Calkoen
gen und hatten i» ihm hellere Ansichten und eine größere Duldsamkeit gegen Andersdenkendehervorgerufen, als die Engherzigkeit der Theologen seiner Zeit vertrugen mochte. Obgleichseine Abhandlungen über das Ansehen der heil. Schrift, die Transsubstantiation, die Priester-che, den päpstlichen Primat, das Abendmahl unter Einer Gestalt u. s. w., selbst nach demUrtheile gelehrter Katholiken, zu dem Gründlichsten und Treffendsten gehören, was bis dahinvon Protestanten gegen die Unterscheidungslehren der katholischen Kirche geschrieben wordenwar, so wurde er dennoch des Kryptopapismus angeklagt, weil seine Behauptungen nament-lich in der Schrift „Oe prascssuns religionis ciiristisnae cspitibus" (Helmst. 1613), derkatholischen Lehre günstig schienen; und daß er in dem „Lpitometlieologisc moralis" (Helmst.163-1; neue Aust., 1662, 1.) und in der Schrift „Du tolerant!» rekormatorum etc." (Helmst.1658; neue Aust., 1697,1.) den Neformirten in einigen Punkten sich näherte, wurde ihmvon den Anhängern des Buchstabens der Concordienformel als die ärgste Ketzerei ausgelegt.Vergebens bemühte er sich, seinen Anklägern zu beweisen, daß die ältesten christlichen Glau»bensbekenntnisft allen Rcligionsparteien gemein wären. Als er endlich in später» Disputa-tionen die Trinitätslchre im Alten Testamente weniger deutlich finden wollte als im NeuenTestamente, die Nothwendigkcit guter Werke zur Seligkeit anerkannte und 1615 bei demNeligionsgcsprächc zu Thorn, zu dem der reformirte Kurfürst von Brandenburg ihn alsFriedensvermittler sandte, mit den reformirten Theologen vertraulicher umging als mit denprotestantischen, ffo brach der Verdacht und Groll derselben wider ihn in den Streitigkeitenaus, die nach der ihm Schuld gegebenen Neligionsmengerei die synkretistischen heißen. (S.Synkretismus.) Die heftigsten unter seinen Gegnern, der Oberhofprediger Weller inDresden und die Professoren Hülsemann in Leipzig und Abr. Calo v (s. d.) in Wittenberg,begnügten sich nicht, ihm in ihren Schriften die gehässigsten Ketzereien aufzubürden, sie be-stimmten auch den Kurfürsten Johann Georg 1. von Sachsen zu versuchen, ob er den HerzogAugust von Braunschwcig zu feindseligem Schritten gegen die helmstedter Theologen bewegenkönne. Doch dieser schützte C., und die evangelischen Neichsfürsten bewogen auf dem Reichs-tage zu Negcnsburg 1655 Johann Georg I., seinen Theologen Ruhe zu gebieten. So bliebC. bis an seinen Tod wenigstens in seinen Amtsverhältnissen ungekränkt, die unparteiischeAnerkennung seiner Verdienste aber der Nachwelt Vorbehalten. Die Streitigkeiten, in welcheer verwickelt wurde, hielten ihn zwar zum Nachthcil der Wissenschaft ab, seine neuen Ideenund historischen Entdeckungen in größerer Vollendung durchzuführen, als man sie in seinenzahlreichen, meist schnell entstandenen und zum Theil ohne seine Zustimmung herausgcgcbenenSchriften findet; dafür bildete er aber viele gelehrte und helldenkende Theologen, die in seinemGeiste fortarbeitcten und in den synkretistischen Händeln seine Ehre verthcidigten. Er.gab derDogmatik aus den Resultaten seiner historischen Forschungen und seiner den Geist der heiligenSchrift auffassenden Exegese neues Licht und eine bessere wissenschaftliche Form, schied vonihr zuerst die christliche Moral und erhob diese zu einer besondern Wissenschaft, weckte dasStudium der Kirchenväter und der Kirchengeschichte und brach überhaupt zuerst die Bahnzu den Fortschritten, welche durch Spencr, Thomafius und Semler zu einer völligen Umge-staltung der theologischen Wissenschaften und religiösen Vorstellungen und zu einer wirksamer»Ascetik führten. Vgl. Henke, „Georg C. und seine Zeit" (Abth. I, Halle 1833), der auchdessen „Briefwechsel" (Halle 1833) hcrausgab. — Sein Sohn, Friede. Ulr. C., geb. am8. März 1622, gest. als Abt zu Königslutter, Consistorialrath und Professor der Theologiezu Helmstedt am 13. Jan. 1761, hat sich, obschon auf ihm nicht des Vaters Geist ruhte,besonders dadurch einen Namen gemacht, daß er mehre Schriften seines Vaters herausgabund in den synkretistischen Streitigkeiten eine Nolle spielte.
Calkoen (Jan Frederik van Beek), ein berühmter niederländ. Astronom, geb. am 5. Mai1772 zu Groningen, wurde zu Amsterdam für die Universität vorbereitet und studirte dannzu Utrecht, wo er sieben Jahre blieb und anfangs sich den theologischen, nachher aber ganzden mathematischen und astronomischen Wissenschaften widmete. Hierauf besuchte er dieUniversitäten zu Güttingen, Leipzig und Jena, sowie die Sternwarten zu Gotha und Berlin.Im 1.1799 wurde er außerordentlicher, 186-1 ordentlicher Professor der Astronomie undMathematik zu Leyden; doch schon im folgenden Jahre übernahm er dieselbe Professur inUtrecht. In der Coixmission der Maße und Gewichte war er so thätig, daß ihm König Ludwig