Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
707
Einzelbild herunterladen
 

Crema 707

durch die Starrheit seiner Religionsmeinungen verseht worden Wat) herauszureißen unddie durch ihre Trennung machtlos gewordene Partei der Protestanten durch eine Vereinigungwieder zu stärken. Gerade jetzt bot sich dazu eine günstige Gelegenheit dar, indem Heinrichvon Navarra unter Fürsprache der engl. Königin Elisabeth l 5 89 an die deutschen Fürstenmit der Bitte sich wendete, ihn durch Geldvorschnsse und Kriegsvölker zu unterstützen undbei der Erwerbung des rechtmäßig ihm zugehörenden franz. Throns, an dessen Besteigungihn die katholischen Mächte hinderten, behülflich zu sein. JnNücksicht hierauf gab auch wirk-lich der Kurfürst zur Aufstellung eines beträchtlichen Heers, das in Thüringen, Sachsen,Meißen, Brandenburg und in der Pfalz geworben wurde, seine Einwilligung, und dasselbezog unter dem Oberbefehl des Fürsten Christian von Anhalt im Aug. I59l dem König vonFrankreich zu Hülfe. So standen die Sachen, als Kurfürst Christian I. am 25. Sept.159 l unerwartet starb und der Herzog Friedrich Wilhelm von Weimar, ein strenger Gegnerder kryptocalvinistischen Meinungen, als Vormund die Regierung im Kurfürstenthum Sach-sen übernahm. Noch am Tage vor dem Leichenbegängnisse Christian's I. (25. Oct.) wurdeC., besonders auf Antrieb der verwitweten Kurfürsten, plötzlich verhaftet. Mehre seiner An-hänger und die der falschen Lehre verdächtigen Prediger wurden hierauf ihrer Ämter entsetzt,zu schimpflichem Widerruf gezwungen und aus dem Lande getrieben. Zugleich wurde zurgänzlichen Reinigung des Sachsenlandes von dem eingeschleppten Gifte des Calvinismus,auf den Antrag-der Landstände, eine Kirchenvisitation veranstaltet und ein neues symbolischesBuch (Visitationsartikel genannt) aufgesetzt, das alle weltliche und geistliche Beamten zu be-schwören und zu.unterschreiben gezwungen wurden. C., das Haupt der gestürzten Partei,saß indeß auf dem Königstein, und obwol auf dem 1592 zu Torgau versammelten Landtagedie beiden Universitäten und die Städte anfangs zu Gunsten desselben sich äußerten, so ver-langte dagegen die Ritterschaft mit unverkennbarer Rachbegierde seine Verurtheilung. DreiJahre dauerte es, ehe die Feinde C.'s sich nur über die Förmlichkeiten des gegen ihn anzu-stcllenden Processes vereinigen konnten. Im Aug. 1595 kam endlich der Syndicns derLandstände mit einer Anklagschrift von sieben Artikeln zu Stande, die aber, da der HerzogAdministrator resolvirte, die Stände seien schuldig, ihre Anklage zu beweisen, nachher auf vierAnklagepunkte zusammenschwand. Man warfC. darin vor, daß er, außer den erregtenNeli-gionshändeln, dem Kurfürsten böse Rathschläge gegeben, ihn im röm. Reiche, als sei er derrechten Religion Augsburger Confession untreu geworden, verdächtig gemacht; er habe fernerden Kaiser mit demKurfürsten und denLctztern mit den Landständen zusammenhctzen wollen,endlich im Namen seines Herrn geheime Unterhandlungen gefährlicher Art mit dem KönigeHeinrich IV. von Frankreich gepflogen. Gleich anfangs war es dem Gefangenen gelungen,trotz der Aufmerksamkeit der Wächter, seinen Freunden eine Instruction in die Hände zuspielen, auf welche seine Gattin beim Reichskammergericht in Speier eine Beschwerde wegenverzögerten Rechtsgangs anbrachte lind endlich wiederholte Mandate erwirkte, daß C. ent-weder auf freien Fuß gestellt oder der wider ihn erhobene Proceß verfolgt werden sollte. Aberdiese Beschwerde hatte blos die Folge, daß man nunmehr aus Verdacht gegen das günstigfür C. gestimmte Reichskammergericht den Revisionsproceß von dieser Behörde abzubringenund vor den kaiserlichen Reichshofrath zu spielen suchte. Dies gelang auch in noch ganz an-derer Weise, als man erwartete; denn die Acten wurden statt an den Neichshofrath gar andie böhm. Appellationskammer zu Prag, wohin die Sache gar nicht gehörte, zum Spruchegesendet. Bei der damals wohlbekannten politischen Abneigung des kaiserlichen Hofs gegendie Calvinisten, die man für Verbündete Frankreichs hielt, konnte man von hier kein gün-stiges Urkheil erwarten, und der Gerichtshof erkannte auch wirklich unter dem 11. Sept.1691 C. den Tod durchs Schwert zu, ein Urtheil, das, trotz der Appellation C.'s und seinerFreunde, bestätigt und am 9. Oct. zu Dresden an ihm, nach zehnjähriger Gefangenschaft,vollzogen wurde. Sein Körper ward, nachdem er einige Stunden auf der Blutbühnc ge-legen, in einem Sarge, unter Vortritt des Richters und einiger Rathmänncr, von zwei Tod-tengräbern auf den Kirchhof Unserer lieben Frauen getragen und in einen Schwibbogenbeigesetzt, am folgenden Tage aber in Begleitung der Geistlichkeit und Schule beerdigt.

Crema, eine alte befestigte Stadt in der Delegation Lodi des lomb.-venek. König-reichs, am rechten Ufer des Serio in einer schönen Ebene, der Sitz eines Bischofs, hat ein

45 *