Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
106
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1l)6 Caduccus Caffarclli

allerdings bedeutende Kosten, sie sind aber unvermciolich und dringend nothwcndig, ja eswürde einer der größten Mißgriffe sein, wenn man im Frieden die Cadres vermindern wollte,bloß um Ersparnisse zu machen. Bei einem Landwchrsystem, das mit dem Cadresystemnicht verwechselt werden darf, ist es ohnehin nicht zu vermeiden.

Caduceus, eigentlich ein Lorbcr- oder Olivenstab mit zwei Binden, im Griechische»Stcmmata genannt, welche hernach in Schlangen ausgcbildet wurden, die ihre Köpfe ein-ander zukehrten, ohne den Kamm zu sträuben, diente zu einem Sinnbilde des Friedens. Ihntrugen die Herolde, deren Person dann den Feinden heilig und unverletzlich war. Nach derMythe schenkte Apollon diesen Stab dem Mercur für die Abtretung der Ehre, die Leier er-funden zu haben. Die Spätem erzäklcn, daß, als Mercur mit demselben nach Arkadienkam, er zwei miteinander kämpfende Schlangen gesehen und unter sie diesen Stab geworfenhabe, worauf sie denselben sogleich in friedlicher Eintracht umschlungen hätten. Zwar ist derCaduceus das eigenthümliche Unterscheidungszeichen Mercur's, der damit die Schatten zurUnterwelt hinabführt und deshalb auch C akucifer genannt wird; doch finden wir ihn aufantiken Münzen auch in den Händen des Bacchus, Hercules, der Ceres, Venus, Concordiaund des Anubis. Bei den Neuern dient er vorzugsweise als Sinnbild des Handels.

Caen, die Hauptstadt des franz. Departements Calvados in der Normandie am Ein-flüsse des Odon in die schiffbare Orne, welche Seeschiffe bis zur Stadt herausträgt und zweiMeilen unterhalb derselben sich in das Meer ergießt, liegt zwischen herrlichen Wiesen und istsehr schön und regelmäßig gebaut. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich aus durchihren Umfang der Königsplah, die Promenaden des Cours dem Ufer der Orne entlang undder neue Fischmarkt, und unter den Gebäuden, neben mehren Kirchen, der Justizpalast, dasRathhaus, die Börse und das Theater durch ihre Bauart. Sie ist der Sitz des Präfectenund der Departementsbehörden, eines Bischofs, eines königlichen Gerichtshofs, mehrerFriedensgerichte und eines Handelsgerichts. Unter den wissenschaftlichen Anstalten stehtdie Universitätsakademie oben an; außerdem bestehen daselbst ein königliches Collegium,eine medicinische Schule, eine Navigations-, Zeichen-, Bau- und Gewerbschule, eine na-turhistorische und botanische Unterrichtsanstalt; ferner eine Akademie der Wissenschaftenund Künste, eine Linne'sche Gesellschaft, die Gesellschaft der normandischen Alterthums-forscher, eine Ackerbau-, eine Handels- und eine Philharmonische Gesellschaft. Auch hat sieeine Bibliothek, eine Gemäldegalerie, ein Naturaliencabinet und einen botanischen Garten.Überhaupt steht C. in Frankreich im Rufe einer gelehrten Stadt. Sie zählt 44VÜ0 E-,welche sich mit Fischerei und Austernfang und bedeutender Blumenzucht beschäftigen, Baum-woll-, Wollen-, Strumpf-, Spitzen-, Leinen-, Porzellan-, Leder-, Tapeten- und Papierfa-briken unterhalten und beträchtlichen Land- und Seehandel treiben, welche» die alljährlichin C. stattfindende Messe, der Werst für die Kauffahrteischiffe, der Flußhafen und der ander Mündung der Orne gelegene Seehafen unterstützen. C. wurde von Wilhelm 'dem Er-oberer, dessen Grabmal sich in der St.-Stephanskirche daselbst befindet, angelegt und hatmehrfache Belagerungen erfahren, besonders zur Zeit der Hugenottcnkriegc, wo es bald imBesitz der Katholiken, bald in dem der Refvrmirten sich befand. Zur Zeit der franz. Revo-lution und nach der Achtung der Partei der Girondisten durch die Bergpartei wurde durchmehre der Ersten von C. aus im I. I7!>3 ein Aufstand gegen die Jakobiner versucht. Ge-neral Felix von Wimpfen verhaftete zu C. die Conventsdepukirten, rief die benachbartenDepartements zu den Waffen und wollte gegen Paris zu Felde ziehen. Mehre Städte, wiel'Orient, Brest und Nantes, erhoben sich gleichfalls zu Gunsten der Girondisten. Auch wurdeWimpfen einigermaßen von England unterstützt; allein bei Vernon von den Republikanerngeschlagen, floh er nach England, während die meisten seiner Gefährten hingerichtet wurden.

Caffarclli, einer der berühmtesten ital. Sopranisten, hieß eigentlich Gaetano Majo-rans und war der Sohn eines Landmanns in der neapolitan. Provinz Bari, geb. um >703.Durch den Kapellmeister an der Hauptkirche zu Bari, Caffaro, der des Knaben schöne Stimmezu bemerken Gelegenheit gehabt hatte, wurde der Vater bestimmt, denselben dem Sopran-gcsangc zu widmen. C. besuchte nun die Schule zu Norcia, genoß dann den Unterricht Caf-saro's, nach dem man ihn Caffarcllo, d. i., der kleine Caffaro, nannte, welchen Namen crspäter bcibehiclt, und hieraus sechs Jahre lang den Unterricht Porpora's zu Neapel, der ihn