180 Capitale Capitol
Capital verleihen, und sie können sich sehr verdient machen, wenn sie, worauf freilich in derRegel nicht zu rechnen, bei Ausleihung ihres Capitals den nützlicher« Geschäften vor deneinträglicher« oder sonst bequemem den Vorzug geben; theils benutzen sie vielleicht ihrenBesitz nur als Unterlage zu einer zwar nicht unmittelbar materiell productiven, aber dochsonst für Gesellschaft und Menschheit überaus nützlichen Thätigkeit im politischen, wissen-schaftlichen, künstlerischen Gebiete; theils und hauptsächlich ist das Capital selbst von einer sounermeßlichen Productivität, daß auch Diejenigen nicht ohne Verdienst bleiben, die sich mitseiner Sicherung und Erhaltung beschäftigen, und ihre äußerlich günstige Lage ist für Vieleein Sporn, auf eine gleiche Erwerbung bedacht zu sein. In neuern Zeiten ist oftmals dieIdee einer Capitalsteuer zur Sprache, auch theilweise, z. B. in Kurhesscn, zur Aus-führung gekommen. Das Princip der gleichen Besteuerung scheint sie zu fobern. Jndeß esfodert nur die gleiche Bciziehung des aus dem Capital fließenden Einkommens, nicht aberdaß dies auf dem directen Wege einer Aufsuchung und Besteuerung der einzelnen Capitalicnbewirkt und neben die Grund- und Gewerbssteuer eine Capitalsteuer gestellt werde. Gegendiesen directen Weg spricht so Manches. Es mag die Wichtigkeit des ersten Einwandes, daßnämlich das Capital schon anderwärts, bei dem Anleiher desselben besteuert werde, dahin-gestellt bleiben, und jedenfalls ist es beiweitem nicht in allen Fällen anzuerkennen. Da-gegen bleibt cs sicher, daß die vollständige Ausführung der Capitalsteuer ein ungehörigesEindringen in die innern Verhältnisse des Privatlebens ersodcrt, daß sie dem Unredlichenviele Gelegenheit gibt, sich auf Kosten des Redlichen der Last zu entziehen, daß die Steuerzum Anlaß werden kann, daß die weniger als irgend ein anderer Stand an das Land ge-bundenen Capitalisten es mit ihren Capitalien verlassen, hauptsächlich daß die Capitalien vor-zugsweise eine solche Verwendung aufsuchen, bei welcher sie sich der Steuer leichter entziehenkönnen. Das aber sind selten die nützlichsten Verwendungsarten, und jedenfalls ist es »ach-thcilig, wenn durch eine solche fremdartige Rücksicht der natürliche Zug der Verhältnisse ge-stört wird. Auch irrt man sehr, wenn man glaubt, eine solche Steuer werde sehr einträglichsein. Alle Erfahrungen zeigen, daß aus den Groschen der zahlreichen untern Stände sich beider Steuer weit größere Summen zusammenstellen, als aus den Hunderten von Thalcrnder wenigen Reichen. Das Zweckmäßigste hinsichtlich der Capitalisten ist, sic bei einer Clas-sen- oder Personalsteuer nur mit einem jedenfalls nicht zu hohen, nach ungefährer Würdi-gung ihrer Verhältnisse bestimmten Satze zu belegen, im Übrigen aber ihnen durch Cousumtionsabgaben beizukommen
Capitale wird bei Festungen und Schanzen diejenige gerade Linie genannt, welcheeinen ausspringendcn Winkel (ssillant) halbirt. Die Capitale ist eine Hauptlinie theils beiden Constructionen und dem Ausstecken der Befestigungen, vorzüglich aber für den Angriffbefestigter Plätze und Schanzen, indem die Communicationsgräben (Sappen und Zickzicks)gegen eine anzugreifende Fcsiungsfront gewöhnlich auf den Capitalen geführt werden.
Capitel wurde in der christlichen Kirche die Versammlung oder der Verein der zueinem Kloster oder Stifte gehörigen Geistlichen genannt, weil sich dieselben anfangs täglichzur Anhörung eines Cäpitels aus ihren Regeln versammelten. Auch nahmen die Versamm-lungen geistlicher und weltlicher Orden und Brüderschaften diese Benennung an. VorzüglicheWichtigkeit gewannen die Capitel der deutschen Bischöfe, welche früher klösterlich vereint,später das gemeinsame Leben ausgaben und nur alsCorporationcn mit großen Gerechtsamenverbunden blieben. (S. Stift.)
Capitol (daS), die Burg des alten Noms, stand auf dem capitolinischcn Berge, demkleinsten der sieben Hügel, welcher in frühem Zeiten der saturninische, auch tarpejischc hieß.Der erste Grund zum Capitol wurde 014 v. CH. von Tarquinius Priscus gelegt, vollendetward es erst nach Vertreibung der Könige. Zur Zeit der bürgerlichen Unruhen unter Sullaging es in Flammen auf. Dasselbe Schicksal hatte es später noch zweimal. Wie vorherVcspasian, so ließ es zuletzt Domitian mit großem Aufwandc wiederherstcllcn und vcrord-nete daselbst die capitolinischcn Spiele. Nach des Dionysius von Halikarnaß Beschreibung- war der Tempel des Capitols mit den außenstehenden Säulen 200 F. lang und 185 breit,und bestand eigentlich aus drei Tempeln, welche dem Jupiter, der Juno und Minerva ge-weiht und durch Wände voneinander abgesondert waren. In dem weiten PorticuS wurde