Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
115
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Calatrava 115

Todtengerippe darauf und gaben demselben in die eine Hand eine Palmcnkrone, in die an-dcre eine Acte, welche die Abschwörung des Protestantismus enthielt. Die FamilieC. wurdeunter dieser Aufregung verhaftet und ein Criminalproceß eingeleitet, in dem eine Mengeverblendeter, vielleicht auch bestochener Zeugen auftraten. Auch die katholische Magd derFamilie und der junge Lavayssc wurden in diesen Proceß verwickelt. C. berief stch auf dieLiebe, mit der er alle seine Kinder erzogen und behandelt, auf den Umstand, daß er einemandern seiner Söhne bei seinem Übertritt zum Katholicismus kein Hinderniß in den Weggelegt, sondern ihm noch ein Jahrgeld zahle, auf seine körperliche Gebrechlichkeit, die es un-möglich mache, einen starken Jüngling zu erdrosseln, auf die Melancholie des Tobten, aufdie katholische Magd, die den Mord nicht würde zugegeben haben; allein seine Gründe wur-den nicht gehört, und das Parlament zu Toulouse verurtheilte ihn mit acht Stimmen gegenfünf zum Tode des Rades von unten auf nach vorhergehender Tortur. Am 9. März 1762litt C. mit großer Standhaftigkeit und unter der Bctheuerung seiner Unschuld diesen schreck-lichen Tod. Das Vermögen der Familie ward consiscirt. Der jüngste Sohn wurde ansewig aus Frankreich verbannt; allein die Mönche bemächtigten sich seiner und brachten ihnin ein Kloster, wo er den Protestantismus abschwören mußte. Auch die Töchter wurden inein Kloster gebracht. Der junge Lavaysse, der zufällig in das unglückliche Schicksal dieserFamilie hineingerathen und der Wahrheit bis zum letzten Augenblicke treu geblieben war,wurde freigesprochen. Die Witwe war in die Schwei; geflohen und hatte dort das Glück,Voltaire zu Fcrncy für ihr Schicksal zu interessiren. Voltaire brachte die ganze Begeben-heit durch eine Schrift8ur lg toler-mce" noch einmal vor den Richterstuhl der öffentlichenMeinung und zeigte, mit dem Advocatcn Elie de Beaumont und einigen Andern, daß C.ein Opfer des Fanatismus der Toulouser geworden sei. Zugleich hielt man um eine Revi-sion des Protestes an, und das Parlament zu Paris erklärte am 9. März 1765 nach derreiflichsten Prüfung C. und seine Familie für vollkommen unschuldig. Ludwig XV. bewilligteder Familie eine Summe von 39600 Livres; allein weder das Parlament zu Toulousewurde wegen dieses gräßlichen Justizmords zur Rechenschaft gezogen, noch die fanatischenPfaffen ihres Treibens halber bestraft.

Calatrava (DonJoseMaria), span. Minister in den J. 1823 und 1836, ein Mann,der auf die neuesten Schicksale seines Vaterlands einen bedeutenden Einfluß geübt hat,wurde am 26. Febr. 1781 zu Merida in Estremadura geboren. Er studirte zu Badajoz undSevilla und ließ sich 1805 als Advocat in Badajoz nieder, wo er bald den Ruf eines kennt-nißrcichen und gewandten Anwalts erlangte. Jm J. 1808 wurde er Mitglied der durch dasVolk niedergcsetzten Junta von Estremadura und zwei Jahre darauf von Estremadura zumDeputirten bei den auf der Isla de Leon sich versammelnden allgemeinen Cortes gewählt,wo er indeß durch eine gewisse Schüchternheit sich abhalten ließ, hervorzutrctcn. Dagegen er-warb er sich später bei den Cortes in Cadiz sowol als Redner wie als Rechtsgelehrter und alsVcrtheidiger der Freiheiten seinerNation eine wohlbegründete Berühmtheit. Bci dcr RückkchrFerdinand's VII. im I. 1814 wurde auch er verhaftet und nach Melilla an der afrik. Küsteverbannt, bis ihn die Wiederherstellung der Constitution im 1.1820 seinem Vatcrlande zu-rückgab. Sofort zum Deputirten von Estremadura bei den ersten zusammengetretenen Corteserwählt, trat er bei allen entscheidenden Fragen mit Glan; als Redner auf, vorzüglich aber,wenn dieselben einen rcchtswissenschaftlichen Gegenstand betrafen. Die düstere Sinnesartaber, die die Verbannung in ihm erzeugt, machte ihn von jetzt an zum steten Gegner Mar-tine; de la Rosa's, und selbst der Entwurf des Criminalgeschbuchs, dessen Abfassung ihmübertragen war, trägt die Spuren desselben. Nach Auflösung der ersten Cortes zog er sichin seine Provinz zurück, bis er 1823 nach Sevilla berufen wurde, um das Ministerium derJustiz zu übernehmen. Dasselbe Amt verwaltete er in Cadiz, von wo er bei der Übergabe derStadt an die Franzosen, durch den König auf die schmählichste Weise durch Versprechungenin Betreff der konstitutionellen Partei getäuscht, sich nach England einschiffte. Hier wid-mete er seine Muße vorzüglich dem Studium der Gesetzgebung und Rechtsverhältnisse Eng-lands. Von Seiten der span. Ausgewanderten aber war er mannichfachen Anfechtungenansgesetzt, da diese vorzüglich ihm den Untergang der Constitution zur Last legen wollten.