128 Calomarde
als Prior nach Lay, 1718 als Abt zu St.-Lcopold nach Nancy verseht und 1719 zum Visi»tator seiner Congregation erhoben. Endlich erhielt er 1728 die Abtei Scnoncs inLothringenund starb am 25. Oct. 1757 zu Paris. In seinen umfangreichen Werken erwarb er sichgroße Verdienste um die Wissenschaften, hauptsächlich durch fleißiges Zusammenstellen,Sichten und gemeinnütziges Verbreiten des früher Geleisteten. Sein „6ommentsire surtous les livres <1e I'ancien et clu nouveau testument" (23 Bde., Par. 1707—16, 4.) ent-wickelt den Wortverstand meist richtig, mit Vermeidung mystischer und allegorischer Er-klärungen und mit großer Unbefangenheit. Er enthält auch eigene Forschungen und schätzbareAbhandlungen zur biblischen Alterthumskunde, verräth aber Mangel an tieferer Kenntnisder orient. Sprachen. Sein „victionnaire Kistori^ue et critchue lls la bible" (4 Bde., Par.1722—28, Fol.), ein zu seiner Zeitsehr brauchbares biblisches Nealwörterbuch, wurde insEnglische, Holländische und Deutsche übersetzt, und wie der Commentar oft aufgelegt undauch von den Protestanten fleißig benutzt. Bloße Compilationen sind seine „üistvire samt«öle I'ancien et ei» nouveau testainent et tles juiss" (2 Bde., Par. 1718, 4. und öfter) undseine „Histvirs universelle sacree et profane" (17 Bde., Strasb. 1735 — 71, 4.). Alsselbständiger Forscher und Entdecker neuer Quellen bewährte er sich in der „llistoire sccle-siasticpie et civil« <le la 1-orraine" (4 Bde., Nancy 1728; 7 Bde., 1745—47, Fol.), demersten wohlgeordneten, wenn auch weitschweifigen Werke über die Geschichte Lothringens.Tief cindringende Kritik und Geschmack in der Darstellung geht allen seinen Werken ab.Sein Leben beschrieb sein Neffe Fauche (Par. 1763).
Calomarde (Don Francisco Tadeo, Graf), Minister Ferdinand's Vll.von Spanienvon 1823—32, wurde von ganz armen Altern zu Villel in der Provinz Teruel in Ara-gonicn 1775 geboren und mußte sich in der Schule zu Teruel auf die kümmerlichste Weisedurchhelfen. Als Lehrer in einer Familie in Saragossa fand er dann Gelegenheit, seineakademischen Studien daselbst zu machen, wo er auch nach deren Vollendung als Advocakauftrat und Doctor der Rechte wurde. Hochstrebendcn Sinnes ging er zu Anfänge diesesJahrhunderts nach Madrid, wo er durch die Verhcirathung mit der sehr häßlichen Nichteseines einflußreichen Landsmannes Lerga, welcher Leibarzt des Königs und des Friedens-sürsten war, eine Anstellung im Justizministerium bekam, was ihn aber nicht abhielt, dieselbeauf eine schmähliche Weise zu behandeln und bei der Verwirrung im I. 1808 gänzlich zuverlassen. Vor der franz. Gewaltherrschaft fliehend, ging er mit der Centraljunta vonAranjuez nach Sevilla und dann nach Cadiz, wo er zum obersten Beamten im Justizmini-sterium erhoben wurde. Als 1814 Ferdinand VII. nach Spanien zurückkam, war C. einerder Ersten, die nach Valencia eilten, um ihm als dem unbeschränkten Könige zu huldigen,und wurde dafür zum obersten Beamten der 8ecretsna general lle lolliss ernannt. Indieser Eigenschaft ließ er sich verleiten, für die Vergebung eines Bisthums in Amerika einebedeutende Geldsumme anzunehmcn, was für ihn die Verbannung nach Toledo, und da erohne Erlaubniß 1816 in Madrid sich wieder cinfand, nach Pamplona zur Folge hatte. Nachder Wiederherstellung der Constitution im I. 1820 versuchte er als Liberaler aufzutreten,doch traute man ihm nicht. Als aber 1823 die franz. Armee den unbeschränkten Thron inSpanien wiederherstellte, ernannte ihn der Herzog von Jnfantado zum Secretair der inMadrid niedergesetzten Regentschaft. Die neuen Minister des Königs erkannten sehr baldin ihm ein brauchbares Werkzeug für die beabsichtigte Neaction und ernannten ihn deshalbzum Secretair der „6üinara <1sl real patronato", einer sehr einflußreichen und einträglichenStelle. Nicht lange darauf beförderte ihn der König zum Justizministcr, was aber nichthinderte, daß er die vorerwähnte Stelle beibehielt. Er befand sich jetzt auf dem Gipfel desGlücks; die wichtigsten Staatsgeschäftc gingen durch seine Hände, der König schenkte ihmseine Gunst und Alles beugte sich vor ihm. Durch die geheime Police! übte er einen uner-meßlichen Einfluß; alle Liberale verfolgte er mit kalter Grausamkeit; durch dieBewaffnungder royalistischen Freiwilligen erwarb er sich fanatische Vertheidiger aller seiner Maßregeln;die Jesuiten wurden zurückgerufen, alle Klöster wiederhergestellt und die Universitäten ge-schloffen. Um auch bei der schon damals auftauchendcn Partei des Don Carlos sich derausschließenden Gewalt zu versichern, begünstigte er dieselbe im Geheimen; doch wußte erauf der andern Seite bei unzcitigen Unternehmungen dieser Partei durch eine an Grausam-