Carlos (Don. Maria Isidor de Vorbon) 205,
stimm Tod hcrbcisühren würde. Die Proccßactcn erwähne» indcß von diesem Entschlüssedes Königs nichts. Es ward kein llrrheil geschrieben noch unterzeichnet, und der protokol-lircnde Secretair, Pedro dcl Hoyo, bemerkt in einer Note, daß das gerichtliche Verfahren soweit gediehen gewesen, als der Prinz an einer Krankheit gestorben. C. starb, nachdem erseinen Vater um Verzeihung gebeten und von diesem den Segen erhalten und gebeichtet hatte,am 2 1. Juli I568 und ward im Dominicancrnonncnkloster El-Rcal zu Madrid begraben.Die Proccßacten ließ Philipp II. I 592 in dem Archive zu Simancas niederlegen. Die Ge-schichte des C. leidet an vielen Dunkelheiten, die sich schwerlich je ganz werden ausklärcnlassen. Stach der Ansicht Einiger verband er mit Liebe zum Ruhm hohen Muth, Stolz undHerrschsucht; nach Andern liebte er das Seltsame und Ungewöhnliche. Alles scheint indeßbei ihm nur leidenschaftliche Aufregung gewesen zu sein. Den Hauptgrund des schlimmenVerhältnisses zwischen Vater und Sohn hat man darin gesucht, daß sich der Vater mit Eli-sabeth, der Tochter Heinrich's I I., vermählte, die mit C. zu vermählen schon auf dem Con-greß zu Chateau-Cambresis im I. I 559 besprochen worden war. Dagegen haben Anderezu beweisen gesucht, daß C. nie in die Prinzessin Elisabeth verliebt gewesen und daß er auchnachher, als dieselbe seine Mutter geworden, nie in irgend einem Verhältnisse zu ihr gestan-den habe. Wenn man von der einen Seite ihn als einen Freund der Niederländer und alseinen Feind namentlich der Jnguisition dargestellt hat, so wird von der andern Seite be-hauptet, daß er weder Kenntnisse noch Grundsätze, nicht einmal Verstand genug besessenhabe, um einer freisinnigen Ansicht fähig zu sein. Daß C. an Gift gestorben, weiches manihm in einer Suvpe beigebracht, daß er im Bade erdrosselt worden, überhaupt daß er einesgewaltsamen Todes gestorben sei, ist durch keine authentischen Zeugnisse verbürgt. Seins Schicksal hat mehren tragischen Dichtem, namentlich Schiller, einen vortrefflichen Stoff ge-währt, den sie in einer Weise ausgebeutet, daß das Volk über der Dichtung fast die Geschichtedes E. aus den Augen verloren hat. Vgl. Ranke, „Zur Geschichte des Don E." in denwiener „Jahrbüchern der Literatur" (Bd. Ui).
Carlos (Don) Maria Isidor de Borbon, Prätendent der Krone Spaniens,geb. am 2ü. Mär; >788, der zweite Sohn König Karl's l>. von Spanien, der Bruder Kö-nig Ferdinands VII., genoß an dem verdorbenen Hofe seines Vaters eine verhältnißmäßiggute Erziehung. Mit seinem Bruder mußte er l 898 der Thronfolge entsagen und dann bis181 1 die Gefangenschaft desselben in Valencay theilcn. Als Ferdinand Vll. sich in zweiterEhe mit der Tochter König Johann's VI. von Portugal vermählte, erwählte sich C. 1816deren Schwester, Maria Francisco d'Assisi, geb. 1896, zur Gemahlin, mit der er die In-fame» Don Carlos, geb. 1818, Don Juan Carlos, geb. >822, und Don Fernando, geb.
1821, zeugte. Da auch diese zweite Ehe Ferdinand's VII. kinderlos blieb, so eröffncte sich demInfamen die nächste Aussicht auf die Thronfolge, und es konnte nicht fehlen, daß sich einePartei um ihn versammelte, die seine Gunst sich zu erwerben bestrebt war. Geistliche undJesuiten singen an, mehr und mehr Einfluß auf ihn zu gewinne», und allmälig lenkten sich' aller Derer Augen auf ihn, die den alten Glanz der Religion und das unumschränkte Kviüg-thum in seinem ganzen Umfange wiederhcrgestellt zu sehen wünschten, was man von demcharakterschwachen, wankelmüthigen Ferdinand VII. nicht hoffen konnte. Nach der Wieder-herstellung der Constitution im I. > 829 ward C. gewissermaßen als Derjenige hingcstcllk,der alle Verschwörungen und Revolutionen leite, insbesondere seitdem die Minister Zca-Bermudez und Ofalia, als sie 1826 unter Vermittelung der Franzosen, den König vonmanchen crtremen Maßregeln abzuhalten gewußt hatten, zu denen ihm fanatische Möncheund nach Rache dürstende Nathgcber zu verleiten suchten, diese zu C- hingedrängt hatte»,dessen Aussichten auf die Thronfolge sich um so mehr zu vergewissern schienen, als auch diedritte Ehe des Königs keine Hoffnung zu direkter Nachkommenschaft gab. Allmälig cntstan-! den nun schon Bewegungen und offene Aufstände zu Gunsten des C., oic aber ohne Erfolg blic-
den. Die Gegner des Infamen aber vermochten den kinderlosen König, als seine dritte Gemah-> li» 1829 verstorben, sich mit Marie Christine, der jüngern Schwester der Gemahlin des In-famen Don Francisco da Paula, zu vermählen und für den Fall einer blos weibliche» Nach-kommenschaft am 26. Mär; 1869 durch eine pragmatische Sanction das sogenannte Sali-sche Gesetz aufzuheben. Am >9. Oct. 1869 wurde die Infantin Maria Jsalwlla geboren