Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

Cap 175

Capstadt sie sich befinden. Schulen und Kirchen fehlen noch sehr. Außerdem leben noch iwCaplande eine nicht geringe Zahl Malaien, Neger und Chinesen, von denen jene ersten z»mIslam sich bekennen. Das Land steht unter einem brit. Gouverneur, hat einen Flächenraumvon etwa 600V UM. und zerfällt in 14 Districte. Die Zahl der Bewohner beläuft sich auf120000, darunter etwa 40000 Hottentotten, 35000 Malaien und Neger. Der Hauptort derganzen Colonie, die Capstadt, der Sitz der Colonialregierung und Waffenplatz für die Land-und Seemacht von etwa 5000 M., zählt 20000 E-, die sich hauptsächlich mit Aus- und Ein-fuhrhandel beschäftigen. Daselbst wurde 1826 durch die brit. Regierung ein Museum fürNatur-und Kunstgegenstände eingerichtet und 1829 das erste südafrik. Gymnasium eröffnet.

Das Cap oder das Vorgebirge der guten Hoffnung wurde vom Portugiesen Bartolo-meo Dia; I486 entdeckt und von einem andern Portugiesen, Vasco de Gama, 1497 zuerstumschifft. Die Portugiesen beachteten jedoch die Wichtigkeit der Lage dieses Punkts gar nicht,weil ihr Hauptaugenmerk auf Indien gerichtet war. Durch die Holländ.-ostind. Compagniewurde zu Anfänge des 17.Jahrh. dem Schiffschirurgen Vankisbeck die Einrichtung der erstenAnlagen am Cap übertragen; doch erst 1652 sicherten sie sich den Besitz des Landes und derStadt durch Festungswerke und eine Besatzung. Die Lage wie das Klima begünstigte dieneue Colonie, die, obschon oft im Kriege mit wilden Kaffern, Hottentotten und Buschmännern,bald bedeutenden Wohlstand erlangte. Trotz der Wichtigkeit der Besitzung aber dachten dieHolland. Statthalter nicht im entferntesten daran, die eingerissenen und weiter um sich grei-fenden Misbräuche abzuschaffen und für Verbesserung des politischen Zustands der Coloniezu sorgen. Schon im nordamerik. Freiheitskriege versuchten die Engländer einen Angriffauf die Capstadt, aber ohne Erfolg, dagegen gelang es ihnen während desfranz.Nevolutions-kriegs 1795 sich in den Besitz derselben zu setzen und sie bis zum Frieden von Amiens zu be-haupten, in welchem die Holländer die Colonie zurückerhielten. Allein schon 1806 verlorenLetztere dieselbe von neuem an die Briten und traten sie dann im Frieden von 1814 ganz andieselben ab. Die brit. Negierung hat seitdem mancherlei Verbesserungen eintreten lassen,auch das Gebiet nach dem Fischflusse hin durch Ansiedelung einer bewaffneten Colonie ausdem Mutterlande erweitert. Zwar drohte der Krieg mit den Kaffern mehrmals den neuenAnlagen verderblich zu werden, allein mehr und mehr ist cs der brit. Negierung gelungen,auch die afrik. Wilden durch Friedensverträge und Handelsverbindungen in mancher Bezie-hung zu cultiviren. Noch wichtiger ist das Capland den Briten geworden, seit sie die InselMauritius besitzen, da dieser bedeutende Nhedcplatz und Vertheidigungspunkt seinen noth-wendigen Bedarf, den er früher von der Insel Bourbon beziehen mußte, jetzt vom Caplandebezieht. Dasselbe ist auch mit Madagaskar der Fall. Vorzüglich wichtig ist aber das Cap-land für England als Stationspunkt und Hauptwaffenplatz seiner Seemacht im Atlanti-schen und Indischen Oceane. Es beherrscht den Seeweg nach und von Ostindien, bildet einenRuhepunkt für alle nach den asiat. und austral. Gewässern segelnden Handelsschiffe, dientals Vermittlerin zwischen Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Seit die Engländerim Besitz des Landes sind, werden von hier aus auch Walfischfangsexpeditionen nach denGewässern des großen austral. Continents und nach dem Südpol unternommen. Die brit.Regierung wich hinsichtlich der Negierungsmaximen sehr bald ganz von denen der Holländerab; sie begünstigte die Ansiedelung kleiner Landstellen, beschränkte die unmäßigen und da-her dem Ganzen schädlichen Weiderechte der zuerst seßhaft gewordenen afrik. Bauern undstellte durch Anlegung ordentlicher Erbbücher das Grundeigenthum nach brit. Colonialrechtefest. Unter dem Lord Somerset war jedoch die Verwaltung so schlecht, daß derselbe für gutfand, ehe es zur Untersuchung kam, 1827 seine Stelle niederzulegen, welche hierauf der LordCole erhielt. Unter diesem wurden 1829 die Hottentotten und freien Farbigen im Gebiet desCaplandes auf gleichen Fuß mit den übrigen Bewohnern gesetzt. Dieses sowol wie die Auf-hebung des Sklavenhandels erregte bei den Boers große Unzufriedenheit, die sich noch stei-gerte, ja zur Erbitterung gegen die brit. Regierung führte, als 1837 die Emancipation derHottentotten und 1839 der Neger ausgeführt werden sollte. Fast allgemein lehnten sie sichdagegen auf; 5000 verkauften ihren Grundbesitz und siedelten sich in den Gebieten desZulusfürsten Dingaan in Port-Natal an. Obgleich sie daselbst fortwährend mit den Kaffernzu kämpfen hatten und dabei viel Menschen verloren, so weigerten sie sich doch hartnäckig.