IW Carwsa Canova
beraubt. Sein Bedienter, ein Italiener, war entflohen, und ausdiesen fiel der nächste Ver-dacht. Als aber die Richter im Verlauf der Untersuchung herausbrachten, daß C. auf denItaliener eifersüchtig gewesm sei und mit einer andern Frau ein Verständniß gehabt habe,so sprachen sie den Flüchtling frei und verurtheilten den Gatten. Dies nöthigte C., Madridzu verlassen. Er verbreitete das Gerücht, nach Portugal entflohen zu sein, ging aber nachValencia, wo er, als seine Kunst ihn verrathen hatte, in einem Karthäuserkloster Zufluchtfand. Später kehrte er nach Madrid zurück, wo er sich anfangs verborgen hielt, nachheraber, des Zwanges müde, sich verhaften ließ. Er ward auf die Folter gebracht, erhielt jedochaus Achtung für sein Talent die Vergünstigung, daß die Henker seinen rechten Arm vcr-schonten. Standhaft ertrug er die Martern, ohne ein Wort von sich zu geben, welches seineVerurtheilung hätte begründen können. Der König, dem davon Nachricht gegeben wurde,nahm ihn wieder in seine Gunst auf und ernannte ihn, da er Priester geworden war, zumRacionero (Residenten) von Granada, wo er 1667 starb. Seine Gemälde zeichnen sichdurch Grazie und eigenthümliche Anmuth des Colorits aus. Die Mehrzahl seiner Werkefindet sich zu Granada, ferner zu Sevilla und Madrid.
Canösa, eine Stadt in der neapolit. Provinz Capitanata in Unteritalien, amOfanto,mit ä voo E., das alte von den Griechen gegründete Canusiumin Apulien, das durch Handelund Wohlstand bis zum zweiten pun. Kriege blühend war und von dem noch Überreste einesTriumphbogens und Amphitheaters zu sehen sind, wurde in neuerer Zeit vorzüglich durchdie in der Nähe befindlichen Felsengräber berühmt, die MMn u. A. in den I. 1812—13entdeckten. Die hier gefundenen Vasen, Waffen und Geräthschaften befinden sich jetzt indem Königlichen Museum zu Neapel. Die Malereien auf diesen Vasen beziehen sich auf dengriech.-ital. Geheimdienst der alten Bewohner dieser Landschaft. Vgl. Millin, „vescription«iss tombekmx 6e 6., etc." (Par. 1813, Fol.), mit sorgfältigen Abbildungen.
Canossa, das alte im Mittelalter berühmte Bergschloß, ist jetzt nur noch in seinenTrümmern vorhanden in dem gleichnamigen Flecken unweit Reggio im Herzogthum Mo-dcna. Hier ward 951 Adelheid, König Lothar's Witwe, von Berengar II. belagert, alssie Kaiser Otto dem Großen ihre Hand und die Krone Italiens anbot. Im I I. Jahrh. ge-hörte das Schloß der Markgräfin Mathilde von Toscana, der Freundin Gregor's VII., vordem hier Kaiser Heinrich IV. (s. d.) 1077 in harter Buße sich demüthigte.
Canvt nennt man das einfache, aus einem ausgehöhlten Baumstamme bestehendeFahrzeug der Indianer. Die Canots fassen höchstens drei bis vier Personen.
Canöva (Antonio), Marchese von Zschia, nach Michel Angelo Buonarotti und Ber-nini der dritte Bildhauer, der in neuerer Zeit eine Epoche für seine Kunst in Italien grün-dete, und Stifter einer neuen Schule inAnsehung der weichen, zarten Ausführung und vor-trefflichen Behandlung des Marmors, wurde am 1. Nov. 1757 zu Possagno im Venetiani-schen, einem Dorfe des Nobile Falieri, geboren und äußerte schon als Knabe großes Talent zumModellircn. Die Falieri, Vater und Sohn, thaten ihn daher zu einem Bildhauer in Bassanoin die Lehre, wo er sich handwerksmäßig übte. Seine erste eigene Arbeit, die er in seinem17. Jahre lieferte, war eine Eurydice in halber Lebensgröße. Hierauf besuchte er die Aka-demie zu Venedig, wo sein eigentliches Kunststudium begann. Die erste Arbeit, die ihmansgetragen wurde, war die Statue des Marchese Poleni in Lebensgröße für Padua. Im23. Jahre vollendete er dir Gruppe DädaluS und Ikarus, die noch durchaus keine Spur vonForm und Stil der Antike zeigt. Zur Belohnung dafür sendete ihn der Senat von Venedig1779 mit einem Jahrgehalt von 300 Ducati nach Rom. Hier war die erste Frucht seinesStudiums die Statue Apollon, die als sein Übergang zum Jdealischen zu betrachten ist. The-seus, aufdem erschlagenen Minotaur sitzend, eines seiner vorzüglichsten Werke, war die erstegroßeÄrbeit, durch die er sich 1783 in Nom bekannt machte. In demselben Jahre über-nahm er die Ausführung des Grabmals für den Papst Clemens XIV. in der Kirche elegli-Vpo-toli. Dann bildete er Amor und Psyche, worin er zuerst seinen eigenen Weg betrat,der sich entschieden zum Reizenden und Lieblichen neigte. Demnächst führte er das Grab-mal Clemens' Xlll. in der Pcterskirche aus, welches 1792 aufgestellt wurde und sich durchkolossale Größe und einfachen Stil auszcichnct. Andere Arbeiten, die er in dieser Zeit lie-ferte, waren ein stehender geflügelter Amor, eine Wiederholung dcS Amor und der Psncl e,