Aaracci
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herrschend geworden war, setzte sic ein festes, zum Theil auf Nachahmungdergroßen Meisterberubcndes Studium entgegen und gründete dadurch die sogenannte eklektische Richtung derKunst. Doch sind die Künstler dieser Familie, bei aller Ehrenhaftigkeit ihres Strebens, voueiner erheblichen Nüchternheit des Gefühls nicht frcizusprechen. Nur wo sie naiver auf dasBorbild der Natur eingingen, vermochten sie es, eine nachhaltigere Wirkung zu erreichen.—Lodovico C., der Sohn eines Fleischers, geb. 1555 zu Bologna, machte anfangs sehr lang-same Fortschritte in seiner Kunst, da er cs fast zu genau nahm und von jedem Striche sichRechenschaft geben wollte. Zu Florenz, wohin er sich später begab, studirte er Andrea delSarto und genoß den Unterricht Passignano's; da er aber sah, daß daselbst vorzüglich Cor-reggio und dessen Schüler nachgeahmt wurden, so bestimmte ihn dies, sich nach Parma zu be-geben. Als er bei seiner Rückkehr nach Bologna sehr bald gewahr wurde, daß er mit seinenGrundsätzen, welche dem Zeitgeschmack entgegen waren, wenig Eingang finden werde, soverband er sich zunächst mit zwei seiner Vettern, Agostino und Annibale C., welche sichebenfalls der Malerei gewidmet hakten, sendete sie 1580 nach Parma und Venedig undarbeitete nach ihrer Rückkehr nach Bologna gemeinschaftlich nach gleichen Grundsätzen mitihnen. Doch gleich anfangs erhob sich eine so mächtige Partei gegen sie, daß sie im Begriffwaren, ihren Vorsatz aufzugeben; aber Annibale, der entschlossenste unter ihnen, drangdarauf, nicht nachzugcbc», sondern dem Strome der Schmähungen zahlreiche Werke e»t-gegcnzustellcu. Lodovico faßte neuen Muth, stiftete die .äecslleinm <I<->gIi »ummmimtti (voniiioammiimi'e, d. i. auf den Weg, in Gang bringen) und stellte als ersten Grundsatz derselbenauf, daß man die Beobachtung der Natur mit der Nachahmung der besten Meister verbindenmüsse. Die schönsten Werke Lvdovico's sind zu Bologna, z. B. die Halle in dem KlosterS. -Michele in Bosco und die Verkündigung in der Kathedrale. Wie er überhaupt sehrgründlich in alle» Theilen der Malerei war, so ist er auch ein Meister in architektonischenAnsichten und in der Zeichnung. Mismuth über eine weniger gelungene Arbeit beschleunigteseinen Tod im I. 1610. — Sein Neffe, Agosti n o E., geb. i 558 zu Bologna, war be-stimmt, Goldschmied zu werden, als sein Vetter ihn für die Malcrkunst gewann und aus ihmim kurzen einen seiner geschicktesten Schüler bildete. Geichzcitig beschäftigte er sich mit derKüpferstichkunst. Aus Rücksichten gegen seinen Bruder Annibale, der namentlich, als Agosti-no'shcrrliches Gemälde, die Communion desheil.Hieronpmus,den allgemeinsten Beifall fand,aus dessen Ruhm eifersüchtig zu werden ansing, wendete er sich mehr und mehr der Kupfer-stichkunfl zu. Später begleitete er denselben nach Nom und half ihm in seinen Arbeiten ander Farnese'schen Galerie; ging aber wegen der zunehmenden Eifersucht seines Brudersnachher an den Hof des Herzogs von Parma und malte hier in einem Saale die himmlische,die irdische und die feile Liebe. Er starb 1001, nach Ander» >005. Als Kupferstechermachte er in der Geschichte seiner Kunst in Italien einen wichtigen Abschnitt; als ein ge-schickter Zeichner verbesserte er nicht selten die fehlerhaften Umrisse in seinen Originalen.Unter seinen außerordentlich zahlreichen und zum Theil sehr berühmten Kupferstichen findensich auch viele obscöne, die jetzt ziemlich selten geworden sind. — Sein Bruder, Annibale C.,geb. l 500 zu Bologna, lernte bei seinem Vater das Schncidcrhaudwerk, als sein Vetter sicherbot, ihm zeichne» zu lehren. Bald machte er unter dessen Anleitung solche Fortschritte, daß erzu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Er verfertigte anfangs mehre sorgfältige Eopien nachCorreggio, Tizian, Paul Veronese, malte wie sie viele kleine Gemälde und unternahm erstdann größere Werke. Durch seinen heil. Rochus, welcher Almosen vertheilt (in der Galerie zuDresden), machte er sich zuerst bekannt. Bald darauf ward er nach Rom berufen. Hierahmte er einige Zeit Rafael und die Antike nach, leistete aber nicht ganz Verzicht aufCorreggio'sStil. In den Malereien der Galerie der Farnese'schen Palastes suchte er neben der Zier-lichkeit der Antike die Anmukh Nafael's zu erstreben. Berühmt ist auch sein Genius desRuhms, der ebenfalls eine Zierde der dresdener Galerie ist. Er war einer der größten Nach-ahmer Correggio's und kam in Hinsicht der Composition Rafael am nächsten. Obschonsein Bruder Agostino erfindungsreicher war und sein Vetter Lodovico mehr Talent zumLehren hatte als Annibale, so ist Letzterer doch unbestritten der größte unter allen Caracci.Er starb aus Kummer über den Undank des Cardinals Farnese, der seine 20jährige ArbeitConv.-Lex. Neunte Lust. 111. ^