124 Calixtus (Päpste) CalixtuS (Georg)
Nachfolger, welche die völlige Ausrottung desselben in Böhmen beabsichtigten, ließen auchviele Calixtiner hinrichtcn; der größere Thcil wanderte nach Sachsen, Polen und Preußenaus, die Zurückgebliebenen hielten sich in größter Verborgenheit im Herzogthume Fricdlund,im wsetinischcn Gebiet und unter den Baronen von Zerotin und Waldstein.
Calixtus heißen vier Papste, von denen jedoch nur drei als solche in der röm. Kircheanerkannt sind. — C. l., der Heilige, Bischof von Nom von 219—223, lebte untcr'Elaga-balus und Alexander Severns, deren Synkretismus den Christen Ruhe vergönnte. — C. II.,1119—21, vorher Guido, Graf von Burgund, und, ehe er Papst wurde, Erzbischof vonVienne und Legat in Frankreich, schloß nach heftigen Kämpfen 1122 mit Kaiser Heinrich V.das Wormser Concordat ab und endigte dadurch den langen Investiturstreit (s. d.).Nach diesem Concordate, das 1123 auf der ersten allgemeinen Lateransynode bestätigt ward,sollten die Bischöfe und Äbte mit den Regalien nicht wie bisher durch Ring und Stab, son-dern, weil jene deutschen Symbole zugleich eine Ertheilung des geistlichen Amts andeutctcn,auf sränk. Art durch das Scepter belehnt werden. — C. (lll.), eigentlich Johann Unghicri,Cardinalbischof von Tusculum, war der dritte Gcgcnpapst, den Kaiser Friedrich l. seinemFeinde Alexander lll. 1168 entgegenstcllte, aber im Frieden zu Venedig 1117 preisgab,worauf C. Statthalter von Benevcnt wurde. — C. lll., vorher Alfonso Borgia, war vorseiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl Bischof von Valencia und lange Zeit Rath desKönigs Alfons von Aragonien und beider Sicilien. Als solcher schloß er die Fricdensvcr-trägc mit Castilien und dem Papste Eugen IV., wodurch er sich den Weg zum Cardinalbahnte. Ein schlauer Unterhändler und geschickter Jurist, herrschte er als Papst seit 1155mit allen Anmaßungen und Künsten seiner unternehmendsten Vorgänger. Gleich nach seinerStuhlbesteigung rief er die Fürsten und Völker zu einem Kreuzzugc gegen die Türken auf,den er selbst durch starke Rüstungen zur Sec und geleistete Hülfsgelder an Skanderbcg thä-tig begann. Aber seine Absicht vereitelten in Deutschland die Unzufriedenheit der Reichs-stände über das von Äneas Sylvius (Piccolomini) erschlichene wiener Concordat, die Wieder-holung ihrer Beschwerden über die päpstlichen Reservationen und Provisionen und die Unselb-ständigkeit des Kaisers Fricdrich's III., in Frankreich der Widerwille wegen Erhebung desZehnten zum Türkcnkriege, gegen welche die Universitäten zu Paris und Toulouse förmlichappellirtcn. Seinen Wohlthäter, den König Alfons, beleidigte er dadurch, daß er ihm dieBelehnung mit Benevcnt und Terracina und die Legitimation und Anerkennung seinesBastards, Ferdinand's, als König von Neapel verweigerte. Diese Krone hatte er nämlichseinem Neffen, Pedro Borgia, zugedacht, den er zum Herzog von Spoleto und zum Gouver-neur von Rom erhob und dessen Brüder von ihm mit dem Cardinalshute beschenkt wurden.Diese Begünstigung seiner Neffen aber, deren Sittenlosigkeit allgemein bekannt war, machteihn auch bei den Römern verhaßt. Seine Galeeren gewannen zwar den Türken drei kleineInseln ab, da aber Niemand ihm beistand, blieb sein Türkcnkrieg übrigens fruchtlos. NeueRüstungen gegen die Türken wurden durch seinen Tod am 6. Aug. 1158 unterbrochen.Charakteristisch für seine Grundsähewar es, daß er den Rath des Kurfürsten von Brandenburg,I)r. Knorr, durch Äneas Sylvius provisorisch des Eides der Treue gegen seinen Herrn entbindenließ, um ihm Gefälligkeiten abzugewinnen, die dieser mit seiner Dienstpflicht unverträglich fand.
Calixtus (Georg), eigentlich Callisen, der geistvollste und aufgeklärteste Thcologder protestantischen Kirche im > 7. Jahrh., geb. am 11. Dec. 1586 zu Meelby im Holsteini-schen, gebildet zu Flensburg und Helmstedt, trat an letzterm Orte schon 1605 alsPrivat-docent der Philosophie auf. Zwei Jahre nachher wendete er sich zur Theologie, besuchte 1609die süddeutschen Universitäten und kehrte 1611 nach Helmstedt zurück, wo er sich durch volc«mische Disputationen über die kirchlichen Dogmen als einen originellen Kopf und muthigcnBekämpfer herrschender Vorurtheile ankündigtc. Bald darauf unternahm er in Begleitungeines reichen Niederländers eine Reise durch Deutschland, Holland, England und Frankreich.Im 1.1613 nach Helmstedt zurückgekehrt, wurde er im folgenden Jahre Professor der Theo-logie daselbst, auch 1636 Abt von Königslutter. Eine der größten Zierden der Universitätzu Helmstedt, der er sein ganzes Leben hindurch angehörte, starb er daselbst am 19. März1656. Sein Genie, die Tiefe seiner Kenntnisse und der aufseinen Reisen gewonnene höhereStandpunkt des UrthcilS über Welt und Menschenleben befähigten ihn zu kühncrn Forschun-