Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
145
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Carnocns 1^5

stellte sich der Neid entgegen. Voll Unwillen, sich vernachlässigt zu sehen, schiffte er sich 1553nach Indien ein. Er landete in Goa, seine Einbildungskraft ward erregt durch die Hclden-thaten seiner Landsleute in diesem Lande, und, obgleich er sich über sie zu beklagen hatte,widerstand er doch nicht dem Antriebe, ihren Ruhm in einem Epos Hu verherrlichen. Aberdiese Lebhaftigkeit des Geistes, die den Dichter macht, ist schwer vereinbar mit der Mäßigung,- zu welcher eine abhängige Lage nöthigt. C. ward entrüstet durch die Mißbrauche derNegierung in Indien und schrieb 1555 unter der Aufschriftvispsratos ns InOia" einsatirisches Gedicht, in welchem er den Mcckönig von Indien und die angesehensten Personenverspottete. Dies hatte 1556 seine Verweisung nach Macao zur Folge. Hier lebte er mehreJahre in der mit allen Reizen des Orients ausgestatteten Natur und dichtete seineLusiade".Den größten Thcil derselben soll er in einer Grotte bei Macao gedichtet haben, die bis ausden heutigen Tag noch den Namen der Grotte des C. führt. DieLusiade", oder besser dieLusiaden, d. i. die Lusitanür, oder Abkömmlinge des LusuS, ist unter den sogenanntenmodernen Epopöen die einzige, die von einem Geiste, der dem echt epischen, volksthümlich-ur-sprünglichen Geiste nahe verwandt ist, durchweht wird; denn sie entstand unter Verhältnissen,jenen ähnlich, die allein ein echtes Epos erzeugen können, in der Zeit der Hcroenzüge derPortugiesen nach Afrika und Asien, unter dem durch diese Wundcrthaten hervorgcrufenenbegeisternden Aufschwünge des neuauflcbenden Nationalbcwußtseins; sie ist auch in der Thalmehr ein episches Nationalgemälde des portug. Heldenthums, als ein zur Feier eines ein-zigen Helden, einer vereinzelten Großthat gesungenes Gedicht, und die Unternehmung Vascoda Gama's bildet nur das Haupt- oder Mittelstück in dieser Heldcngalerie, an welchesder Dichter die Großthaten und merkwürdigen Schicksale der übrigen Lusiaden angerciht,deren Schilderungen man daher, schon dem Titel gemäß, nicht blos für Episoden anzusehenhat. Am berühmtesten sind von diesen Gemälden, fälschlich Episoden genannt, das des tra-gischen Schicksals der Ines de Castro und die Erscheinung Adamastor's, der, kraft seinerHerrschaft über die Stürme, Gama's Reise aufhalten will, als er im Begriff ist, das Cap zuumschiffen. Im damaligen Zeitgeschmack verband C. in seinem Gedichte, daß durchweg vonder Nachahmung der Werke des elastischen Alterthums zsugt, die Erzählungen der portug.Geschichte mit dem Glanze der Dichtkunst und das Christcnthum mit den Fabeln der Mytho-logie. Die Versification derLusiaden" hat etwas überaus Reizendes. Das allgemeine In-teresse des Gedichts besteht vorzüglich in dem patriotischen Gefühle, von welchem cs durch-drungen ist. Der Nationalruhm der Portugiesen erscheint hier in allen Formen, welche dieErfindung ihm leihen kann. Nachdem C-, der das unpoetische, aber, wie cs scheint, ziemlicheinträgliche Amt einesOberverwalters der Gelder der Verstorbenen zu Macao erhalten, dabeiso viel erspart hatte, daß er sich dadurch für seine Zukunft gegen Mangel gesichert hielt, warder endlich 1561 aus seiner Verbannung zurückgerufen. An der Mündung des Flusses Meconin Cochin-China litt er aber Schiffbruch und verlor, wie er selbst erzählt, die erworbene Hoff-nung, nichts als nur das nackte Leben und sein durchnäßtes Gedicht auf einem Brcte wie durchein Wunder rettend. In Goa hatte er neue Verfolgungen zu erdulden; wegen Schuldenward er ins Gefängniß gesetzt, und nur nachdem einige Freunde sich für ihn verbürgt hatten,durfte er sich 1569 einschiffen, um nach Lissabon zurückzukehren. König Sebastian, kaumder Kindheit entwachsen, gewann E. lieb. Er nahm die Zueignung seinerOs Imsiackas"(Lissab. 1572, 4.) wohl auf; allein Alles, was er ihm gewährte, war ein Jahrgehalt von15000 Reis, etwa 25 Thlr., und die Erlaubniß, sich an seinem Hofe aufzuhalten. NachSebastian's wahrscheinlichem Tode im I. 1578 in der Schlacht von Alcaser verlor C. auchdiesen geringen Jahrgehalt und verfiel in so tiefe Armuth, daß ein Diener, den er aus Indienmit sich genommen hatte, durch Betteln seinen Herrn vor dem Hungertode zu bewahrensuchte. Aus jener Zeit stammen mehre lyrische Gedichte, welche zum Theil die rührendstenKlagen enthalten. C. starb endlich in einem Hospital zu Lissabon im I. 1579, und nur mitMühe konnte man 16 Jahre später sein Grab auffinden, um durch ein prächtiges Denkmalden Dichter zu ehren. Außer denLusiaden" schrieb er Sonette, Canzonen, Scstinen, Oden,Elegien, Eklogen, Stanzen, Redondilicn, Epigramme, Satiren, Briefe und drei Komödien,Amphitruo" nach Plautus,König Scleucus" undLiebe des Philodem". Die neuesteConv.-Lex. Neunte Aufl. 111. 10