2V4 Carlos (Don, Jnfant von Spanien)
stellung im Gefolge der Gesandtschaft, die Lord Malmesbury >795—96 auf dem Festlandsbeschäftigte. Nach seiner Rückkehr kam er in das Parlament und widmete stch mit Eifer demStaatSlcben. Wahrend der Herrschaft Napolcon's führte ihn eine geheime diplomatischeSendung nach Berlin. Als sein Freund Canning 1827 ein neues Ministerium bildete,trat er ins Calünct und war bis >828 Siegelbewahrer. Er zeichnete sich im öffentliche»Leben stets durch Reinheit der Grundsätze, Vaterlandsliebe und Rechtlichkeit ans. SeinStammschloß Howard in der Grafschaft Jork enthält eine der trefflichsten Sammlungenälterer und neuerer Gemälde, unter welchen sich außer mehren Werken der engl. Kunst,deren freigebiger Beschützer er ist, auch noch andere Meisterstücke befinden.
Carlos (Don), Jnfant von Spanien, der Sohn Philipp's II. ans seiner ersten Ehemit Maria von Portugal, gcb. zu Valladolid am 3. Juli 15-15, kam sehr schwächlich zurWelt und wurde, da seine Mutter vier Tage nach seiner Geburt starb, von Johanna, derSchwester seines Vaters, mit äußerster Sorgfalt erzogen. Die große Nachsicht, welche demschwächlichen und gebrechlichen Kinde von allen Seiten zu Theil wurde, vermehrte seine an-geborene Heftigkeit und Halsstarrigkeit. Nachdem sein Vater ihn 1569 von den zu Toledoversammelten Ständen als Thronerben hatte anerkennen lassen, schickte er ihn 1562 auf dieUniversität zu Alcala de Henarcs, in der Hoffnung, daß das Studium der Wissenschaftenseinen unbändigen Charakter mildern würde. Da er kicrin sich täuschte und ohne Sinnes-änderung diesen seinen einzigen Sohn für unfähig erachtete, nach ihm die Zügel der Negie-rung zu ergreifen, so ließ er 1563 seine Neffen, die Erzherzoge Rudolf und Ernst, nachSpanien kommen, um ihnen die Erbfolge in seinen Staaten znzusichern. E., der fortwäh-rend in Misverständnisscn mit seinem Vater lebte, beschloß daher 1565 Spanien zu ver-lassen und war bereit, abzureisen, als Ruy Gome; de Silva, ein Vertrauter Philipp's, denzugleich C. zu dem seinigen gemacht hatte, ihn von seinem Entschlüsse abbrachtc. Als 1567in den Niederlanden der Aufruhr ausbrach, schrieb E. an mehre Große des Reichs, daß erdie Absicht habe, nach Deutschland zu gehen, was aber durch seinen Oheim, Don Juan deAustria, dem er sich entdeckt, seinem Vater hinterbracht wurde. E., der wiederholt sehr un-gestüm das Verlangen gezeigt hatte, an der Regierung Theil zu nehmen, jedoch vom Vatermit Kälte zurückgewiesen worden war, faßte nun gegen die Vertrauten desselben, den Her-zog von Alba, Ruy Gomcz de Silva, Don Juan uno Spinola, eine unüberwindliche Ab-neigung. Unerträglich war es ihm, daß Alba die Statthalterschaft in Flandern erhielt, dieer für sich erbeten. Am Weihnachtsabend 1567 beichtete er einem Priester, daß er beschlos-sen habe, einen Menschen zu ermorden, und der Prior des Klosters von Atocha entlockteihm Äußerungen, aus denen man erkannte, daß er gegen seinen Vater einen Anschlag ge-faßt habe. Beides wurde dem Könige binterbracht. Als C. nun vollends ein Attentat gegenden Jnfanten Don Juan unternommen, ließ der König in der Nacht des l 8. Jan. >568 alleseine Papiere in Beschlag nehmen, den Prinzen aber selbst übergab er dem -Herzoge vonFcria und sechs Edclleutcn zur strengsten Bewachung. Demnächst erhielt der Staatsrath,unter dem Vorsitze des Cardinals Espinosa, Großinquisitors und Präsidenten des Rathsvon Canilicn, den Auftrag, über den Prinzen das Urtheil zu sprechen. Den Befehl zurförmlichen Verhaftung des Prinzen, für den sich der Papst und alle Fürsten, an die derKönig wegen des Vorfalls mit demselben geschrieben hatte, vorzüglich der Kaiser Maximi-lian II., vergebens verwendeten, Unterzeichnete der König am 2. März 1568 und übertrug dieVollziehung dem Ruy Gomcz de Silva, Prinzen von Eboli. Unmäßigkeit zog dem Ver-hafteten ein bösartiges Fieber zu. Don Diego Bribiesca de Mugnatones, Mitglied desRaths von Castilicn, hatte die Leitung des Proceffcs und machte rm Juli, ge,Mt auf dieZeugenaussagen und den Inhalt der weggenommcnen Papiere des Prinzen, den Bericht anden König, daß E., weil er einen Vatermvrd beabsichtigt und die-Herrscha-t Flanderns durcheinen Bürgerkrieg sich habe zucignen wollen, des MajestätsverbrcchcnS für überführt machten sei; daß cs jedoch von dem Souverain abhänge, ob er den Kronprinzen nach den all-gemeinen Gesehen richten lassen wolle. Philipp erklärte, daß ihm sein Gewissen nicht erlaube,zu Gunsten seines des Throns unwürdigen Sohns eine Ausnahme zu machen. Er glaube,da bei der zerrütteten Gesundheit des Prinzen keine Rettung zu hoffen, daß es gut sei, keineSorgfalt auf ihn zu wenden, sondern ihn so viel essen und trinken zu lassen als er wolle, was