110 Cahors Ccnllie
verunstaltet sind, so sind es doch nicht Alle, und ihre Entartung ist erst cingetrcten in Folgeihres Aufenthalts in den tiefsten, verborgensten Thälcrn. Die allgemeine Eigcnthvmlichkeit,durch die sie sich von den andern Landesbewohnern unterscheiden, besteht darin, daß sie rundeOhren haben, indem ihnen durchgehend die Läppchen fehlen. Übrigens ist ihre Geschwätzigkeitunter den Basken sprüchwörtlich. Sie sollen von zurückgebliebenen Westgothen oder Arabernabstammen. Im Mittelalter von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen, als Pädrastenverabscheut und als Ketzer verflucht, mußten sie als Abzeichen ein Stück rothes Tuch odereine Eierschale auf der Kleidung angehcstet tragen. Sie durften lange Zeit nicht mit andernEingeborenen in Einem Orte wohnen und mußten später wenigstens ein besonderes Quar-tier beziehen. Kein Cagot konnte Priester werden, sie mußten durch eine besondre Thür indie Kirche eintreten und hatten ihren Platz hinter dem Weihkessel. Menschenfreundliche Ver-suche haben gelehrt, daß sie nicht ohne Fähigkeiten sind, nützliche Mitglieder der mensch-lichen Gesellschaft zu werden. Die Revolution gab ihnen im I. 1793 gleiche Rechte mit denübrigen Franzosen, ohne jedoch das Vorurtheil, welches sie gegen sich haben, heben zu können.
Cahors , alte und ziemlich winkelig gebaute Hauptstadt des franz. DepartementsLot in Guyenne, am rechten Ufer des Lot, von welchem sie auf drei Seiten umflossen wird,zieht sich an und auf einem steilen Hügel hin und war früher mit Wällen umgeben, die zu Pro-menaden geebnet sind. Sie ist der Sitz eines Präsecten, der Departementsbchörden, eines Bi-schofs, eines Handels- und Friedensgerichts und hat ein College, ein theologisches Seminar,eine Bibliothek und eine Ackerbaugesellschaft. Die von Papst Johann XXII., der hier gebo-ren war, 1331 gestiftete Universität wurde während der stanz. Revolution aufgehoben. DieKathedrale ist ein sehr altes Denkmal und soll auf den Ruinen eines röm. Tempels erbau! !sein; auch findet man noch die Überreste eines röm. Amphitheaters. Die Stadt zählt 12590 E.,welche feine Tücher, Spitzen, Leder, Papier, Branntwein und Nußöl fabriciren, starkenWeinbau und Wein- auch Tabackshandel treiben. Die sogenannten Cahorsweine, inDeutschland auch oft Pontacweine genannt, gehören zu den Bordeauxweinen und begreifendrei Sorten, schwarzen, rochen und rosenrothen, von denen die beiden ersten sehr stark sindund fast dem Burgunder gleichen. Der schwarze, welcher vorzüglich nach Bordeaux verführtwird, dient zum Verschneiden schwacher und wenig gefärbter Weine und wird rein seltengetrunken. Die gutgehaltencn Sorten des rochen sind geschätzt, während der rosenrothe wegenseiner Farbe wenig gesucht wird.
Caille (Nicolas Louis de la), s. Lacaille.
Caillie (Rens, nach Andern Auguste), berühmt durch seine Reise nach Timbuktu,geb. 1800 zu Mouze in Poitou, der Sohn eines Bäckers, schiffte sich >816 auf einem stanz.Schiffe mit nicht mehr als 60 Francs in der Tasche nach der stanz. Besitzung am Senegalin Afrika ein, wo er sich nachher der Expedition des engl. Majors Gray anschloß, welche insInnere Afrikas cindringen wollte. Da indeß dieselbe sehr bald ein unglückliches Ende nahm,kehrte er wieder nach dem Senegal zurück. Hier verschaffte ihm der franz. Gouverneur,Baron Roycr, einige Waaren, mit denen er sich 182-1 zu den Braknas begab, einem mauri-schen Volke, theils um etwas zu gewinnen, theils und besonders um sich mit der Sprache undden Gebräuchen der Mauren vertraut zu machen. Ungefähr nach zwei Jahren, als er einigeTausend Francs sich erworben, erschien er wieder am Senegal. Durch den Baron Royererfuhr er hier, daß die pariser Geographische Gesellschaft für den ersten Reisenden, der Tim-buktu erreichen würde, einen Preis von 10000 Francs ausgesetzt habe. Sogleich entschloßsich C., denselben zu verdienen. Mit neuen Waaren versehe», trat er am 22. März 1827von Sierra-Leone die Reise zuerst nach Kakondy am Nunezflusfe an. Er gab sich, als Musel-mann gekleidet, für einen in Ägypten geborenen Araber aus, den die Franzosen in seinerKindheit von dorther mitgenommen hätten, und der nun, in Freiheit gesetzt und nach demSenegal geführt, in sein Vaterland zurückkehren wolle. Zu Kakondy traf er einige Kaufleukcvom Mandingostamni, an die ihn ein franz. Kaufmann empfohlen hatte, und mit ihrerKaravane ging er nun zum Nigerfluffe. Ohne Unfall kam er bis nach Time, einem Dorfeder Mandingonegcr im südlichen Bambara; hier aber fiel er in eine schwere Krankheit, sodaßer erst nach fünf Monaten, am S.Jan. 1828, seine Reise weiter fortsetzen konnte. Nachdemer die Insel und Stadt Jenne besucht hatte, schiffte er sich hier auf dem Nigerflusse nach