Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
169
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Canova 169

Venu- und Adonis, das Denkmal des Admirals Emo für die Republik Venedig, ein»Psyche, mit der Rechten einen Schmetterling an den Flügeln haltend auf der offenen linkenHand. Außerdem modellirte er viele Basreliefs, meist Scenen aus dem Leben des Sokrates,aus dem Gebiete der Sage und Geschichte, von denen er jedoch nur wenige in Marmor auS-führte, unter welchen die Stadt Padua als weibliche Figur in sitzender Stellung das vor-züglichste ist. In der Statue der büßenden Magdalena, in natürlicher Größe, trieb er dasVerschmolzene und Mürbe auf die höchste Spitze; dagegen blieb er bei der Ausführung derHebe ganz in der Sphäre. Von jetzt an wollte er sein Talent im Tragischen versuchen undbildete den rasenden Hercules, der den Lichas ins Meer schleudert. Die Gruppe ist kolossal,und der Hercules noch etwas größer als der Farnesesche, macht aber wegen des Affectirten undÜbertriebenen einen unangenehmen Eindruck. Dasselbe gilt von seiner Darstellung der beidenFaustkämpfcr, Kreugas und Damoxenos. Seinen höchsten Triumph erreichte er durch eineneue Darstellung Amor's und Psyche's im Louvre. Der von ihm hierauf gearbeitete Pala-medcs wurde zwar im Winter 1805 durch eine Überschwemmung umgestürzt und zertrüm-mert, nachher aber von ihm restaurirt. In den Z. 1796 und 1797 arbeitete er das Modell zudem Grabmale der verstorbenen Erzherzogin Christin« von Ostreich, Gemahlin des HerzogsAlbert von Sachsen-Teschen, welches er selbst 1805 in der Augustinerkirche zu Wien aufstellte,und sodann das Modell zu einer Statue des Königs von Neapel, einer seiner schönsten Arbei-ten, welche er 1803 in Marmor ausführte. Während der Revolution begleitete er 1798und 1799 den Senator Prinzen Nezzonico auf einer Reise durch Deutschland. Nach seinerRückkehr hielt er sich einige Zeit im Venetianischen auf und malte für die Kirche seines Ge-burtsorts ein Altarblatt. Dann verfertigte er in Rom die Statue des Perseus mit demHaupte der Medusa, welche Statue seinen Ruhm mehr als alle vorhergehende Werke erhöhteund deren einzelne Theile in der That von ungemeiner Schönheit sind, in den Formen sowotals in der meisterhaften zarten Bearbeitung. Jm J. 1802wurdeC.vonPius VU.zum Ober-aufseher aller röm. Kunstsachcn und aller Kunstuntcrnehmungen im Kirchenstaate ernanntund bald nachher von Bonaparte nach Paris berufen, um das Modell zu dessen kolossalerBildsäule zu fertigen. Auch lieferte er die Statue der Mutter Bonaparte's, die 1819 der Her-zog von Devonshire für 36000 Francs erstand. Unter seinen spätem Werken erwähnen wirWashington, aufgestellt vor dem Palaste des Congresses in Washington, die Grabmälcr desKardinals von Jork und Pius' VII., die Büsten Pius' VII. und Franz's II-, eine Nachbil-dung der Mediceischen Venus, eine dem Bade entstiegene Venus, ein Monument für denverstorbenen Kupferstecher Volpato, die kolossale Gruppe des Theseus, der den Centaurenerlegt, welche die frühem Werke im Heldencharakter weit übertraf, Alfieri's Grabmal, inder Kirche Sta.-Croce zu Florenz aufgestellt, das Grabmal der Gräfin Sta.-Croce, eineVenus, eine Tänzerin, mit fast durchsichtigem Gewand, die Portraitstatue der GemahlinLucian Bonaparte's, mit der Lyra im Arm, ein kolossaler Hektar, ein ruhender Paris, eineMuse, ein Modell zu einem kolossalen Ajax und das Modell einer sitzenden, mit reichemGewand umgebenen Statue der Erzherzogin Marie Luise von Ostreich. Nach Napoleon'SSturze fodcrte C. 1815 im Aufträge des Papstes die aus Rom entführten Kunstwerke zu-rück, ging dann nach London und kam 1816 wieder nach Rom, wo Pius VII. wegen derhohen Verdienste um die Stadt Nom, dessen Namen in das Goldene Buch des Capitols ein-tragen ließ und ihn zum Marchese von Jschia mit 3000 Scudi jährlichen Einkommens er-nannte. Diesen Gehalt verwendete C. zur Unterstützung der Kunst in Rom und sein bedeu-tendes Privatvcrmögen auf den Bau einer prächtigen Kirche in seinem Geburtsorte, die ermit seinen letzten Arbeiten schmückte. Er starb zu Venedig am 13. Oct. 1822. Sein Leich-nam ruht in der Kirche zu Possagno; seine rechte Hand kam durch C.'s Bruder in den Be-sitz der Akademie der schönen Künste zu Venedig. In letzterer Stadt ward ihm 1827 einmarmornes Denkmal in der Kirche de'Frati errichtet; ein anderes Denkmal ließ ihm Leo XU.1833 in der capitolinischen Bibliothek setzen. Allgemein ist anerkannt, daß C- der Ruhmgebührt, durch seine Werke der Bildhauerkunst wieder Achtung verschafft zu haben, da siebis dahin blos als Luxus unter den Künsten angesehen wurde. Die ihm eigenthümliche An-muth und Zierlichkeit der Gestalten sprach auf eine Weise an, deren man in plastischen Wer-ken völlig entwöhnt war, und selbst die sehr schonungslos gerügten Mängel in seiner Dar-