Crispin Croker 719
thume bekehrt, mußte er unter der Regierung Dioclctian's flüchtig werden und ging mit sei»nem Bruder Crispianus nach Soissons in Gallien, wo er das Schuhmacherhandwerkergriff. Sein Wohlthätigkeitssinn soll nach der Legende so groß gewesen sein, daß er das Le-der stahl, um davon für die Armen Schuhe zu fertigen. Daher nennt man Wohlthatcn, dieauf Kosten Anderer erzeigt werden, Crispinaden. Zm I. 287 erlitt er nebst seinemBruder den Märtyrertod, nachdem zuvor die Hände und Füße beider in siedendes Blei ge-steckt worden waren.
Crispin, eine komische Nolle des franz. Theaters, ein Bedienter, der entweder durchseine Pfiffigkeit seinem Herrn in dessen Liebeshändeln förderlich oder durch seine Ungeschickt-heit und Tölpelhaftigkeit hinderlich ist. Raimond Poiffon, der zuerst l 66V das Theater desHotel de Bourgogne betrat, erfand die Rolle des Crispin, indem er versuchte, dem ital. Ar-lechino einen national franz. Arlechino zur Seite zu stellen. Das Stottern, welches Poiffoneigen war, gehörte später zu den charakteristischen Eigenthümlichkeiten des Crispin, dessenBlütezeit vonl677—17 3V dauerte. Die Versuche, die im vorigen Jahrh. angestellt wur-den, den Crispin auch auf deutschen Bühnen heimisch zu machen, mislangen.
Crockett (David), einer der trefflichsten Repräsentanten des Charakters der Bewohnerim Westen der Vereinigten Staaten von Amerika, wurde bald nach 1786 im westlichenTennessee geboren und war das neunte Kind ganz armer Altern. Früh vom Hause gcthan,zog er mit Viehhändlern, Fuhrleuten u. s. w. im Lande umher, bis er ungefähr 17 Jahrealt in die Heimat zurückkehrte. Hier gab ihn der Vater, zur Abzahlung einer Schuld durchseine Dienste, in die Lehre zu einem Quäker, wo er zwei Monate lang lesen und schreibenlernte, der einzige Unterricht, den er jemals empfing. Bald darnach heirathete er und ließsich im südwestlichsten Theile des Staats in einer äußerst wilden aber romantischen Gegend) nieder, bis wohin noch wenig Weiße vorgedrungen waren. Er diente kurze Zeit unter Ge-neral Jackson, dessen Anhänger er wurde, in Florida, ward Milizoberst und Mitglied derLegislatur von Tennessee. Durch seine heitere Laune, seine Geschicklichkeit im Schießen undseine Jagdabenteuer, von denen Viele geistreich erfunden sind und den Witzbold MathiewSinclair Clark Ereffier des Hauses der Repräsentanten zum Vater haben, war er bald all-gemein im Volke bekannt geworden. In Folge dessen gelangte er 1827, trotz seiner Armuth,in einem 166666 Stimmen zählenden Wahlbezirke, von der Partei Jackson's erwählt, inden Congreß. In Washington anlangend und den zur Gegenpartei gehörigen PräsidentenAdams gleich auf die originellste Weise begrüßend, erregte er auch dort bald durch sein wildesWesen allgemeine Aufmerksamkeit. Im I. 1829 wurde er unter Jackson's Präsidentschaftwieder in den Congreß gewählt, verließ aber Jackson's Partei, weil dieser sich überhaupt dervon Henry Clay vorgcschlagenen Theorie der inner» Verbesserungen, also auch der Anle-gung von Landstraßen im Westen auf Kosten des Bundes widersetzte. Daher gelang es ihmauch nur nach den größten Anstrengungen, daß er 1831 von neuem in den Congreß gewähltward. Doch von dieser Zeit an ward der Einfluß Jackson's überwiegend im Westen^- und vor Allem in Tennessee. C-, welcher ohnehin kein politisches Talent besaß und auchsonst in Washington nicht zu imponiren wußte, war dadurch auf einmal alles Einflusses be-raubt, zog darauf kurze Zeit im Lande umher und wendete sich zuletzt nach Texas, wo er mitseinen gegen Mexicos Gewalt sich empörenden Landsleuten kämpfte, und zu Aissang des I! 1836 bei Eroberung des befestigten Alamo in San-Antonio de Bexar fiel.
Croker (John Wilson), Parlamentsredner, Dichter und thätiger Theilnehmer am„tzuarterlx revien", geb. 1781 zu Dublin, studirte daselbst und in London die Rechte, prak-ticirte dann in seiner Geburtsstadt und wurde 1867 von der irischen Grafschaft Downe insParlament gewählt. Seitdem immerwährendes Mitglied des Unterhauses, war er 1869 eineifriger Vertheidiger des Herzogs von Jork gegen Beschuldigungen, in Bezug auf dessenVerbindung mit Frau Clarke, und wurde zur Belohnung zum Secretair für Irland ernannt,' bald nachher aber zum ersten Secretair der Admiralität. Als gewandter Redner übernahmer alle diese Behörde bettessenden Vorträge im Parlament und gewann einen bedeutendenEinfluß ans die Verwaltung des Seewesens. Obgleich ein standhafter Verfechter des Mini-steriums, stimmte er doch stets für die Emancipation der Katholiken. Als Grey an dieSpitze kam, legte C. seine Stelle nieder und bekämpfte in den Reihen der Toryopposition die