Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

Camarilla CambacrreL 136

berg bei Perugia, zu Turin, zu Grosbois bei Paris und zu Murano im Venetianischcn-Zwölf andere Klöster der Camaldulenscrinnen standen unmittelbar unter den Bischöfen ihrerSprengel. Die weiße Kleidung und die verschärfte Benedictinerregel hatten alle Brüder-schaften miteinander gemein, die Einsiedler trugen überdies noch Bärte und waren strengerim Fasten, Schweigen, Geißeln und andern Bußübungen. Der Orden erlosch in Ostreichunter Joseph ll., in Frankreich während der Revolution, in Polen und selbst in Italien unterdem Einflüsse der Franzosen; nur zu Camaldoli erhielt sich ein Stamm desselben, nach dessenBeispiele 1822 im Neapolitanischen einige Einsiedeleien wiedcrhergestellt wurden.

Camarilla, ein ursprünglich span. Wort, welches so viel als kleines Gemach oderCabinet bedeutet, bezeichnet gegenwärtig in der politischen Sprache den Einfluß geheimerund unberufener Nathgeber aus den Gang der Ncgierungs- und Staatsangelegenheiten.Nach der Rückkehr Ferdinand's VH. nach Spanien im 1.1814 scharten sich nämlich umdiesen Monarchen, theils um ihr Interesse, theils um ihre Vorurtheile geltend zu machen,eine Menge Schmeichler und Ohrenbläser, welche die gesetzlichen Beamten verdächrigen undden Fürsten an seinem gegebenen Versprechen, im Verein mit den Cortes dem Lande eineangemessene Constitution zu verleihen, wortbrüchig zu machen suchten. Man nannte diesegefährlichen Rathgeber die Camarilla, entweder weil dieselben ihr Werk in den innen: Gemächern des Königs betrieben, oder auch, weil man sie damit im Vergleich zur Lawera ckeLastilla, wie früher der span. Rath genannt wurde, verspotten wollte. Der Einfluß derCamarilla stieg in Spanien, bis 1820 die ausbrechendc Revolution ihrer Thätigkcit aufkurze Zeit Grenzen setzte. Dafür traten aber auch seit 1823 ihre Bestrebungen um so hef-tiger und offener hervor. Die Geschichte liefert übrigens hinlänglichen Beweis, daß es zukeiner Zeit an einer Camarilla gefehlt habe; denn in Staaten, die eines festen öffentlichenRechts entbehren, werden Günstlinge, sie mögen nun im Hofkleide, Weiberrocke, Priester-gcwande, oder in der Livree auftreten, immer Gelegenheit finden, auf den unumschränktenWillen eines schwachen Fürsten schädlichen und unrechtmäßigen Einfluß zu gewinnen.

Cambaceres (Jean Jacq. Negis), Herzog von Parma und Erzkanzler des franz.Reichs unter Napoleon, geb. zu Montpellier am 18. Oct. 1753, stammte aus einer altenJuristenfamilic und sollte 1771 in eins der Parlamente treten, als dies die zeitweilige Aus-hebung derselben vereitelte. Dafür trat er nun zu Montpellier als Steuerrath in die Stelleseines Vaters. Beim Ausbruche der Revolution übernahm er mehre Verwaltungspostcu,bis er 1701 Präsident des Criminalgerichts zu Montpellier wurde und als solcher das Ge-schworenengericht im Departement Herault einrichtete. Hierauf in den Nationalconvent bcrufen, hatte er hier als Mitglied der Gesetzcommission einen bedeutenden Einfluß auf dieGesetzentwürfe. Übrigens benahm er sich sehr gemäßigt; er sprach dem Convente das Rechtab, den König zu richten, beantragte den Aufschub seiner Hinrichtung und wirkte für densel-ben die Erlaubnis aus, mit seiner Familie und seinen Vertheidigern zu verkehren. ImMärz 1793 beantragte er mit die Errichtung des Wohlfahrtsausschusses und klagte als Mit-glied desselben den General Dumouricz des Hochverrats an. Auch war er Mitglied derCommission für den Entwurf eines neuen Civilgesetzbuchs, das im Aug. 1793 vvrgelcgtwurde und ihn größtentheils zum Verfasser haben soll. Bald darauf erhielt er den Antrag,in Gemeinschaft mit Merlin von Douai alle Gesetze zu revidiren und zu codificiren. Nach derRevolution vom 9. Thermidor, an der er keinen Anthcil hatte, bestimmte er den Convent,einen mit den gesellschaftlichen Interessen übereinstimmenden Gang zu nehmen, und erlangtedadurch einen so großen Einfluß, daß er zum Präsidenten des Convents sowie später desWohlfahrtsausschusses gewählt wurde. In letzterer Eigenschaft förderte er wesentlich denFrieden mit Preußen und Spanien; doch erregte er auch, da er seinem Anne gemäß gleichsam als das Haupt der Negierung auftrat, den Argwohn, als wolle er eine Dictatur oder dieMonarchie Herstellen. Durch fortgesetzte Verdächtigung brachten cs seine Gegner dahin, daßer von: Präsidium entfernt wurde. Er widmete sich nun wieder mehr der Gesetzgebung undlegte dem Rathe der Fünfhundert den schon früher verfaßten Entwurf des Civilcodcr vor,der die Grundlage desLocke ldlapoleou" bildet. Im Oct. 1796 wurde er Präsident desRaths der Fünfhundert; doch auf Veranlassung des Direktoriums mußte er austreten undzu seinen Rechtsgeschäften zurückkehren. Nach der Veränderung des Direktoriums am 30.