Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
708
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708 .Cremaillieren Creneanp

Gymnasium, mehre Schulen, zwei Theater, eine Gemäldegalerie, ein Hospital und ein Fin-dclhaus. Die Einwohner, etwa »NON, treiben Wein- und Obstbau, ausgezeichneten Flachs-bau, starke Leinen - und Seidenweberei, Fischfang von Lampreten und Marsoni und nichtunwichtigen Handel mit Flachs, Leinwand und andern Landescrzeugnisscn. Die Stadt ent-stand zur Zeit der Eroberung Oberitaliens durch die Langobarden. Alboin's Grausamkeittrieb nämlich viele Flüchtlinge auf die damalige Sumpfinsel Fulcheria, woselbst im I. 570eine Stadt entstand, die nach dem von ihnen gewählten Oberhaupte Cremete benannt wurde.Zur Zeit der Kämpfe der Ghibellinen und Guelfen waren die Einwohner von C. sehr hart-näckige Gegner der ersten, sodaß Kaiser Friedrich I. die Stadt im I. I l 6« zerstörte, die je-doch bald wieder aufgebaut wurde.

Cremaillieren, d. i. Sägezähne, heißen die mit Flechtwerk bekleideten dreieckigenAusschnitte an der innern steilen Böschung der Brustwehr einer Fcldschanze, um den Ver-theidigern Gelegenheit zu gebe», ihr Gewehrfeucr nach drei verschiedenen Seiten zu richten.Diese Ausschnitte bilden gewöhnlich ein rechtwinkliges Dreieck. Größere Cremaillieren fin-den sich zuweilen an der Böschung des Glacis im Bedeckten Wege der Festungen, obgleich siehier den erwarteten Nutzen nicht haben. Ihr Erfinder war der franz. Ingenieur Clairac.

Crcmöna, die Hauptstadt der Delegation gleiches Namens im lomb.-venet. Herzog-thume Mailand, zwischen den Flüssen Adda und Oglio am Po, über welchen eine Schiff-brücke führt, der Sitz eines Bischofs, hat den Umfang einer deutschen Meile, ein festes Schloß,breite und regelmäßige Straßen, aber nicht sonderlich gebaute Häuser, und 27000 E. EinKanal, der den Po und Oglio verbindet, geht zum Theil unter den Häusern hin. Es gibtdaselbst -15 Kirchen und Kapellen, und noch vor wenigen Jahren eine Menge Klöster. DieDomkirche ist eine ungeheure Steinmaffe mit einer Vorderseite von schönem weißen und ro-chen cremoneser Marmor; das Innere derselben zieren gute Frescogemälde, und in der Tauf-halle befindet sich ein Wasserbecken von ausgezeichneter Größe, aus einem einzigen BlockVeroneser Marmors. Der 372 F. hohe Glvckenthurm besteht aus zwei achteckigen Obelisken,über denen sich ein Kreuz erhebt. Von ihm übersieht man den ganzen Lauf des Po, wie erdie weiten Ebenen der Lombardei durchströmt. Die Seidcnmanufacturen sind beträchtlich,und die cremoneser Violinen waren lange Zeit unter allen die vorzüglichsten. Eine röm. Co-lonie gründete die Stadt im I. 210 v. Ehr., mußte aber fortwährend von den Galliern vielleiden und deshalb 102 v. Ehr. ergänzt werden. Sie erhielt später die Rechte eines Munici-piums und hob sich immer mehr durch Handel. Auch ward daselbst ein Amphitheater er-baut, welches an Größe alle übrigen in Oberitalien übertras. Nach der Niederlage der An-hänger des Vitellius bei dem in der Nähe gelegenen Bedriacum und der Eroberung des ver-schanzten Lagers bei C. im I. 60 n. Ehr. siel die Stadt in die Hände des Feldherrn des Ve-spasianus, der sie von Grund aus zerstören ließ. Zwar wurde sie nachher wieder aufgebaut,erreichte aber erst in der Blütezeit der ital. Freistaaten wieder einen Grad von Bedeutung.Im span. Erbfolgekriege wurde hier am 2. Febr. 1702 der franz. Marschall von Villeroidurch die Kaiserlichen unter Anführung des Prinzen Eugen bei einem nächtlichen Überfallegefangen genommen. In Eilmärschen hatten sich die Kaiserlichen der Stadt genähert, indie sie durch eine Cloake, welche unter der Stadtmauer wegführte, eindrangen; doch nur biszum Abend des nächsten Tages vermochten sic sich bei der tapfer» Gegenwehr der Franzosenin derselben zu behaupten. Im I. 1790 siegten hier ebenfalls die Ostreicher über die Fran-zosen. Vgl. Roboletti, „(lenni suila (pmlitü ckel clima (IsIIa prov'mci» cremonLse" (Pav.1827) und Vidoni, „üa siittnra cremonese" (Mail. 182-1, mit Kpfrn.).

Oreillvr tartari oder Weinst ein rahm wird häufig als Arznei, besonders als küh-lendes Mittel, gebraucht. Wenn nämlich der rohe Weinstein, wie er aus Weinfässern aus-geschlagen worden, mit schicklichen Zusätzen versotten wird, sondern sich die Unreinigkeitendavon ab, und der auf diese Art gereinigte Weinstein steigt in dem Kessel in Gestalt einesRahms in die Höhe, worauf er abgeschöpft und getrocknet wird. Je härter, glänzender undvon erdigen Theilen freier der Weinsteimahm ist, desto besser ist er. Der weiße ist dem ro-then vorzuziehen.

Creneaux heißen in der Befestigungskunst die in freistehenden Mauern angebrach,tcn Schießscharten für Klcingewehr, daher der Ausdruck crcnelirte Mauern.