Camillus 143
Abgeordneten am Reichstage zu Augsburg ernannt. Mit Melanchthon nahm er großenAnthcil an den dortigen Verhandlungen und unterstützte denselben bei seinen Arbeiten. VierJahre nachher wählte ihn der nürnberger Senat zum Secrctair, welches ehrenvolle Amt erjedoch ablchnte, im folgenden folgte er dem Rufe des Herzogs Ulrich von Würtemberg andie Universität zu Tübingen, und hier schrieb C. seine „Elemente der Rhetorik". Im 1.1541übertrugen ihm die Herzoge Heinrich und Moritz von Sachsen die neue Organisation derUniversität zu Leipzig, deren Statuten er gemeinschaftlich mit Kasp. Börner verfaßte. Jm J.1555 ging er aufs neue als Abgeordneter zum Reichstage nach Augsburg, von da mit Me-lanchthon nach Nürnberg und 1556 mit demselben auf deüReichstag zu Regensburg. VomKaiser Maximilian II., der ihn 1569 nach Wien berief, um sich über verschiedene kirchlicheAngelegenheiten mit ihm zu bcrathen, wurde er mit großer Aufmerksamkeit behandelt undreich beschenkt. In Leipzig starb er am 17. Apr. 1574. Er war von Natur ernst und ein-sylbig. Der Umfang seiner Kenntnisse, seine gemäßigten Grundsätze, die Kraft seines Cha-rakters und seine sanfte, überzeugende Bcrcdtsamkeit erwarben ihm die Achtung aller Zeit-genossen. Die Zahl seiner Schriften ist sehr groß. Nächst den Biographien des EobanusHcssus und des Herzogs Georg von Anhalt, sind vorzüglich die Biographie Melanchthon's(neueste Ausg. von Strobel, Halle 1777) und die Sammlung derMelanchkhon'schenBriefe(Lpz. 1569) zu erwähnen. Noch immer sind auch seine „Ommentarü linguae grsee. et lat."(Bas. 15 51, Fol.) nicht ohne Werth. Nach seinem Tode erschienen seine „Lpistolae familiäres"(3Bde., Franks. >583—95), welche interessante Beiträge zur Zeitgeschichte geben.— SeinSohn, IoachimC-, einer der gelehrtesten Arzte und Botaniker seiner Zeit, geb. zu Nürnbergam 5. Nov. 1534, studirte zu Wittenberg, Leipzig und Breslau Medicin und bereiste dannItalien, wo er die berühmtesten Professoren hörte und zu Bologna promovirte. Seit 1564prakticirte er in Nürnberg, wo er den Magistrat vermochte, eine mcdicinische Lehranstalt zustiften, deren Dccan er bis an seinen Tod war. Vor Allem liebte er die Botanik, weshalb ersich auch einen botanischen Garten anlegte. Beim Sammeln von Materialien zu mehrengroßen botanischen Werken, die er vorbereitete, sparte er weder Mühe noch Kosten. So kaufteer unter Anderm von Kasp. Wolf in Zürich die kostbare botanische Bibliothek und die Hand-schriften Konr. Gesner's für 150 Gulden. Darunter befand sich auch eine Sammlung von1500 in Holz geschnittenen Pflanzen, welche er zum Theil bei der Herausgabe des „LpitomeUlMtliioli <Ie pl-mtis etc." (Franks. 1586; deutsch von Handsch unter dem Titel „Kräuterbuch",Franks. 1586) benutzte. Von seinen übrigen Werken nennen wir „De re rnsticn opusculanonnulla" (Nürnb. 1577), den Katalog der Pflanzen seines Gartens unter dem Titel „8or-tas meäicus et;»l>ilosoj>kicus" (Franks. 1588, 4.) und „8)'ml,o!»rum ei emblemstum ex reIierbsris desumtormn centurio una" (Nürnb. 1590—97, 4.). Er starb zu Nürnberg 1598.
Camillus (Marcus Furius), aus einem röm. Patriciergeschlechte, wurde 403 v.Chr.zum ersten Mal zum Kriegstribun mit consularischer Gewalt erwählt. Im zehnten Jahredes letzten Kriegs gegen Veji eroberte er als Dictator diese mächtige etruskische Stadt (396),indem er durch einen Minengang seine Soldaten in die Burg einbrcchcn ließ. Durch die stolzePracht seines Triumphs erregte er den Unwillen des Volks, der sich steigerte, als er von denBürgern den zehnten Theil der Beute zurückfoderte, um ein dem delphischen Apollon für denzu verleihenden Sieg gethancs Gelübde zu lösen. Dessenungeachtet ward er 394 wieder zumvierten Mal zum Kricgstribun ernannt. Er belagerte Falerii, dessen Bewohner sich überaustapfer vertheidigten. Ein Schulmeister, wird erzählt, habe ihm die Kinder der vornehmstenderselben überliefert, C. aber habe den Verräther mit gebundenen Händen unter Nuthen-streichcn von den Knaben zurückführen lassen und durch diese Großmuth die Belagerten be-wogen, sich ihm zu ergeben. Ein Bündniß mit Falerii beendete den Krieg. Schon früherhatte sich C. dem Vorschläge, mit einem Theile der Bürger Roms Veji zu bevölkern, wider-setzt; er that es auch jetzt, als dieser Vorschlag erneuert wurde, und mehrte dadurch den Haßdes Volks gegen sich. Als der Volkstribun Lucius Apulejus ihn anklagte, einen Theil derBeute unterschlagen zu haben, verbannte er sich, weil er seine Verurtheilung voraussah, 391freiwillig, obgleich seine Freunde sich erboten, die ihm abgefoderte Summe zu bezahlen. Nach-dem Brennus (s. d.) Rom bis auf das Capitol erobert hatte, bot C. die Bewohner nach Ardca,wo er sich aushielt, auf und schlug die vor Ardea sorglos gelagerten Gallier. IS. Gallien.)