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wurde. Als die Policciagenten das Cabriolet, in welchem er gegen Abend ausfuhr, anhielten,schoß er den einen nieder, den andern verwundete er lebensgefährlich und nahm dann dieFlucht; allein ein herbeigeeilter Fleischer hielt ihn auf. Vor seinen Richtern zeigte er vielGeistesgegenwart. Er wurde zum Tode verurtheiltund, daernichtumGnadebittcnmochte,am 21. Prairial (io. Juni 1804) hingerichtet. Die übrigen Thcilnehmer, Armand undJules de Polignac, Bouvet de Lozier, Lajolais, Charles d'Hozier, Roussillon, Nochellc,Gaillard und de Niviere wurden auf ihr Ansuchen von Bonaparte begnadigt. Bonapartehatte Schritte gcthan, C., gleich den übrigen Jnsurgentenführern, für sich zu gewinnen;aber jeder Versuch wurde stolz zurückgewiesen. Nach der Restauration wurde die FamilieC. geadelt. — Joseph C. zeichnete sich ebenfalls unter dem Befehle seines Bruders,Georges C., als Bandenführer aus und ist unter dem Namen Joyou in der Geschichte derChouanerie bekannt. Nach dem Tode seines Bruders wurde ihm Blois zum Aufenthalteangewiesen. Später verband er sich mit Guillcmont, um den Bürgerkrieg wicderanzufachcn,wußte sich aber der Policci zu entziehen, als das Complot entdeckt ward. Im I. 1814erschien er plötzlich in der Gegend von Bannes an der Spitze von 8000 Bauern, wofür er1815 zum Obersten der Legion des Morbihan ernannt wurde.
Cadre oder Cadres werden bei den verschiedenen Truppentheilen die zur richtigentaktischen Führung aller Unterabteilungen unentbehrlichen Offiziere, Unteroffiziere undSpielleute genannt. Sie bilden die eigentlichen Einfassungsrotten, wovon auch die Be-nennung Cadre oder Nahmen abgeleitet ist. Tritt zur Compagnie noch eine kleine Anzahlalter und zuverlässiger Soldaten hinzu, so entstehen daraus die Stämme der Regimenter.Wer gute Truppen haben will, muß zuvörderst für tüchtige Cadres und Stämme sorgen,ihnen eine zweckmäßige aufdas praktische Bedürfnis berechnete Instruction ertheilen und aufstrenge Disciplin halten. Der Einfluß der Cadres auf die Leistungen der Truppen ist außer-ordentlich groß; sie sind gleichsam das Muskelsystcm des militairischen Körpers, und derAnführer ist die Seele des Ganzen. Mit unzuverlässigen Cadres ist vor dem Feinde nichtsauszurichten, selbst wenn die Truppe vom besten Willen beseelt wäre. Daher hat eineallgemeine Volksbewaffnung, ohne in gute Cadres eingereiht zu sein, noch niemals denErwartungen entsprochen, während man noch kein Beispiel hat, daß bei einem tüchtigenund standhaften Cadre von Offizieren und Unteroffizieren die Soldaten, selbst wenn sie Re-kruten waren, davongclaufen wären. Die Alten legten den Cadres vielleicht einen nochhöhern Werth bei als die Neuern. In den pers., griech. und röm. Heeren wurde sogar aufje 4 — 5 M. ein Unteranführer gerechnet, und die Mannschaft wählte gewöhnlich dieseFührer selbst. Sie bildeten jedoch keine den jetzigen Unteroffizieren ähnliche Befehlshaber-classe, sondern waren nur die Vorstände der kleinern Kameradschaften, versahen mit ihrenKameraden denselben Dienst und erhielten erst in den Zeiten des Verfalls des Heerwesenseinen höhern, gewöhnlich doppelten Sold. Im Laufe der Zeit kamen diese natürlichen Vor-fechter außer Brauch, und die später erfundene Feuertaktik, welche die Bataillone zu wandeln-den Schießmaschinen machte, war nicht geeignet, sie wieder hervorzurufen, obgleich dasTirailleursystem schon lange auf ihr Bedürfnis!hingewiesen hat. Da, wo die Bayonnctfecht-kunst einheimisch geworden ist, dürfte diesem Bedürfniß am leichtesten zu entsprechen sein.
Die Stärke der Cadres muß mit der Stärke der Streiter überhaupt im VerhLltnißstehen. Bei der Infanterie rechnet man auf 10—15 M. einen Unteroffizier, auf20—40M.einen Subalternoffizier. Bei der Reiterei muß der Cadre im Verhältniß noch stärker sein.Bei der Artillerie rechnet man auf jedes Geschütz 2—3, auf jeden Munitionswagen 1—2Chargen, bei den Genietruppen eine solche auf 4—8 M. Bei der Organisation neuerTruppen ist besonders auf tüchtige Cadres zu sehen. In den Schlachten von Großgörschenund Bautzen (1813) haben Bataillone, aus meist 18—19jährigen Jünglingen bestehend,aber von erprobten Cadres geführt, mit den Kerntruppcn an Bravour gewetteifert. — Ca-dresystem nennt man diejenige Heerseinrichtung, bei welcher im Frieden der größteThcil der Mannschaft beurlaubt oder vacant geführt, die sonstige taktische Organisation desTruppentheils aber wie im Kriege beibehaltcn wird, sodaß beim Übergang vom Friedcns-auf den Kriegsfuß nichts weiter erfoderlich ist, als die Einstellung der beurlaubtenNekruten.Durch die permanente Besoldung der Offiziere und Unteroffiziere, also der Cadres, entstehen