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sichtbares Bild der äußern Gegenstände hervorbringen. Bei dieser zweiten Einrichtung istdas Bild freilich viel weniger hell und schön als bei der ersten, es kann aber dadurch Hellerund schärfer gemacht werden, daß man statt des matkgcschliffenen Glases eine große convexeGlaslinse anbringt, auf welcher das Bild zum Vorschein kommt, und nur diese Einrichtungverdient eigentlich den Namen einer (lsmora clsrs. In diesen» Falle ist nicht einmal Sonnen-schein nothwendig, da die Bilder auch bei trübem Wetter entstehen. Ähnlich ist die 6smeraobscura im daguerrotypischen Apparat eingerichtet; auch hier erscheint das Bild auf ei-nem mattgeschliffenen Glase, das aber eine verticale Stellung hat, weshalb der das Bildaufwärts reflectirende Spiegel wegfällt. Ein großer Übelstand der 6smera clara bestehtdarin, daß die Bilder gleich Spiegelbildern Dasjenige rechts zeigen, was in der Wirklichkeitlinks ist, und umgekehrt; in der neuerdings von dem Baron Ernst von Leyser erfundenenziemlich complicirten Einrichtung der Osmera clara, von ihm Oamera dar» dioptrica ge-nannt, ist derselbe vermieden, freilich nur durch einen großen Aufwand von Gläsern; auchhier erscheint das Bild auf einer vertikalen mattgeschliffenen Elastafel. In allen diesenFällen kann die Camera obscura theils zur Unterhaltung theils zum Zeichnen von Land-schaften u. s. w. dienen und ist in letzterer Hinsicht bei compendiöser Einrichtung namentlichfür Reisende von großem Werthe, für Künstler aber besonders deshalb, weil sie ihnen dieschönsten Vorbilder für das Colorit der Landschaften liefert. — Ein gleichfalls brauchbaresHülfsmittel, durch welches die Osmera obscnra für den Gebrauch beim Landschaftszeichncnwenigstens in England auf längere Zeit fast verdrängt worden ist, bietet die l 809 von Wol-laston erfundene (lamers. lncids, (was gleichfalls Helle Kammer bedeutet) dar, welche auskeinem eingeschloffencn Raume besteht, daher auch sehr uneigentlich eine 6smera heißt, son-dern aus einem kleinen, vierseitigen Glasprisma, dessen Winkel »ach der Reihe 90 °, 68 °
134 ° und 68 ° betragen. Hält man dasselbe so, daß von den beiden einen rechten Winkel mit-einander bildenden Flächen die eine oben ist und eine horizontale Lage hat, die andere aberden»bzubildenden Gegenständen zugekehrt ist, und sieht senkrecht hinunter auf die erstere, indemman das Auge derselben sehr nahe hält, so erblickt man die Bilder der Gegenstände auf einerunter dem Prisma befindlichen Tafel, zugleich aber auch, neben dem Prisma vorbeisehend,die letztere selbst, sodaß man jene mit einem Bleistift nachzeichnen kann. Kurzsichtige müssensich dabei eines concaven, Fernsichtige eines convexen Glases bedienen, das am Prisma an-gebracht ist. Mittels einer Fassung ist das Prisma an einem horizontalen Arm fcstgemacht,der von einer kleinen vcrticalen Säule ausgeht; eine Schraubenzwinge dient, um das In-strument an den Tisch anzuschrauben. Auch bei Mikroskopen und Fernröhren, die aber danneine horizontale Lage erhalten müssen, läßt sich die Oumera lucida anbringen, um vergrößerteGegenstände darzusicllen. Zn Deutschland ist sie, hauptsächlich weil ihr Gebrauch nicht ebenleicht ist, viel Übung erfordert, die Äugen sehr angreift und sie nur einen kleinen Theil desGegenstandes ins Sehfeld bringt, wenig zur Anwendung gekommen und jetzt fast vergessen.Die ähnlichen, von Amici in Modena 1816 vorgeschlagenen Vorrichtungen, aus einer miteinem Prisma oder einem Spiegel verbundenen durchsichtigen Glastafel bestehend, scheinennur an wenigen Orten Eingang und Beifall gefunden zu haben.
Camerarins (Joachim), eigentlich Liebhard, welchen Namen er, weil seine Vor-fahren am Hofe des Bischofs von Bamberg Kämmerer gewesen waren, in Camerarius ver-wandelte, ist einer der größten Literatoren und Polyhistoren Deutschlands, der zu den Fort-schritten der Künste und Wissenschaften im 16. Jahrh. ungemein viel beitrug, theils durchdie Ausgaben, Übersetzungen und Commentare vieler griech. und lat. Autoren, theils durcheigene Werke, von denen die meisten lange für klassisch galten und noch immer geschätzt sind,theils endlich dadurch, daß er denÜniversitätcn zu Leipzig und Tübingen und dem Gymnasiumzu Nürnberg eine neue Gestalt gab. Geboren zu Bamberg am 12 . Apr. 1500 , ward er1515 von seinem Vater nach Leipzig gebracht, wo er namentlich alte Literatur und griech.Sprache studirte. Im 1.1518 ging er nach Erfurt und 1521 nach Wittenberg, wo vor-züglich Melanchthon ihn seiner Freundschaft würdigte. Durch seine Bemerkungen überCicero's „tzuaestiones tu8culanse" ( 1525 ) kam er mit Erasmus in Briefwechsel. Nachdemer noch in demselben Jahre Wittenberg verlassen und Preußen durchreist hatte, wurde er 1526zu Nürnberg als Lehrer der klassischen Sprachen angestellt und 1530 von dem Senat zun«