116 Calcar Caldani
Nach der stanz. Julircvolution eilte auch er an die Grenze seines Vaterlands und wurdeMitglied der dirigircndcn Junta von Bayonne. Nachdem das Unternehmen Mina's mis-lungcn, lebte er in Bordeaux, bis er 1834 die Erlaubnis zur Rückkehr nach Spanien erhielt.Kaum aber war er angclangt, so erwachte auch wieder sein alter Haß gegen Martine; de laRosa und Diejenigen, welche ein gemäßigteres System einführen wollten. Namentlich wirkteer nur bei dem Aufstande der madrider Nationalgarde gegen das Ministerium Torcno imAug. 1835. Nachdem im Aug. 1836 die Königin in La-Granja die Constitution von 1812beschworen, wurde C. als der Mann auserlesen, dessen Staatswcisheitdie aufgelösten Elementeder Ordnung wieder zu einem Ganzen gestalten sollte. Allein seine Verwaltung war eine be-ständige Kette von Jrrthümern, Fehlgriffen und Demüthigungcn, sodaß selbst seine Freundesich in seine Gegner umwandelten. Seine Eitelkeit ließ ihm nicht die rechte Zeit wahrneh-mcn, freiwillig abzutrcten, endlich that er es durch eine unbedeutende Drohung junger Offi-ziere dazu gezwungen. Bei Einberufung der neuen Cortes wurde er von mehren Provinzenals Senator vorgeschlagcn und von der Königin für die Provinz Albaccte bestätigt.
Calcar (Johann von), ein ausgezeichneter Maler, geb. um I50V zu Calcar im Kle-vischen. Über seine Jugendbildung ist nichts Näheres bekannt. Seine Vaterstadt erfreutesich einer vortrefflichen Malerschule, die sich unter Einfluß der altflandrischen Schule gebildethatte; seine eigene künstlerische Richtung gehört jedoch Italien an. Dort, zu Venedig, bil-dete er sich unter Tizian aus; später ging er nach Neapel, wo er 1546 starb. Er gilt alseiner der vorzüglichsten Nachahmer Tizian's, und die größten Kenner sollen oft seine Arbei-ten für Werke des Letzter» gehalten haben. Besonders gerühmt wird eine Mater dolorosavon seiner Hand, in der ehemals Boissere'e'schen Galerie, so auch eine Anbetung der Hirten,die in Rubens' Besitz war, von diesem großen Meister auf seinen Reisen überall mit sich ge-führt ward und später in die kaiserlichen Sammlungen nach Wien kam. Höchst meisterhaftund eigenthümlich geistvoll sind die in Holz geschnittenen anatomischen Darstellungen, dieC. für des Arztes Vesalius „lostitutiones snstomicse" lieferte. Jrrthümlich hat man ihmauch die Bildnisse in Vasari' s (s. d.) Künstlerbiographicn zugeschrieben.
Calcination heißt jener technisch-chemische Proceß, in welchem man Körper derGlühhitze aussctzt, um sie von Bestandthcilen, welche durch die Hitze sich verflüchtigen lassen,z. B. von Wasser, wie Gyps, Alaun, Borax u. s. w-, oder von Kohlensäure, wie Kalk, woman dann statt calciniren brennen sagt, zu befreien, oder um sie durch Aufnahme vonBestandthcilen, mit welchen sic sich in starker Hitze verbinden, chemisch zu verändern. Na-mentlich wird durch die Calcination mehrer Metalle bei Luftzutritt ihre Verbindung rESauerstoff bewerkstelligt, so bei Quecksilber, Blei, Eisen u. s. w. Diese Verbindungen derMetalle mit Sauerstoff nannte man daher früher Metallkalke, jetzt Metalloxyde.
Caldäni (Leop. Marc-Anton), ein berühmter Anatom, geb. zu Bologna am 21.Nov. 1725, sollte nach dem Wunsche seines Vaters sich dem juristischen Stande widmen,wurde aber durch eine vorherrschende Neigung zur Medicin geführt. Er ftudirte in Bologna,wurde hier 1755 Professor der Medicin, hörte von 17 5 8—66 Morgagni's Vorträge in Paduaund kehrte 1766 nach Bologna zurück. Mancherlei Cabalen veranlaßten ihn, nach Venedigzu gehen, von wo er bald darauf als Professor der theoretischen Medicin nach Padua beru-fen ward, was er unter der Bedingung annahm, daß ihm nach Morgagni's Tode dessenStelle übertragen werde, was 1771 geschah. Er starb am 30. Dcc. 1813. Seinen Rufim Auslande begründeten seine „Untersuchungen über die Irritabilität" (Bologna 1757),wodurch er sich Haller's Freundschaft erwarb, indem er auf dessen Seite in dem damals sehrlebhaft geführten Streite trat. Seine Lehrbücher über Pathologie (Padua 1772), Physio-logie (Padua 1773), Anatomie (Ven. 1787) und Semiotik (Padua 1808) bildeten langeZeit die Grundlage zu Vorträgen auf verschiedenen Universitäten Europas. Sein Haupt-werk aber sind die mit seinem Neffen Florian C. herausgegebenen„Icones snatomicse" (4 Bde.,Ven. 1801 —14, Fol.; neue Ausl., 1823), wozu gleichzeitig von ihnen eine „blxplicutio ico-nom snstomicsrum" (5Bde., Ven. 1802—14, 4.) erschien. — Sein Neffe, Florian C-,beschäftigte sich wie sein Onkel vorzugsweise mit der Anatomie und wurde im 1.1800 Pro-fessor der Anatomie und Physiologie zu Padua, 1812 aber nach Bologna berufen. Späterkehrte er nach Padua zurück, wo er als Rector der Universität am 11. Apr. l 836 starb. Au-