149
Campe
nach Edinburg ging, wo er sich dem Kreise der dortigen Dichter und Literatoren anschloß.Schon im nächsten Jahre vollendete er hier sein berühmtes Gedicht „Ille pleasiires okkope"(deutsch von Lackmann, Hamb. 1838). Die feurige Stelle darin über Polens Zerstückelungergriff Kosciuszko dergestalt, daß er Thränen bei Lesung derselben vergoß. Im I. 1800ging er auf das Festland und hielt sich gegen ein Jahr in Deutschland auf, wo er die ausge-zeichnetsten Dichter und Gelehrten persönlich kennen lernte. Über Hamburg zurückkchrend,besuchte er nun zum ersten Male London und blieb dort, bis er sich nach seiner Verhcirathung1803 in Sydenham niederließ. Unter seinen nachherigcn Dichtungen sind am bekanntestendas besonders treffliche „l'lle msriners vkLnglanck" und das er-zählende Gedicht „6ertr»cleok IV^ominA (Lond. 1 809). C. gehörte zudenjenigen Dichtern, die auf die Form die größteSorgfalt wenden, wodurch freilich der freie Schwung der Phantasie zuweilen gehemmt wird.Doch fehlt es darum seinen Dichtungen keineswegs an Feuer und Innigkeit, und im Pathe-tischen kann man ihn den berühmtesten engl. Dichtern an die Seite stellen. ErwarWhigund wurde gern beifeierlichen Gelegenheiten als dichterische Notabilität von seiner Partei vor-gehoben. Seine „8pecimens okllritisll poets" (7 Bdc., Lond. 1819) enthalten kurze Aus-züge aus den engl. Dichtern von Chaucer bis auf Anstey mit biographischen und kritischenAnmerkungen. Nicht ohne Verdienst sind seine „^nnals ok 6reat Lritain, lrow tlle acces-sion vl t-leorges III to tlle pescs ok-lmiens" (3 Bde., Edinb. 1807.) Das „ldierv montlilxinaASLme", das er 1821 begründete, ward unter seiner Leitung eine der besten engl. Zeit-schriften, doch trat er 1832 von der Theilnahme ab, nachdem er bereits im Juli 1831 eineneue Mvnatschrift „Ille Metropolitan msFarine" begonnen hatte. Er war einer derthätigstcn Beförderer der londoner Universität, wozu er 1825 den Plan entwarf.
Campe (Joach. Heinr.), durch seine Kinder-und Jugendschriften ebenso sehr wie durchseine lcxikographischen Arbeiten ausgezeichnet, gcb. 17 4 6 zu Deensen im Braunschweigischen,erhielt seine erste Bildung auf der Schule zu Holzminden und studirte dann zu Helmstedtund Halle Theologie. Im I. 1773 ward er Feldprediger bei dem Regimente des PrinzenFriedrich Wilhelm von Preußen zu Potsdam; allein vom Eifer für das Wohl der Mensch-heit getrieben, widmete er sein Nachdenken und seine Thätigkcit vorzugsweise der Erziehung,überzeugt, daß durch eine bessere Bildung der Jugend die Hauptquelle des menschlichenElends versiegen werde. Locke's und Roufseau's Erziehungsansichten hatten ihn angezogcn,und Basedow's Erziehungsunternehmcn begeisterte ihn so, daß er, durch einige philosophischeund pädagogische Schriften bereits bekannt, 1776 einem Rufe als Educationsrath undLehrer am Philanthropin zu Dessau folgte. Nach Basedow's Rücktritt von der Direktiondieser Anstalt übernahm er dieselbe; Liebe zu einem unabhängigen Wirken veranlaßte ihnaber, nach kurzer Zeit sich wieder zurückzuziehen und in der Nähe von Hamburg eine Privat-crziehungsanstalt anzulegen. Wegen seiner geschwächten Gesundheit übergab er auch dieseschon 17 83 dem Professor Trapp, seinem Mitarbeiter, worauf er in Trittow bei Hamburgprivatisirte. Im I. 1787 wurde er als Schulrath nach Braunschweig berufen, um bei dercinzuleitenden Schulreform thätig zu sein. Er übernahm dort zugleich die bis dahin mitdem Waisenhausc verbundene Buchhandlung, die unter der Firma Schulbuchhandlung be-kannt ist und vorzüglich durch den Verlag seiner eigenen Schriften sich zu einer der ange-sehensten in Deutschland emporschwang. Später übergab er dieselbe seinem SchwiegersöhneVieweg, gest.am25.Dec. 1835. Bei hcrannahendcmAlter und weil die Schulverbesserungnicht so, wie er es wünschte, vorrückte, legte er l 805 seine Stelle nieder, wurde Dechant desStifts Cyriaci, lebte zurückgezogen nur seiner Familie und seinen schriftstellerischen Arbeitenund erhielt 1809 von Helmstedt aus das Diplom eines Doctors der Theologie. Die höchstanstrengende Beschäftigung mit den lexikographischen Arbeiten und Altersschwäche lähmtenallmälig seinen Geist; die letzten Jahre seines gemeinnützigen Lebens brachte er geschäftslosund wieder zum Kinde geworden in dem engcrn Kreise der Seinigcn in seinem Garten beiBraunschweig zu und starb am 22. Oct. 1818. Er ruht in seinem Garten, wo ihm vomHerzoge eine Familiengrabstätte bewilligt worden war. In seinen philosophischen Werkenerscheint C. stets als ein Mann von dem edelsten Gemeinsinnc; aus allen leuchten edle,patriotische Zwecke hervor. Allgemeines Aussehen erregten seine „Briefe aus Paris zurZeit der Revolution" (Par. 1790). Sie sind in der That freimüthig und kühn, mitBcrcdt-