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3 (1845) Buchholz bis Czongrad
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202 Carignano Carli

anderes Mittel für die Satire hat. Schon die Alten wandte» sie in ihren MaSken an, wiemehre herculanischc Gemälde beweisen. Unter den Italienern traten Leonardo da Vinci undAnnibale Caracci in älterer Zeit um so mehr hervor, da sie damit den ihnen eigenen Sinnfür Schönheit und Idealität zu verbinden wußten; unter den Franzosen zeichneten sichin früherer Zeit Callot, unter den Engländern Hogarth aus. Die Engländer, an eine frei,sinnige politische Satire gewöhnt und mit großen humoristischen Fähigkeiten begabt, habenvorzüglich die politische Caricatur gepflegt; sie »eigen überhaupt zur Caricatur, wie ihrekomischen Romane häufig und selbst da beweisen, wo moralische Entartung und absoluteSchlechtigkeit zur Erscheinung gebracht werden sollen. Leider paart sich dieser carikircndeHumor nicht immer mit dem Gefühl für Anmuth und Schönheit. Gilray und Bunburyzeichneten sich vorzüglich auf diesem Gebiete aus. Letzter« nannte man insofern den neuenHogarth, da er sein glückliches Talent öfters zu moralischen Zwecken benutzte, und Gilray,dessen Spottbilder von Völliger in der Zeitschrift „London und Paris" erklärt und, wahr-scheinlich von Pyne gut commentirt, mit historisch-politischen Erläuterungen und biographi-schen Nachrichten zu London 182 1 erschienen sind, konnte mit seinem originellen und schla-genden Witz in dem Kriege Englands gegen Frankreich geradezu für eine politische Machtgelten. Gegenwärtig zeichnen sich nochCruikshank und der anonyme H.B. als Caricaturcn-zcichner vorzüglich aus. Man darf diese Caricaturen bei den Engländern als wesentlichnational, gleichsam als eine politische Journalistik in Bildern betrachten. In Frankreich hatsie sich, und oft mit genialer Frische, besonders de» allgemeinern Vorkommnissen des Lebens,namentlicb, der Richtung der Nation entsprechend, den socialen Schwächen und Lächerlich-keiten zugcwandt. Selbst die Sculptur fand in Frankreich an Dantan (s. d.) einen Cari-caturisten, der es indeß in seine» Chargen nicht auf eigentliche Verspottung des Dargestelltcnabsieht. Die Deutschen haben bis jetzt wenig Anlagen zur Caricatur gezeigt. Zwar sindbesonders von Berlin aus, so lange die bald wieder beschränkte Caricaturenfreiheir bestand,in neuester Zeit eine Menge politischer Caricaturen ausgegangen; doch sah man ihnen an,daß die Zeichner sich auf einem der Nation noch fremden Gebiete befanden; entweder warensie zu studirt und comvlicirt und daher dem Volke unverständlich, oder genügten in ihrerzum Theil geistlosen Auffassung auch den Gebildeten nicht, zumal da sie ganz jener keckenBshandlungsweise entbehrten, welche die politische Caricatur fodert. Der Schweizer Disteliund einige Anderedürften jcdochrühmlich zunennen sein. Vgl. Grohmanne Übersetzung vonGrosse s „Regeln rur Caricaturzeichnung nebst einem Versuche über die komische Malerei"(Lpz. 1799) und Malcolm s „Ilistolic!» .^>'1(9, ostde uet »l i,ari<^I m ii>gch (Lond. 1813, 1.).

CaristNtlNv, auch Carignan genannt, eine freundlich gebaute Stadt in der zu Sar-dinien gehörigen piemontes. Provinz Turin, am linken Ufer des Po in einer sehr fruchtbarenGegend, mit 7599 E-, mit einer herrlichen Pfarrkirche und einem mit prächtigen Hallenumgebenen Marktplatz, ist der Hauptort des Hcrzogthums gleiches Namens, nach welchemdie jüngere Linie des Hauses Savoyen den Namen Savoyen-Carignan führt, welchemit Karl Albert Amadeus 1831 auf den Thron gelangt ist.

Carillon national, s

Carifsimi (Giovanni Giacomo), ein berühmter iral. Lonsetzer des I7.Jahrh., derdie ersten kirchlichen Cantaten geschrieben haben soll, war wahrscheinlich in Padua geboren.Er wurde gegen 1619 Kapellmeister am töulwgch»» j-er>»ai>iciu» in Rom, lebte noch 1672und soll über 9» Jahre alt sehr reich gestorben sein. Er hat viele geistliche Oratorien, Can-taten und Motetten geschrieben, und seine Zeitgenossen rühmten ihn wegen des charakteristi-schen Ausdrucks der Empfindungen und wegen seines leichten, fließenden Stils. Zu seinenHauptverdiensten wird gerechnet die Verbesserung des schon vor ihm eingeführtcn Necita»tivs, dem er mehr den Ausdruck der natürlichen Rede gab. Überhaupt wirkte er zu einerfreiern Gestalt der Musik und größcrn Feinheit des musikalischen Ausdrucks, indem er seinenBässen mehr Bewegung und Figuren gab. Seine Anleitung rum Singen, öfter hcrausge-geben und sowol ins Deutsche als Englische übersetzt, war lange Zeit sehr geschätzt.

Curli (Giovanni Ninaldo, Graf), zuweilen nach seiner Gemahlin Carli-Rubbigenannt, gcb. im Apr. 1729 zu Capo d'Zstria in einer alten Familie, trat sehr jung alsSchriftsteller auf und studirte dann auf der Universität zu Padua insbesondere Geometrie