Calonne 129
keil grenzende Strenge bei Bestrafung der Theilnehmer sich den Anschein zu geben, als ob erihren Umtrieben gänzlich fremd sei. Als im Sept. >832 König Ferdinand VII. in La Granjaeinem so heftigen Anfalle von Gicht unterlag, daß der Leibarzt Castello ihn für todt erklärte, warC. der Erste, welcher den Jnfanten Don Carlos als König begrüßte. Da aber der Königsich wieder erholte, sogalt es nun, einen entscheidenden Schritt zu thun, und in der Thal gelanges den Anhängern des Don Carlos, den körper- und geistesschwachen König zu überreden,daß er das von C. abgefaßte Decret, welches die von ihm im I. 1830 verfügte Aushebungdes salischcn Gesetzes annullirte, am 3l. Dcc. >832 Unterzeichnete. Von jetzt an verfiel Cdem allgemeinen Hasse des Volks, und als Ferdinand VII. nachher die Umänderung seinesTestaments für erschlichen erklärte, wurde er gleich den übrigen Ministern entlassen und aufseine Besitzungen nach Aragonien verbannt. Drei Monate später sollte er sogar verhaftetwerden, doch zeitig genug davon unterrichtet, gelang es ihm, verkleidet nach Frankreich zuentkommen. Hier lebte er anfangs zu Orleans ein einsiedlerisches Leben, dann zu Toulouse,wo er im I. >84 2 starb, jedoch nicht mehr als Mill. Francs in baarem Gelbe hinterließ,sodaß man anneymcn mußte, daß das ungeheure Vermögen, welches er in Spanien sich er-worben, dort zurückgeblieben sei.
Calonne (Charl. Alexandre de), Generalcontrolcur der Finanzen unter Ludwig XVI.,wurde am 20. Jan. >734 zu Douai geboren, wo sein Vater erster Präsident des Parlamentswar. Sehr unterrichtet und überdies talentvoll widmete er sich der Rechtspflege, wurdeGeneraladvocat am Gerichtshöfe zu Artois, dann Generalprocurator beim Parlamente zuDouai und hierauf Requetenmeister, welches Amt ihm den Eintritt ins Ministerium er-öffncte. Als der den Jesuiten ergebene Gouverneur in der Bretagne, der Herzog von Aiguillon,den Generalprocurator Chalotais (s. d.), der sich ebenso freimüthig gegen die Jesuitenwie gegen die gewaltsamen Steuermaßregeln des Hofs aussprach, zu stürzen beabsichtigte,liep sich C., ehrgeizig wie er war, dazu gebrauchen, die Verhaftung des Ehrenmannes einzn-leitcn, indem er vorgab, in einem untergeschobenen Pasquille gegen den König die HandschriftChalotais' zu erkennen. Durch diesen Handel dem Hofe bekannt geworden, wurde er, alsdie Nachfolger Nccker's, die Minister Fleury und Ormesson, ihre Ämter niederlegtcn, weilsie nicht im Stande waren, die zerrütteten Finanzen zu ordnen, im I. >783 unter den: Ein-flüsse des Grafen Artois und des Ministers des Auswärtigen, Vcrgcnnes, zum Generalcon-troleur des Schatzes erhoben. Hatten sich früher die Hofleute über die strenge ÖkonomieTurgot's und Nccker's beklagt, so konnten sie jetzt die Gefälligkeit des neuen Ministers nichtgenug rühmen, denn dieser suchte Alles hervor, um dem Hofe zu gefallen. Er gab glänzendeFeste, bezahlte die Schulden des Grafen Artois, verschaffte der Königin reichlich Geld, ver-lieh seinen Schützlingen und Günstlingen Pensionen und Gratifikationen, bezahlte alle Rück-stände und kaufte sogar St.-Cloud und Rambouillet. Wenn sich der König zuweilen nachdem Zustande des Schatzes erkundigte und über die Hülfsquellen Ausschluß verlangte, soentwarf er das ansprechendste Gemälde Frankreichs. Er brüstete sich mit Planen, die dasDeficit der Finanzen völlig decken müßten, die er aber erst entdecken wolle, wenn die Zeitdazu da wäre. Die Mittel, deren er sich zur Erlangung des Geldes bediente, waren sehreinfach; er borgte, anticipirte, erließ Kanzleiedicte, prolongirte und erhöhte die Zuschuß-steuern, wie es vor ihm kein Anderer gcthan. Das Parlament machte zwar wegen des Er-scheinens solcher Edicte stets Gegenvorstellungen; doch der König befahl die Einregistrirung,und man mußte gehorchen. Als alle Mittel, Geld herbeizuschaffen, sich erschöpft und dasVolk durch übermäßige Steuern ganz ansgesogen war, trat er >786 mit dem Plan hervor,von dem er so oft gesprochen hatte, und der auf eine Versammlung der Notablen hinauslicf.Seine Absicht ging nämlich dahin, die Steuerprivilegien der Vornehmen und Neichen zuvernichten, die Frohnen und den Salzzoll aufzuheben, und eine gleichmäßige Verkeilungder Steuern zu erlangen. Obschon das Volk und der Adel die Zusammenberufung derGeneralstaaten statt der Notablen fodertcn, und namentlich der Adel im Verein mit denParlamenten den verschwenderischen und die privilegirte Classe bedrohenden Minister zustürzen gedachte, so cröffnctc er doch mit großer Zuversichtlichkeit am 2. Febr. >787 die Ver-sammlung der Notablen. Er pricS in einer leichten und blühenden Rede die Industrie undConv.-Lex. Neunte Aufl. >». 9