Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
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706
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sie zwar mit Sophie Schröder nicht verglichen werden, doch übertrifft sie diese an weisemMaßhalten und künstlerischer Beherrschung der Rolle. Daher liegt ihr das Wilde, Furcht-bare einer Medea ferner, aber um so mehr eignet sie sich für Darstellung echter idealer Weib -lichkcit, wie sie in Goethe's Jphigenia u. s. w. zur Erscheinung kommt. An Wahrheitund Nichtigkeit in der Declamation wird sie nicht leicht von einer Nebenbuhlerin erreicht,noch weniger übertroffen; doch ist ihr eine gewisse Gleichförmigkeit und nicht selten auch eineetwas coquettirende Absichtlichkeit zum Vorwurf zu machen. — Ihre beiden Töchter, vondenen sich die ältere, Bertha Stich, durch eine treffliche Schule, die jüngere, ClaraStich,durch liebenswürdige Naivctät und mädchenhafte Einfachheit auszcichnet, haben ebenfallsmit Glück die theatralische Laufbahn erwählt.

Crell (Nikolaus), kursächs. Kanzler und Geh. Rath, geb. 1553 oder 1551 zu Leip-zig, wo sein Vater, Wolfg. C., Professor der Rechte war und 1567 starb, besuchte 1568—71 die Fürstenschule zu Grimma und stndirte zu Leipzig die Rechte. Nachdem er kurzeZeit daselbst juristische Vorlesungen gehalten und 1576 als Doetor der Rechte promovirthatte,- ward er vom Kurfürsten August zum Erzieher des Kurprinzen Christian und 1586zum Hofrath ernannt, und als nach August's Tode > 586 der Kurprinz, unter dem NamenChristian 1. zur Regierung kam, Kanzler der Landesregierung. Da er mit ausgezeichnetenKenntnissen viel Klugheit verband und das ganze Vertrauen des Regenten besaß, bekam erbald das Ruder des Staats in seine Hände. Es konnte indeß nicht fehlen, daß er hierdurchden Neid und Haß des Adels und der Landstände, die in ihm nur den bürgerlichen Empör-kömmling sahen, in hohem Grade erregte, eine Gesinnung, die bald auch über Geistlicheund Volk sich verbreitete, als C. allerlei auffallende Veränderungen in Kirchen- und Rcli-gionsangelegenheiten vorzunehmcn begann. Schon unter der Negierung des KurfürstenAugust waren die sogenannten kryptocalvinistischen Streitigkeiten entstanden und hattengroße Verwirrung angerichtet. Um denselben ein Ende zu machen, hatte der Kurfürst dieConcordienformel entwerfen lassen, welche alle protestantische Prediger, bei Verlust ihresAmts, unterschreiben mußten. Nach August's Tode erhoben die Kryptvcalvinisten von neuemihr Haupt, begünstigt von C., der auch seinen ehemaligen Zögling ihren Meinungen geneigtzu machen gewußt hatte. Zwar enthielt sich C., ebenso gemäßigt als gelehrt, anfangs einesstürmischen Verfahrens gegen die einmal zum Landesgesetz gestempelte Concordienformel,legte es aber darauf an, diese für die Religion und die Gewissen geschmiedete Fessel allmäligzu lösen. Er selbst unterschrieb die Formel nicht, sondern übergab dem Kurfürsten ein beson-deres Glaubensbekenntnis, das von demselben in der von ihm crtheiltcn Bestallung zur Kanz-lerwürdc für genügend erklärt wurde. Zugleich wurde das ärgerliche Gezänk über Neligivns-meinungen auf der Kanzel streng verboten und befohlen, für Schriften über Neligions-sachen die Erlaubnis in Dresden nachzusuchen, wo C. mit einigen gleichgesinnten Freundendie Censur übte. In gleicher Weise besetzte C. die Stellen am Hofe, in der Kirche und an denUniversitäten mit seinen Freunden und entfernte die Gegner. Die Hofprediger Salmuth undSteinbach waren ihm schon ergeben; der dritte Hofprediger Mirus wurde, als er einst heftiggegen die Freunde des Calvinismus geeifert hatte, nach dem Königstein gebracht und seinAmt dem vr. Schönfeld, einem Anhänger C.'s, verliehen. In Leipzig handelten zwei dervornehmsten Geistlichen, Harder und Gundermann, gleichfalls im Geiste des Kanzlers undin Wittenberg würde Urban Pierius, als Generalsuperintendent und erster Professor derTheologie, eine Hauptstütze der Partei. Um auch das Volk für die gemäßigte Lehre zu ge-winnen, veranstaltete man einen neuen deutschen Katechismus und eine neue Ausgabe derBibel, deren Einleitungen und Anmerkungen die calvinischen Grundsätze und Ansichten aufalle Weise empfahlen, dagegen die lutherischen oder vielmehr die der Concordienformel be-stritten und widerlegten. Die größte Unzufriedenheit aber verursachte ein 1591 erschieneneskurfürstliches Rescript, wornach den Geistlichen, bei Verlust ihres Amtes, die Ausübung desExorcismus bei der Taufe untersagt wurde. Trotz der ungünstigen Volksstimmung, die aneinzelnen Orken sogar in ernsthafte Unruhen ausbrach, ließ C. in seiner Absicht, das strengeLuthcrthum durch die Grundsätze der Mclanchthon'schen Schule zu mildern und mit demCalvinismuS auszugleichen, sich um so weniger irre machen, als er jetzt aus Rücksichten derPolitik den Plan gefaßt batte, das Luthcrthum aus der vereinzelten Stellung, in die es