löst Calorimclcr Calov
den Handel Frankreichs, bis er zum Schluffe mit der Eröffnung hervortrat, daß daS jährlich«Deficit zu einer Höhe von l 15 Mill. angewachscn sei, und daß die Regierung von 1776—86 ungefähr 125V Mill. geborgt habe. Die Notablen gingen nicht auf die Mittel undPlane ein, die er zur Reorganisation der Finanzen vorschlug, sondern sie fodertcn von ihmRechenschaft. Unter Angriffen, die man von allen Seiten auf ihn richtete, gab er an, daßdas Deficit bis in die Zeit des Abbe Tcrray zurück datire, wo es damals -10 Mill. betragen,daß Necker 40 andere hinzugefügt und daß er selbst nicht umhin gekonnt habe, es noch um35 Mill. zu erhöhen. Es entstand hierauf ein Kampf zwischen Necker und C., in welchemder Erstcre bewies, daß während seiner Verwaltung die Einnahme des Staats die Ausgabeum 10 Mill. überstiegen hätte, und obwol er hierbei die Kosten für den amerik. Krieg vergaß,so stimmte ihm doch die Versammlung bei, nur um C. zu stürzen. Auch der Hof, für den ereigentlich zum Märtyrer wurde, ließ ihn nun fallen. Nichtsdestoweniger hielt er sich nocheinige Zeit, bis der von den Notablen gedrängte König ihn entlassen, seine Würden abnehmenund nach Lothringen verbannen mußte. C. ging nach England und eröffnet! von hier eineFehde mit Necker, in der er viel Geist und Gewandtheit zeigte; aber die Schuld einer üblenVerwaltung konnte er nicht von sich abwälzen. Als sich 1789 die Gencralstaaten versam-melten, begab er sich nach Flandern, in der Absicht, dort gewählt zu werden, was aber nichtgeschah. Um sich dafür zu rächen, trat er in einigen Schriften gegen die Revolution auf,dann ging er nach Deutschland, wo er bei den cmigrirten Prinzen viel Thätigkeit entwickelte,deren Planen er sogar das große Vermögen seiner Frau opferte, die er in England geheirathcthatte. Als die Bourbons durch die Kriegsereigniffe jede Aussicht auf den Thron verlorenhatten, kehrte er nach England zurück, wo er wieder mehre politische Broschüren erscheinenließ. Da er indeß sah, daß ihn die Partei, der er mit so viel Eifer gedient hatte, undankbarerWeise fallen ließ, so hielt er 1802 um die Erlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich an, die ihmauch Bonaparte bewilligte. Allein schon am 30. Oct. 1802 starb er in sehr bedrängter Lage.Die vielen Schriften, die von C. gegen die Anschuldigungen seiner Gegner über den ZustandFrankreichs und seiner Finanzen erschienen, sind mit Eleganz geschrieben und zeigen, daß erin der That viel Fähigkeiten besaß; doch nur das „Dablean cks I'Lmopo en nvvemdre1795", das ihn den Bourbons verhaßt machte, hat ein allgemeineres Interesse.
Caloriineter, s. Wärmemesser.
Calottisten oder I-e regiment »Io la calotte nannte sich zur Zeit Ludwig's XI V. einVerein von Witzbolden und Spöttern, an dessen Spitze der Gardeoffizicr Torsac und derGardeobrist Aimon standen. Die Organisation des Vereins war ganz »ülitairisch. SeinenNamen hatte er entlehnt von dem Worte Calotte, das eine Kappe bedeutet, deren sich früherdie Mönche bedienten, um die Tonsur zu schützen, und überhaupt Diejenigen, welche ihrenKopf gegen widrige Einflüsse schützen zu müssen glaubten. Wer irgend einen dummen oderlächerlichen Streich begangen, dem wurde von dem Vereine das Patent zugeschickt, in wel-chem ihm das Tragen einer solchen Calotte für seinen angeblich schwachen Kopf zugestandcnwurde. Es war dies gewissermaßen eine Ccnsur, die oft sehr verletzte, über die man sich aberdoch nicht empfindlich zeigen konnte. Die Calottisten führten cm mit allen Zeichen des Nar-renthums verziertes Wappen, mit der Devise 6'est re'gnor c>no »Io savoir rire ! Da sich dieseSpötter allmälig furchtbar machten, ihren Orden an die höchsten Personen des Hofs, sogaran auswärtige Fürsten schickten und selbst den König mit ihrem Spotte nicht verschonten, sowurden sie endlich unter dem Minister Flcury aufgehoben. Vgl. „Nemoires ;>nur sorvir ül'bistoiro »le la calotte" (Bas. 1725), eine kleine Schrift, die durch ihren geistreichen undsatirischen JnhaltAufsehcn machte. Während der Restauration bezeichnet! man mit lleZime»Io la calotte die Pricsterwirthschaft.
Calov (Abr.), ein gelehrter Theolog, aber ungestümer Kämpfer für den Buchstabendes Lutherthums, wurde am 16. Apr. 1612 zu Mohrungen in Preußen geboren. Nachvollendeten Üniversitätsstudien habilitirte er sich 1637 zu Königsberg, ging dann 1613 alsRector und Prediger nach Danzig und von da 1650 als Gcncralsuperintendcnt und Pro-fessor nach Wittenberg, wo er am 25. Febr. 1686 starb. Namentlich seit dem Religions-gesprächc zu Thorn im I. l645, an welchem er zugleich mit Ca lixtus (s. d.) Theil nahm,entbrannte sein orthodoxer Zorn gegen diesen und dessen Anhänger. Für die Unionsbcstre-