Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
136
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136 Cambon

Prairi'al des Z. VIl wurde er auf Bitten SieycS' Justizminister und bald darauf, nach derRevolution vom 18. Brumaire, ernannte ihn Bonaparte zum zweiten Consul. Von dieserZeit an diente er Bonaparte mit unerschütterlicher Treue. Während des Consulats beschäf-tigte er sich vorzüglich mit der Einrichtung der Rechtspflege. Nach der Thronbesteigungwurde er von dem Kaiser zum Erzkanzler des Reichs erhoben und nahm als solcher an allenRegierungsmaßregcln, besonders an der inner» Verwaltung, den regsten Theil; die mei-sten Senatconsulte, die unter Napoleon erlassen wurden, sind von C. entworfen. Jm J.1808 erhob ihn Napoleon zum Herzog von Parma. Den Krieg gegen Rußland suchte erdem Kaiser auszureden, der aber diesmal den Rath seines Freundes nicht beachtete. AlsNapoleon 18 l3 gegen die Verbündeten zu Felde zog, mußte C. die Präsidentschaft des Re-gcntschaftsraths übernehmen, und als solcher folgte er 1814 der Kaiserin nach Blois. Vonhier schickte er seine Zustimmung zur Absetzung des Kaisers ein. Während der Hundert Tageübernahm er auf dringendes Bitten Napoleon's das Justizministerium und das Präsidiumder Pairskammer. Nach der zweiten Restauration kehrte er nach Paris zurück und lebte da-selbst äußerst eingczogen, bis er 1816 aus Ansichten der Royalisten als angeblicher Königs-mörder des Landes verwiesen wurde, worauf er in Brüssel und dann in Amsterdam eineZuflucht suchte. Im 1.1818 wurde er in seine bürgerlichen und politischen Rechte wieder-eingcseßt und lebte nun in der Zurückgezogenheit in Paris bis zu seinem Tode, der am 5.März 1824 erfolgte. C. ist einer der wenigen Revolutionsmänner, deren Wirksamkeit einedurchaus friedliche und gestaltende war; er hat das Verdienst, dem heutigen franz. RechteForm und Ausdruck gegeben zu haben. Nach seinem Charakter war er ein milder, redlicher,seinem Geiste nach ein gebildeter und scharfsichtiger Mann. Er soll Memoiren hinterlassenhaben, und ein nach seinem Tode mit der Negierung gepflogener Rechtsstreit um die Her-ausgabe derselben macht dies sehr wahrscheinlich.

CnMbon (Joseph), Mitglied des franz. Nationalconvents, gcb. 1754 zu Montpellier,stand daselbst dem väterlichen Handelsgeschäfte vor, als die Revolution ausbrach. Mit jenerdem südlichen Charakter eigenthümlichen Leidenschaftlichkeit gab er sich der politischen Be-wegung hin und proclamirte sogar nach der Flucht des Königs im Febr. 1701 unter seinenLandsleuten die Republik. Im Sept. wurde er als Abgeordneter in die Gesetzgebende Ver-sammlung gewählt, wo er seine demokratischen Grundsätze mit bisher ungewöhnlichem Eifergeltend machte. Der Gegenstand, dem er von Anfang bis zu Ende seiner politischen Lauf-bahn sein großes Talent und seine Thätigkeit zuwandtc, waren die Finanzen. Den Giron-disten gegenüber, beantragte er, daß die Geistlichen, die Offiziere, selbst die Minister zuStaatsdienern erklärt und verpflichtet und aus der Staatskasse besoldet werden sollten; auchsetzte er, nachdem >702 Bazirc die Consiscation der Güter der Emigranten vorgcschlagcn,das Decret durch, nach welchem diese Güter vom Staate sequestrirt wurden. Bald zeigte erjedoch eine weniger radicale Politik. Als im Aug. 1792 eine pariser Scction an den Schran-ken der Versammlung die Erklärung abgab, daß sie Ludwig XVI. nicht mehr als König an-erkenne, erhob er sich gegen diese Demonstration der Jakobiner, bewirkte eine Adresse ansVolk, in welcher das Gefährliche dieses Schritts auscinandergejctzt war, und traf auch in denTagen des 10. Aug. Anstalten, um das Leben des unglücklichen Monarchen sicherzustellen.Als Präsident der Versammlung legte er übrigens alle Actenstücke vor, welche die Schulddes Königs darthun konnten, und setzte die Exministcr Narbonne, Lajard und Grave in An-klagestand. Mit der Eröffnung des Convents, dessen Mitglied er wurde, entwickelte er eineaußerordentliche Thätigkeit. Er denuncirte die Ausschweifungen der pariser Gemeinde unddie aufrührerischen Blätter Marat's und ward das Schrecken der betrügerischen Zahlmeisterund Commiffare bei den Armeen, deren mehre er in Anklage versetzte; auch mußte nachseinem Vorschläge eine gesetzliche Verwaltung der eroberten Provinzen eingerichtet werden.Obschon er für den Tod des Königs ohne Aufschub und Appellation stimmte, widersetzte ersich doch der Errichtung des Nevolutionstribunals als einer Anstalt gegen die Freiheit derBürger. Im Apr. 1793 trat er in den Wohlfahrtsausschuß; hier machte er seinen ganzenEinfluß gegen die Excessc der pariser Sectioncn geltend und vertheidigte in der Sitzung vom>9. Mai die Girondisten mit eigener Aufopferung, deren Fall er für ein Nationalunglückhielt. Als Mitglied des Finanzausschusses zeigte er außerordentliche Einsicht, Rechtschaffen-