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Wein, und der Werth seines gesammten Nachlasses an Büchern, Möbeln u. s. w. etwa 125Thlr. Sein Charakter war unduldsam; er ertrug keinen Widerspruch. „Ich habe", schrieber an Bucer, „keine härtern Kämpfe gegen meine Fehler, die groß und zahlreich sind, alsdiejenigen, in denen ich meine Ungeduld zu besiegen suche. Dieses reißenden Thier- bin ichnoch nicht Herr worden." Auch ist der Ton seiner Streitschriften fast immer hart und mitBitterkeit gemischt. Es gelingt ihm nicht immer, das Gefühl, das er von seiner Überlegenheithat, zu verbergen. Als Thcolog stand er über den Meisten seiner Zeitgenossen an tiefenKenntnissen, Scharfsinn und, wie er sich Dessen auch rühmt, in der Kunst, einen Gegenstandzu entwickeln; als Schriftsteller verdient er großes Lob. Seine lat. Schriften sind mit vielMethode, Würde und Correctheit geschrieben. Aber alle diese ausgezeichneten Eigenschaftenwürden nicht hingereicht haben, ihn zum Oberhaupt einer besondern Religionspartei zu ma.chen, wenn er nicht zugleich eine außerordentliche Kraft der Rede, jenen ersten, durchgreifen-den, römerartigen Charakter und jenes Talent zu organisiren besessen hätte. Wiewol C. inwesentlichen Punkten von Luther abwich, so wurden doch seine Anhänger von den Luthera-nern nicht unterschieden und in den Edicten Franz's I. und Heinrich's II. und selbst in demEdicte von Rouen im 1.1559 mit diesem Namen bezeichnet. Sie selbst betrachteten zwarC. als ihr Haupt, aber ohne sich darum für verschieden von den Anhängern Luther's zu hal-ten. Diese förmliche Absonderung geschah erst nach dem Religionsgespräch vonPoissy imJ.1561, wo sie außer einigen andern hauptsächlich den zehnten Artikel der Augsburgischen Con-fession ausdrücklich verwarfen und den Namen Calvin isten annahmen. Vgl. PaulHenry, „Das Leben Joh. C.'s, des großen Reformators" (2 Bde., Hamb. 1835—38).
Calvtsius (Sethus), gleich ausgezeichnet als Chronolog und Musiker, war der Sohneines armen Tagelöhners, Zak. Kallwitz, zu Gorschleben in Thüringen, geb. am2I.Febr.1556. Er besuchte zuerst die Schulen zu Frankenhausen und Magdeburg, später die Universi-täten zu Helmstedt und Leipzig. Zn der letztem Stadt wurde er 158» kurz nach seiner An-kunft Musikdirektor an der Paulinerkirche. Im Nov. 1582 kam er als Cantor nach Schul-pforte, 15 94 aber als Cantor an die Thomasschule in Leipzig, welches Amt er einer ihmgleichzeitig angetragenen Professur in Frankfurt an der Oder vorzog, sowie er auch alle spä-ter» Berufungen, namentlich im1.1611 die auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Uni-versität zu Wittenberg, ablehnte. Er starb zu Leipzig am 24. Nov. 1615. Sein berühm-testes Werk ist sein „Opus cbronologicum" (Lpz. 1605, 4., neue Aust., Franks. 1650 und1685, Fol.), die Frucht zwanzigjähriger Forschungen, das lange Zeit bei chronologischen Un-tersuchungen als Norm und Richtschnur gebraucht, von den berühmten Chronologen Scaliger,Casaubonus und Petavius sehr hoch geschätzt wurde und noch jetzt von Wichtigkeit ist. Vonseinen musikalischen Werken sind namentlich mehre in gutem Latein geschriebene theoretischeSchriften zu bemerken; außerdem hat er viele Motetten, Hymnen, Psalmen u. s. w. componirt.
Camaieu oder Camay eu, entstanden aus Oainueus oder der alten Be-
nennung des Sardonyx, nennt man ein Gemälde, welches in Einer Farbe ausgeführt ist;häufig als Darstellung einer Reliefsculptur. Die grau in grau gemalten Camäieus heißenGrisaillen. Auch benennt man so zuweilen die Holzschnittdruckc, welche die Nachahmungeines Gemäldes der Art enthalten und bei den Italienern mit dem Namen Okiaroscuro be-zeichnet werden. Die Franzosen gebrauchen manchmal Camaieu auch für Camee. Zm wei-tern Sinne bezeichnet Camaieu ein eintönig schlechtes Bild.
Camaldulenser, ein vom heil. Romuald, einem Benedictincr aus dem Geschlecht«der Herzoge von Ravenna, im Thale Camaldoli bci Arezzo in den Apenninen um 1018gestifteter und I0?2 vom Papst Alexander III. bestätigter Orden, verbreitete sich zuerst inItalien und von da aus auch in Frankreich, Deutschland und Polen. Anfangs blos zumEinsiedlerleben in abgesonderten Klausen bestimmt, ging dieser Orden bei zunehmendemNeichthum und Anwachs zum gesellschaftlichen Klosterlcben überund theilte sich in Einsiedler,Observanten und Conventualen, welche zwar 1513 zu einem Ganzen vereinigt, dem Vor-steher des Stammsitzes Camaldoli untergeben und durch Ausstößen der ausgearteten Con-ventualen gereinigt wurden, aber durch das Streben nach Unabhängigkeit sich allmälig wiedertrennten. Zm 18. Zahrh. bestanden fünf voneinander ganz unabhängige, unter eigenenGeneralen (majores) stehendr Brüderschaften der Camaldulenser zu Camaldoli, zu Kronen-