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suchten, und allerdings waren die Greuel, die er verübte, der Art, daß die Versicherung Suc-ton's, er sei geistig krank und dem Wahnwitz nahe gewesen, glaublich erscheint. Seine Verwand-ten ließ er tödten oder verbannen, nur seinen Oheim Claudius (s. d.) verschonte er. Auchvon seinen Schwestern, mit denen er Jncest getrieben, wurden zwei verbannt, die dritte aber,Drusilla, behielt er bis zu ihrem Tode bei sich. Unzählige Hinrichtungen folgten aufeinander,die Güter der Getödteten fielen an den Kaiser, der aber aus bloßer grausamer Lust Verbrecherund Unschuldige während seiner Mahlzeiten vor sich foltern und morden ließ und den Wunschaussprach, daß das röm. Volk nur Einen Kopf haben möge, um ihn mit Einem Streich ab-hauen zu können. Den Lerxes zu übertreffen, ließ er eine anderthalb Stunden lange straßen-artige Schiffbrücke von Misenum nach Puteoli über die Meeresbucht schlagen, und nachdemer den Wunderbau, der bald nachher zerfiel, prächtig eingeweiht hatte, am folgenden Tageeine Menge Menschen, die sich auf der Brücke versammelt hatten, ins Meer stürzen. Im tollenÜbermuth erklärte er sich selbst für einen Gott, ließ sich göttliche Ehren erweisen und erbautesich selbst einen Tempel. Sein Lieblingspferd, das einen eigenen Hofstaat hatte und seineNahrung aus marmornen und goldenen Gefäßen erhielt, nahm er in das Collegium der Prie-ster auf; ja er war einmal Willens, es zum Consul zu machen. Um Kriegsruhm zu erwerben,rüstete er sich zu einem Zug gegen die Germanen, ging mit einem Ungeheuern Heere über denRhein, kehrte aber bald wieder um, ohne den Feind gesehen oder nur wirklich die Absichtgehabt zu haben, ihn aufzusuchen. Bevor er Gallien verließ, versammelte er sein Heer inSchlachtordnung an der Britannien gegenübergelegenen Küste, bestieg einen Dreirudcrer,kehrte, nachdem er sich kaum vom Lande entfernt hatte, zurück, ließ das Zeichen zum Angriffgeben und befahl den Soldaten, Muscheln am Strande zu sammeln, die er als eine dem Occanentrissene Beute in Rom den Göttern weihen wolle. In Nom gedachte er anfangs imTriumph einzuziehen, zu dem er gefangene Gallier als Germanen kleiden ließ, begnügte sichjedoch mit einer Ovation. Durch eine Reihe Hinrichtungen beabsichtigte er noch, den größtenTheil des Senats und der Ritter zu vertilgen, wie nach seinem Tode aus zwei Büchern, dereneins glackius, d. h. Schwert, das andere d. h. Dolch, betitelt war und welche die Namender zum Tode Bestimmten enthielten, ersehen ward. Aber bevor er diese Absicht ausführenkonnte, wurde er, sowie seine Gemahlin Cäsonia und seine Tochter, durch eine Verschwörung,an deren Spitze zwei prätorianische Tribunen, Cassius Chärea und Cornelius Sabinus, stan-den, im I. -1 l n. Chr. ermordet.
Calixtiner, von calix, d. h. der Kelch, weil sie denselben bei der Communion auchjnr die Laien federten, oder Utraquisten, weil sie das Abendmahl unter beiderlei Gestalt,sub utraqus, den Laien zu reichen verlangten, wurden die gemäßigten Hu ssiten (s. d.) inBöhmen genannt, deren Federungen durch die Kirchcnversammlung zu Basel 1433 bewilligtwurden. Nachdem sie am 3V. Mai 1434 bei Böhmischbrot die Taboriten besiegt und denKaiser Sigismund als König von Böhmen anerkannt hatten, erhielten sie freie Religions-Übung und behaupteten dieselbe unter Georg von Podiebrad 1450—71, trotzdem daß Pius I I.die Compactaten 1462 für ungültig erklärte. Seit der Reformation des 16. Zahrh., dieunter ihnen schnell Anklang fand, gingen sie über die Compactaten hinaus und suchten derenAufhebung zu erwirken. Ihre Weigerung, im Schmalkaldischen Kriege gegen die Protestan-ten zu kämpfen, zog ihnen anfangs harte Verfolgungen zu, doch ließ seit 1556 der ihnensonst nicht geneigte Ferdinand I. sie die Vortheile des Religionsfriedens mit seinen übrigenevangelischen Unterthancn genießen und noch nachsichtiger zeigte sich gegen sie Maximilian II.Bedenklicher wurde ihr Schicksal unter Rudolf II., wo sie Mühe hatten, cs dahin zu brin-gen, daß durch den am 9. Juli 1609 ausgefertigten Majestätsbrief die von ihnen in Verbin-dung mit den Böhmischen Brüdern und den Evangelischen eingereichte böhmische Confessio»öffentlich anerkannt, ihre Kirchenordnung, vermöge deren sie bisher eigene Lehrer, Kstrchenund Schulen und ein besonderes Consistorium zu Prag gehabt hatten, bestätigt und die Wahlvon Defensoren gestattet wurde. Die Verletzungen dieses Majestätsbriefs unter König Mat-thias und die von den vereinigten Evangelischen versuchte Selbsthülfe hatten den Dreißig-jährigen Krieg zur Folge. Der kurze Triumph der Böhmen unter dem von ihnen erwähltenKönige, Friedrich von der Pfalz, endete nach der Niederlage am Weißen Berge bei Pragim I. 1620 mit völliger Unterdrückung des Protestantismus. Ferdinand und seine nächsten