Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

s

Carlino Carlisle (George Howard, Graf von) 203

Und die alten Sprachen. Durch seine literarischen Streitigkeiten mit Fontanini und Mura-tori bekannt geworden, ernannte ihn 1731 der Senat von Venedig zum Professor der Astro-nomie und der Secwissenschast. Hier entspann sich zwischen ihm und dem Abt Tartarottiein lächerlicher Streit über die Möglichkeit, mit Hülfe des Teufels zu zaubern, der C. denVorwurf der Ketzerei zuzog und endlich durch Maffei's Schrift »is-sta imuilillutu" zumSchweigen gebracht wurde. Später vcranlaßte ihn die Verwaltung seines großen Vermögens,seine Professur niederzulegcn und nach Istrien zurückzukehren. Nachher wurde er indcß dochwieder Präsident des höchsten Handelsgerichts und des Studicnraths zu Mailand, in welchenÄmtern er höchst wohlthätig wirkte, dann Geh. Staatsrath und endlich Präsident des Finanz-collegiums zu Mailand. Er starb daselbst am 22 Fcbr. >795. Unter seinen Schriften er-wähnen wir „Delle inonete e »lell' istitilrione «lelle rsccbs cl'Ituli» etc." (Mail. 1750—00) und „Delle aiiticllitü itilliclie" (5 Bdc., Mail. 1788—01). Seine sämmtlichen Werkegab er in Mailand 1781-9-1 (15 Bde.) heraus. Doch fehlen in dieser Ausgabe die„Amerikanischen Briefe", welche er gegen des Engländers Paw „Philosophische Untersu-chungen" (5 Bde., Mail. 1780; deutsch von Hennig, 3 Bde., Gera 1785) herausgab. —Giovanni Giro! amoC., Antiquar und Naturhistoriker, geb. 1719 in der Gegend vonSiena und gest. >780 in Mantua, bat sich um letztere Stadt als Sccretair der Akademie,durck Gründung des Museums und der öffentlichen Bibliothek verdient gemacht.

Carlino, eigentlich Carlo Antonio Berti nazzi, der berühmteste Harlekin derfranz. Bühne, geb. um 1703 zu Turin, der Sohn eines sardin. Offiziers, trat frühzeitig inden Militairdicnst, sah sich aber nach seines Vaters Tode, der ihm kein Vermögen hintcrließ,gcnöthigt, seinen Unterhalt durch Unterricht im Fechten und Tanzen zu erwerben. Indessentrieb ihn sein Beruf auf die Bühne. Sein theatralisches Talent entfaltete sich so schnell,baßer, nachdem er einige Kunstreisen in Italien gemacht hatte, 17-11 in Paris, wohin ersich in Gesellschaft der Schauspielerin Casanova, der Mutter der bekannten Brüder Casa-nova, begeben hatte, eine Anstellung beider ital.Komödie fand. Hier spielte er bis zu seinemTode, der am 7. Sept. 1783 stattfand, die Rollen des Harlekins mit unveränderlichem Bei-fall und erwarb sich zu gleicher Zeit durch sein Privatleben sowie durch den hohen Gradseiner Bildung die allgemeinste Achtung. Er glänzte besonders im Jmprovisiren und hattedabei eine so große Gewandtheit, daß er im Stande war, ein Stück in fünf Acten, z. B. sein„I-es vin-;t-8ix ilifnrtunes <l',v> lequiu", aus dem Stegreife aufzuführcn. Außer seinen„I^oiivelles invtclinnr;,Iiose8 cl'Xrlequiu" (Par. 1703) ist von ihm nichts im Druck er-schienen. Die Schrift „Oleinent XIV et (7»rl<> Deitiiisrm, colr68;>«l>t1ence ineciite"(Par. 1827) ist rein erdichtet und soll vom geistreichen H. de Latouche hcrrühren. Im hohenAlter theilte C. das Loos so manchen berühmten Komikers, indem er, obgleich ihn auf derBühne seine unerschöpfliche Heiterkeit nie verließ, im alltäglichen Leben fast unaufhörlichvon der unbezwinglichsten Hypochondrie heimgesucht ward.

Carlisle, die altcrthümliche, dabei reinliche und wohlhabende Hauptstadt der engl.Grafschaft Cumberland, nahe an dem Zusammenflüsse des Eden und Calder in der Nähedes Solwaybusens, der Sitz eines Bischofs mit einem Castell, einer Citadclle und einerschönen Kathedrale, hat etwa 23000 E., große Fabrikthätigkeit und lebhaften Handel. Aufdem Castell in C. wurde die Königin Maria Stuart nach ihrer Flucht aus Schottland eineZeit lang gefangen gehalten. In der Nähe finden sich mancherlei Spuren röm. Alterthümer,denn hier lag zur Zeit der Römer eine Station derselben, Luguvallum, nicht weit von demPictcnwalle. Sie wurde bei den Einfällen der Normänner und Dänen verwüstet, durchKönig Wilhelm I I. wiedcraufgebaut. Auch befindet sich in der Nähe von C. ein altes, schönerhaltenes Druidcndcnkmal, welches die Große Meg und ihre Töchter genannt wird.

Carlisle (George Howard, Graf von), aus einem Zweige des herzoglichen HausesNorfolk, der in der Mitte des 17.Jahrh. den Grafentitel erhielt, ist der Sohn des Fred erikG ras v on C., der sich früh durch Kunstliebe auszcichnete, die ihm großen Ruf verschaffte,von Lord Byron, seinem Verwandten, in der literarischen Satire „Lnglkb >E<I-, r,n,I8cotcl> revic'oer8" mit ungerechter Bitterkeit angegriffen wurde, 1780—82 Vieckönig vonIrland war und 1825 starb. Geboren am 17. Sept. 1773, wurde George C. in Eton undOxford gebildet, von seinem Vater zum Staatsmann bestimmt und erhielt seine erste An-