Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
190
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IO» Capriccio Capua

auch die fleißigen und fröhlichen Bewohner einen solchen angepflanzt, indem sie die nöthigi 'Erde zum Theil vom Festlande herübergeholt und mit unsäglicher Mühe zu Terrassen auf-geschichtet haben. In Anacapri wächst ein köstlicher weißer und rother Wein, der frei vondem schwefligen Beigeschmack der neapolit. Weine ist; auch gedeiht hier weniges, aber schönesÖl. Die äußerst schmackhaften Wachteln, die im Frühjahre und Herbste auf ihrem Zugevon und nach Afrika zu l 00000 einfallen und in großen Netzen gefangen werden, sind einHauptregale des Bischofs. Von dem höchsten Punkte der Insel, dem Monte-Salaro, genießtman eine der umfassendsten Ansichten Italiens, indem man mit einem Blicke die Meerbusenvon Gaeta, Neapel und Salerno und im Hintergründe die terrassenförmig aufsteigcndenBergreihen überschaut. Eine kleine Öffnung an der Westküste von C., eine Viertelmeile vondem Landungsplätze, führt, wenn man ausgestreckt in einem besonders dazu eingerichtetenKahne sie durchfährt, zu der Blauen Grotte (1s xrvtts srurrs). Die niedrige Einfahrtläßt völlige Dunkelheit im Innern der Grotte erwarten; aber das wunderbarste Licht blendetdaS überraschte Auge, und man müßte fürchten zu erblinden,wenn das Licht nicht blau und demeiner Spiritusflamme ähnlich wäre. Der Waffergrund nämlich gibt den Widerschein dieseszauberischen Lichts, das von ihm auf die Gewölbe und die mit Stalaktiten bedeckten Wändeder Grotte zurückstrahlt. Erst wenn das Auge sich mit diesem seltsamen Lichte vertraut ge-macht hat, unterscheidet es die Gegenstände in dieser prachtvollen, von Fels und Meer ver-borgenen Wohnung, ihre glänzende Stalaktitenbekleidung, die hohe azurblaue Wölbung unddie verfallenen Stufen, welche diese heimliche Badezelle, wol die prachtvollste, die es gibt, viel-leicht mit einer der Villen des TiberiuS in Verbindung setzten. Wiederentdeckt wurde dies,Grotte von zwei Deutschen, dem Maler FrieS aus Heidelberg und Kopisch aus Breslau,welche im J. l826 es wagten, in die nur bei ruhigem Meere sichtbare Öffnung hinein zuschwimmen. In neuerer Zeit wurde die Insel wieder historisch denkwürdiger durch den Über-fall der Franzosen im Oct. 1807 unter dem General Lamarque, der sich dadurch in den Besitzdes westlichen Theils derselben setzte und die Engländer unter Hudson Lowe, die sich noch 16Tage lang auf der Ostküste vertheidigten, zur Kapitulation zwang.

Capriccio oder Caprice nennt man eine Gattung Musikstücke, die theils im For-menbau einer bestimmten scharfbegrenzten Gattung sich nicht anschließt, theils durch di,Besonderheit der Motive, oder durch das eigensinnige Festhalten einer Figur ihren Name»rechtfertigt. Eigcnthümlichkeit der Erfindung und Keckheit der Ausführung sind das West»dieser Gattung. Eine Abart der Capriccio ist die Etüde (s. d.).

Caprisicativn nennt man das schon den Griechen und Römern bekannte, in derLevante und auch in Italien angewendete Verfahren, die Reife der Feigen zu fördern.Caprificus ist nämlich der lat. Name des wilden Feigenbaums.

Capua, eine sehr herabgekommene, schlecht gebaute Stadt in der neapolit. ProvinzTerra di Lavoro, am Volturno, war sonst die Hauptstadt Campaniens und eine der schön-sten Städte Italiens, die mit Nom und Karthago wetteiferte. Sie liegt in einer fruchtbaren,aber ungesunden Gegend, zählt 8000 E. und ist der Sitz eines Erzbischofs. Nächst der herr-lichen Kathedrale und der Kirche dell' Annunziata, mit vielen eingemauerten alten Bas-reliefs sind die Piazza de' Giudici, wo sich mehre Reste röm. Alterthümer finden und die Mar-morbildsäule Kaiser Friedrich's II- bemerkenswerth, welche die Stadt diesem zu Ehren 12Z8aufrichten ließ, die aber jetzt der Hände und des Kopfes beraubt ist. Das alte Capua laganderthalb Meilen von der jetzigen Stadt nach Caserta zu, wo jetzt der Flecken San-Martimist. Von dem aus Ziegeln erbauten, mit weißem Marmor bekleideten Amphitheater, das düLandlcute jetzt Lorilascio nennen, ragen, obschon ein großer Theil desselben verschüttet ist,noch wohlerhaltene Gewölbe, Corridore und Zuschauersihe hervor. Die Umgegend, vorzüglichder Strich Landes zwischen C., Nola und Neapel, rechtfertigt ihren Ruf paradiesischer Frucht-barkeit. Eine dreimalige Ernte belohnt die geringste Anstrengung des Landmanns, währendderselbe Boden zugleich die Agrume, die Feige, den Weinstock und den Ölbaum gedeihen läßt.Die Stadt wurde von Etruskern 50 Jahre vor Noms Erbauung gegründet und von ihnenVolturnum genannt. Die Samniter, die sie -100 Jahre nachher eroberten, gaben ihr de»Namen Capua. Weil sie Hannibal beigestanden hatte, der hier nach der Schlacht bei Cannäseinen Aufenthalt nahm, wurde sic von den Römern zerstört, jedoch von röm. Colonistc»