legte die ihm von Vater übertragene Würde als Pro-tcctor bald nach dessen Tode freiwillig nieder und ging nach Karl's II. Thronbesteigung aufden Contincnt, kehrte jedoch 1680 nach England zurück, wo er nun unter dem Namen Clarklebte und 1712 starb. Vgl. Villemain'sttistnire 6e O." (2 Bde., Par. 1819); fernerdie Sammlungen der Briefe und Staatsschriften C.'s, welche Th. Carde 1736 und Nikols1713 herausgegeben haben, sowie dieiVlemniis ok tüe Urotectar Oliver 6., sncl okbis SONS, Ricliarel <»,<I Uenr)-", herausgegeben von einem Nachkommen C.'s, Oliver C.(Lond. 1820, 3.).

Cronegk (Job. Friedr., Freiherr von), deutscher Dichter, geb. am 2. Sept. 1731 zuAnsbach, wo sein Vater als Ecneralfcldmarschalllicutenant des fränkischen Kreises lebte,machte schon früh in den alten klassischen wie in neuern Sprachen ausgezeichnete Fortschritteund studirtc seit 1739 zu Halle und seit 1750 zu Leipzig, wo er mit allen namhaften dortlebenden Schriftstellern der neuern Richtung und namentlich mit Geliert, der vorzugsweiseauf ihn wirkte, in Verbindung trat. Dagegen richtete er mehre satirische Angriffe gegen Gott-sched und seine Anhänger, die er durch eine Sammlung Grabschriften in Knittelversen ver-spottete. In Braunschweig lernte er 1751 Gärtner, Ebert und Zachariä kennen; dann zumansbachischen Hof-, Regicrungs- und Justizrathe ernannt, machte er eine Reise durch Ita-lien und Frankreich, die ihn zum Weltmann bildete und seine Ansichten über Theater undSchauspiel läuterte. Nach seiner Rückkehr widmete er sich zwar den öffentlichen Geschäften,setzte jedoch seine poetischen Bestrebungen fort und erhielt den von Nicolai für das beste deut-sche Trauerspiel ausgesetzten Preis, starb jedoch, noch ehe er die Nachricht seines Triumphserhielt, an den Blattern am 31. Dec. 1758. Dieses Preistrauerspiel war derKodrus",welches man, um billig zu sein, von dem Standpunkte einer Zeit beurtheilen muß, woDeutschland kaum ein einziges erhebliches Originaltrauerspiel aufzuweisen hatte. ImKo-drus" ist mehr Rhetorik als Handlung, die Charakteristik höchst allgemein, idealisirt undgleichmäßig, doch die Diction würdig, nicht kraftlos, nicht ohne den Hintergrund tüchtigerGedanken. Minder vorthcilhaft erscheint C. in seinen Lustspielen, worunter das sünfactischeDer MiStrauische", zu welchem er durch die Darstellungen der Koch'schen Gesellschaft inLeipzig angeregt worden war. Unter feinen didaktischen, lyrischen und moralisirendcn Ge-dichten ist das GedichtDie Einsamkeiten" vorzugsweise zu nennen. Ein großes Verdiensterwarb er sich dadurch, daß er einer der Ersten war, welche in Deutschland auf die «ichen