Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
713
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Crillon 7

mit leidenschaftlicher Begeisterung las er die Geschichte des Alterthums und die Thatcn deralten Feldherren. Der Herzog von Guise, Franz von Lothringen, galt damals als das Mu-ster ritterlicher und kriegerischer Größe, und der junge Adel Frankreichs scharte sich um ihn.Auch C. bildete sich unter ihm für den Kriegsdienst aus und entwickelte darin so viel Fleißund Eifer, daß er im Alter von 16 Jahren als ein unterrichteter Krieger galt. Im I. 1558legte er an der Seite des Herzogs bei der Belagerung von Calais die erste Waffenprobe ab undbedeckte sich dabei mit Ruhm. Bei der Einnahme eines wichtigen Forts erwartete er, der Erstein der Bresche, seine Kampfgenossen, als der engl. Anführer herbeieilte, um den jungen Wa-gehals zu entwaffnen. C. faßte seinen Gegner, schleuderte ihn in den Graben und machte ander Spitze der ihm nachfolgenden Franzosen die Engländer zu Kriegsgefangenen. GleichenMuth bewies er kurz darauf bei der Einnahme von Guines. Das ganze Heer feierte denjungen Helden, und der Herzog stellte ihn Heinrich ll. als das vorzüglichste Werkzeug seinerglücklichen Erfolge vor. Zur Belohnung dieser und anderer Heldcnthaten erhielt er nach derSitte seiner Zeit nach und nach eine Menge hoher und reicher Kirchenpfründen, die er durchKleriker verwalten ließ. In den Religionskriegen focht er als ein Anhänger des Hofs gegendie Hugenotten und zeichnete sich in den Schlachten bei Dreux (1561), Jarnac (1563) undMoncontour (1569) durch Tapferkeit und Geschick auS. Als Malteserritter wohnte er denKreuzzügen gegen die Türken bei. N.ich der berühmten Seeschlacht von Lepanto (1571),in welcher er das Schrecken der Türken gewesen, mußte er, obschon verwundet, die Sieges-nachricht an Karl IX. und Pius V. bringen, die ihn dafür mit Gunst und Ehre überhäuften.An den Greueln der Bartholomäusnacht hatte er keinen Anthcil, 1573 war er aber bei derBelagerung von Larochelle. Als 1587 nach der Schlacht bei Coutras Heinrich III. mit derkatholischen Ligue gänzlich zerfiel, wagte cs derselbe, dem tapfern und ehrlichen C. die vonden Ständen zu Blois beschlossene Ermordung des Herzogs von Guise anzutragen; alleiner wies das Ansinnen mit Abscheu zurück. Fortan führte er jedoch die Waffen gegen die Li-guisten und schloß sich nach dem Tode Heinrich's III. mit unerschütterlicher Treue Heinrich IV.an, dessen Freund und Rathgeber er schon längst war. Die Schlacht bei Jvri endete für denAugenblick auch C.'s kriegerische Thätigkeit; erst als Heinrich IV. mit England und Hollandim Bunde sich gegen Spanien wendete, trat er wieder auf,den Schauplatz. Bei dieser Ge-legenheit legte er zu Marseille, wo vor dem Hafen eine span. Flotte kreuzte, einen charakte-ristischen Zug seiner tüchtigen Persönlichkeit und seines Muths ab. Der junge Herzog vonGuise wollte mit dem erprobten Helden scherzen, drang um Mitternacht mit Andern in des-sen Zimmer und brachte ihm lärmend die Nachricht von der Einnahme der Stadt durch dieSpanier. Es bleibe, versicherte man, nichts übrig als auf die persönliche Rettung zu den-ken. C. wies den Antrag zur Flucht mit Unwillen ab.Es ist besser, mit den Waffen in derHand zu sterben, als den Verlust des Platzes zu erleben", rief er aus und stürzte bewaffnetdie Treppen herunter. Als man ihm darauf den Scherz entdeckte, faßte er den Herzog ander Brust und sagte:Junger Mensch, versuche es nie im Spiele das Herz eines bravenMannes auf die Probe stellen zu wollen; bei Gott, hättest du mich schwach gefunden, ichstieße dir jetzt diesen Dolch ins Herz." Nach dem Frieden mit Savoyen zog er sich nachAvignon zurück und starb daselbst 1615. Von den Soldaten wurde er derMann ohne Furcht,von Heinrich IV. der Tapfere der Tapfern genannt. Indessen artete seine Geradheit und Be-stimmtheit nicht selten in Roheit aus; auch war er empfindlich und heftig und besaß imFluchen große Meisterschaft. Vgl.I7u vis d» I»r»ve6." (Par. 1826). Sein dritterBruder, Thomas Verton des Bald es, nahm nun den Namen Crillon an und er-hielt, da die übrigen Brüder gleich jenem ohne Nachkommen starben, die sämmtlichcn Güterdieses Familienzweigs. Zu Gunsten seines Nachkommen in der vierten Generation,Fran;. Felix des Bald es Verton, wurde die Herrschaft Crillon durch eine Bulle Be-nedict's XIII. 1725 in ein Herzogthum verwandelt. Louis, der zweite Herzog vonC., glänzte durch seine militairischen Talente und ist auch jetzt noch durch seineIllemoires"(Par >791), die viel Treffliches über die Kriegskunst enthalten, bekannt. Er war 1718geboren, machte schon in Italien unter dem Marschall Villars den Feldzug von 1733mit, kämpfte dann 1742 mit großer Auszeichnung unter dem Herzoge von Harcourt inDeutschland, trat aber im Siebenjährigen Kriege in Folge Zerwürftiisses mit dem franz.