Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
109
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Cagots IOL

machte in Venedig die Bekanntschaft eines sehr schönen Mädchens, Lorenza Feliciana, undverband sich mit ihr, weil ihm ihre Schönheit, Anmukh und Klugheit in seinen Jntriguensehr förderlich erschienen. Mit ihr durchzog er nun ganz Obcritalien, indem er dabei sowolauf die Verdorbenheit wie auf die Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen speculirte. Währendseine Frau die Herzen bezaubern mußte, trat er als Arzt, Naturforscher, Alchymist, Freimau-rer, religiöser Schwärmer und Geisterbeschwörer auf. Nachher ging er nach Deutschland,wo er sich gleichfalls in der großen Welt durch geheimnißvolle, zum Theil glückliche Eurenallenthalben Ansehen verschaffte, Freimaurerlogen stiftete und das Geld und die Herzen derLeute sich zu erwerben wußte. Besonders gute Geschäfte machte er bei den Frauen durch einElixir, von dem er meinte, daß dessen Gebrauch langes Leben und fortwährende Jugendbewirke. Er behauptete, durch den Gebrauch dieses Elixirs 150 Jahre alt zu sein und seinjugendliches Weib sprach oft von ihrem Sohne, dem Capitain in holländ. Seediensten. End-lich beschloß C., seinen Schauplatz nach Rußland zu verlegen; er begab sich deshalb 1779nach Kurland, um von dort aus sein Erscheinen am Petersburger Hofe durch auffallendeGerüchte vorzubercitcn. In Mitau sammelte er eine Menge vornehmer Familien um sichund stiftete auf das angebliche Geheiß geheimer Obern eine Freimaurerloge, in die auchFrauen ausgenommen wurden; auch hielt er freie Vorträge, in denen sich christliche Theosophieund heidnische Thaumaturgie sonderbar vermischten, gab vor, tiefe und übernatürliche Kennt-nisse in den Naturwissenschaften zu besitzen, und citirte Geister. Die Gräfin Elise von derNecke nebst mehren Gliedern ihrer Familie war eine ganz besondere Anhängerin desselbenund hatte sich fast entschlossen, ihn auf seinen Reisen zu begleiten. Nachdem er Geld und Rufgewonnen, reiste er über Warschau nach Petersburg, wo es ihm indeß, wie es scheint, nichtglückte, die Kaiserin Katharina, die später ein satirisches Lustspiel auf ihn und seinen Anhangschrieb, zu interessiren. Vielleicht deshalb ging er schon 1780 nach Strasburg, um vonhier Frankreich und namentlich Paris auf sein Erscheinen vorzubereiten. In Paris kündigteer sich als Begründer der ägypt. Maurcrei an, hielt nächtliche Zusammenkünfte und machtedurch seine Geisterbeschwörungen ungeheures Aufsehen; von Paris aus reiste er nach England,wo er sich der Anhänger Swedenborg's bemächtigte. Als er 1785 nach Paris zurückkehrte,war sein Ansehen so groß, daß er mit den vornehmsten Personen des Hofs verkehrte. Erstand mit dem Cardinal Rohan in sehr genauer Verbindung, spielte in der berüchtigten Hals-bandgeschichtc eine Hauptrolle und wurde dabei durch die Aussagen der Gräfin de la Motteso gravirt, daß man ihn, da er sich weigerte, die Flucht zu nehmen, in die Bastille setzte. Hierrechtfertigte er sich durch ein Memoire, in welchem er darthat, daß er mit dem Raube selbstnichts zu schaffen gehabt habe, und die Banquiers in allen Hauptstädten Europas nannte,von denen er im Laufe der Zeit beträchtliche Summen ausgezahlt erhalten habe, ohne jedochdie Ouellen anzugebcn, aus welchen sein Ncichthum zuerst geflossen. Als er hierauf seinerHaft entlassen und aus Frankreich verwiesen wurde, ging er wieder nach England und nacheinem zweijährigen Aufenthalte durch die Schwei; 1787 nach Rom. Unterdessen war nament-lich in Deutschland eine vollkommene Enttäuschung über das Wesen C.'s eingetreten; dieGräfin Elise von der Necke erklärte in einerNachricht von des berüchtigten CagliostroAufenthalt in Mitau" (Berl. 1787) die Bekehrung von ihrem Jrrthume und entdeckte dieArt, in welcher er seine Anhänger getäuscht hatte. Man hielt ihn jetzt in Deutschland all-gemein für einen Jesuitenpricstcr, der die geheime Ausgabe hätte, die Gemüther durch Aber-glauben und Schwärmerei zu verwirren. In Rom beschäftigte er sich abermals mit Errich-tung einer Maurerlogc. Deshalb auf Befehl des Papstes eingezogen und als Freimaurerzum Tode verurtheilt, wurde er zwar begnadigt, jedoch zu lebenslänglicher Haft auf das FortSan-Leon gesetzt, wo er 1705 starb. Auch seine Frau mußte den Rest ihres Lebens in einemKloster zubringen. DieiVlömmres autbenti^iiss^ die später unter dem Namen C.'s inParis herauskamen und viele Unrichtigkeiten und Übertreibungen enthalten, sind erdichtet.Obschon Niemand lange in Zweifel war, ob C. ein Weiser oder ein grober Betrüger sei, sobleibt es dennoch merkwürdig, daß sich so viele Personen aus den höchsten und gebildetstenStänden auch nur einen Augenblick täuschen ließen.

Cagots (die), sind eine seltsame Menschengattung in den ftanz. Pyrenäen, die nnMfrüher mit Unrecht fürKretinen (s. d.) gehalten hat. Denn wenn auch Viele der Cagots