Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
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722 Cromivell

wurde von den großen Nednertalenten des Hauses durchaus verdunkelt und nur in einigenkirchlichen Angelegenheiten gebraucht, wo er rohen Fanatismus an den Tag legte. Wie ge- !wohnlich, löste der König schon 1629 dieses puritanische Parlament mit Gewalt auf. Der-selbe hatte sich entschlossen, von jetzt ohne Parlament zu regieren und suchte sich dazu dieMittel durch ein System unerhörter Bedrückung, durch längst erloschene Lasten und Ab-gaben zu verschaffen. Die besonders im Glaubenspunkte hart bedrängten Puritaner wan-derten deshalb in die amerik. Colonien aus, und auch C. mit einer Menge anderer Partei-häupter stand im Begriff, ein Schiff zu besteigen, als ein Befehl des Königs die fernere Aus-wanderung verbot. Bald darauf unternahm Karl l. auf den Rath des Erzbischofs Laudvon Cantsrbury die Unterdrückung der schon 1588 von Volk, Klerus, Adel und König unterdemNamen des Covenant beschworenen prcsbyterianischcn Kirchenvcrfassung der Schotten.

Es hatte sich darüber ein Krieg entspannen, und Karl mußte 1640 ein Parlament berufen,um die Summen für die Unterdrückung der Schotten zu erhalten. C. wurde von Cambridgeins Unterhaus gesandt und auch, nachdem die Versammlung im Mai aufgelöst worden, imNov. gleich allen übrigen Gliedern wieder erwählt. Diese Vorgänge trieben endlich dasParlament zu einer entschiedenen Opposition gegen die Politik des Königs, und als da-mit der Bruch Mischen Volk und Thron vollständig würde und eine That der andern folgte,wurde auch die verborgene Thatkrafc und Energie C.'s plötzlich frei. Er nahm lebhaftenAntheil an der Verurtheilung des Grafen Strafford, der Anklage des Erzbischofs Laud undbetrieb mit einem leidenschaftlichen Eifer die Durchsetzung der sogenannten Nemonstranzbill,die alle Beschwerden des Volks gegen den König zusammcnfaßtc und auf die gänzliche Ent-zweiung berechnet war. Der König erschien nach Überreichung der Bill am 4. Jan. 1642persönlich im Parlament, klagte mehre Glieder des Hauses des Hochverralhs an, mußte aber, <als er Gewalt brauchen wollte,,vor dem drohenden Sturme aus London entweichen und zog,nach vergeblichen und dcmüthigenden Unterhandlungen, endlich im Aug. zu Nottinghamden Adel zusammen, um das Parlament mit den Waffen zu unterwerfen.

C., damals 43 Jahre alt, znm Handeln als leidenschaftlicher Puritaner gedrängt, betratjetzt eine Laufbahn, auf welcher er durch die Stärke seines Charakters und die Größe seines Ge-nies den höchsten Gipfel politischer Macht ersteigen sollte. Zwar kannte er denKriegsdienst nicht,aber er unternahm die Bildung eines Neitercorps, das er gegen den König führen wollte, undwurde vom Parlament, das sich jetzt als souveraine Macht benahm und Rüstungen betrieb,zum OMik ernannt. Sein Scharfsinn hatte vor Allen begriffen, daß dem vom ritterlichenGeiste beseelten HekrTdW Königs der zusammengeraffte Haufe des Parlaments, dem esan Disciplin und einem idealen Stützpunkte fehlte, nicht würde Stand.halten können. Er-wählte deshalb seine Reiter aus den empfänglichen und unverdorbenen Söhnen des Land-volks, übte dieselben und zugleich sich selbst mit unermüdlichem Eifer bis in die geringstenEinzelnhciten des Waffendienstes ein und theilte ihnen überdies durch die Macht zwingen-der Persönlichkeit den ganzen Fanatismus seines puritanischen Wesens mit. In seinem ,Lager wechselten Gebet und Gesang; die Disciplin galt als Gottesdienst und der Siegwie die Niederlage als Gnade und Fingerzeig des Herrn. Wie wenig C. seinen Zweckverfehlte, zeigt folgender Umstand. Der Oberfeldherr, Graf von Essex, hatte vom Par-lament die Weisung erhalten, gegen die Person und Familie des Königs im Kampfe diegrößte Rücksicht zu nehmen. C.^ bem seiner Natur nach diese Halbheit misfiel, erklärtedagegen, daß er den König selbst möglicherweise im Kampfe tödten würde und befahl denje-nigen seiner Soldaten, die nicht dazu bereit wären, die Reihen zu verlassen; doch keiner ging.

Der Krieg begann, und in dm Feldzügen von 1642 und 1643 vermochte allein die ReitereiC.'s den Royalisten die Spitze zu bieten und die bedrängte Volkssache aufrecht zu erhalten;im Oct. 1643 tvurde der König sogar in dem Treffen bei Horcnastle von C. vollständig ge-' schlagen. Im Frühjahre 1644 erhielt nun C. den Befehl, unter dem Grafen von Manchestersich mit deü aus Schottland herbeieilenden Presbyterianern zu vereinigen und die nördlichen iGrafschaften denRoyalisten zu entreißen. Eskam am2.JuniI644zudcrSchlachtbeiMar- !stonmoor, iv» C. zuerst den rechten Flügel des 20060 M. starken Heers, welches der Neffe desKönigs Prinz Ruprecht von der Pfalz, befehligte, schlug und dann auch bas Centrum und denunken Flügel des Feindes zersprengte und auftieb. Mit diesem entscheidenden Siege war das