196 Caravaggio Carvomin
Leben auf mannichfach verworrene Weise beh»rrftlne, zum Ausdrucke bringen und dadurchüber Andere herrschen. Seine Bilder sind ein sehr charakteristisches Zeichen für Das, was inden Gemüthcrn jener Zeit Zährte und in der Schrcckenswir des Dreißigjährigen Kriegs ;umAusbruch kommen sollte. Für solche Zwecke konnte ihm nur die niedrig gemeine Naturzum Gegenstände der Darstellung dienen, aber er wußte sie höchst lebendig, mit aller Kraftdes Colorits und -höchst frappant durch schlagende Beleuchtung wiederzugebe». Man be-zeichnet ihn als das Haupt der Naturalisten, die in ähnlicher Weise eine Zeit lang in derital. Kunst wirksam und einflußreich waren. Wo die Gegenstände seiner Bilder mit solcherDarstellungswcisc im Einklänge standen, erscheinen sic natürlich höchst vollendet;,aber auchdie erhabensten Aufgaben behandelte er nicht anders. Die letztem sind bei ihm überall indas Gemeine herabgezogen, und dennoch kann man auch ihnen ein ergreifendes Pathos aufkeine Weise absprechcn. Wie seine Bilder, so war sei» Leben. Eines Mords wegen mußte ecaus Nom flüchten; aus andern Orten vertrieb ihn sein Ungestüm, der überall Streitigkeitenund Duelle im Gefolge hatte. Endlich kam er nach Malta, wo ihn der Großmeister zur Be- !lohnung seiner künstlerischen Leistungen rum Ritter schlug. Doch auch dort war seines Blei-bens nicht. Auf der Rückkehr nach Nom ward er überfallen und starb an seinen Wun-den im I. I l'>"9.
Caravaggio, s. Ealdara (Polidoro).
CKrbonäri, d.h.Köhler, ist derName einer politischen, wcitansgebreitctcn, geheimenGesellschaft in Italien, welche zuerst 182" aus ihrer Verborgenheit hervortrat. Zwar hatsie Instructionen, Katechismen der verschiedenen Grade, Statuten und Rituale druckenlassen; doch ist in diesen stets nur die eine Seite der Sache, nicht aber das geheime Svielder Obern und der eigentliche Geist des Ganzen dargrstclll. Was auch über das hohe Alterder C. gefabelt worden, am wahrscheinlichsten ist nach neuern Aufklärungen, daß die Ent-stehung derselben erst in die Zeit der jüngsten franz. Herrschaft über Neapel fällt. NachBotta's „8t,»r!a cl'It-ilin" flüchteten sich unter Murat's Herrschaft die Republikaner in dieunzugänglichen Schluchten der Abruzzen, von gleichem Haffe gegen die Franzosen wie ge-gen den König Ferdinand erfüllt. Hier schloffen sie einen geheimen Bund und nannten sichKöhler. Ihr Haupt, Capobianco, war ein ausgezeichneter Redner. Ihren Zweck drücktensie aus durch den Ruf: „Rache des durch den Wolf erdrückten Lammes!" König Ferdinandund seine Gemahlin suchten ihren Beistand gegen die Franzosen, weshalb Prinz Moliterni,der im Herzen selbst Republikaner war, an sie gesandt wurde. Auch Graf Orlow in seinen.MllmoireZ snr Io rozanme >le schreibt die Stiftung oder neue Belebung der
Carbonari der Königin Karoline von Sicilien zu; Andere behaupten, der vormalige Po-liceiministcr Maghclla habe dieser Verbindung ihre Bedeutung gegeben. Das Rituale derEarbvnar! war vom Kohlenbrennen hcrgenommen. Reinigung des Waldes von Wölfen,d. h. Kampf gegen Tyrannei, war die Grundlage ihrer Symbole. Obschon sie früher dar-unter nur die Befreiung von ausländischer Herrschaft verstanden, so bildeten sich darausdoch später, nach der Restauration der vertriebenen Konigsfamilie, demokratische und ami-monarchische Grundsätze, welche vielleicht besonders in den höher» Graden mitgethcilt wür-ben. Untereinander nannten sic sich gute Vettern. Eine allgemeine Verbindung und Lei-tung des Ordens scheint nicht zu Stande gekommen zu sein. Die Vereine der einzelnen Ortestanden allerdings untereinander in Verbindung, aber nur nach den Provinzen. Der Ver-sammlungsort hieß Hütte (hnrncca), die äußere Umgebung der Wald, das Innere der Hütteder Kohlenverkauf (vor,<!!",). Der Verein der sämmtlichen Hütten einer Provinz nanntesich eine Republik. Solche Republiken waren Westlucanien in Principato citra, die aus182 Hütten bestand und ihren Sitz zu Salerno hatte, die Republik Ostlucanien in Basili-cata zu Polenza, die Republiken Hirpinien, Daumen u. s. w. Die Obcrhüktcn (alte ven-<Ilte) zu Neapel und zu Salerno suchten eine allgemeine Direktion des Ordens, wenigstens fürdas Königreich, zu Stande zu bringen; allein cs scheint auch diese nicht recht ausgebildet wor-den zu sein. Wie sehr aber der Sinn des Volks für die Sache vorbereitet war, erhellt darausdaß der Verein gleich nach der neuern Stiftung 2i—:;«>«»>" Mitglieder hatte und sich der-gestalt durch ganz Italien verbreitete, daß allein im Monate März >82" gegenneue Mitglieder ausgenommen worden sein sollen. Freilich nahm man auch Jeden auf und