104 Cadoudal
mit der Infantin Marie Luise. Im 1. 181 1 trat er aus dem Ministerium des Auswärtige»zurück und erhielt die Intendantur der Krondomaincn. Während des russ. Feldzugs war erStaatssecrctair bei der Kaiserin, und 1814 folgte er derselben nach Blois. Durch die Ns-staurakion verlor er seine amtliche Stellung und die 1813 ihm übertragene Würde einesSenators. Nach Napoleon's Rückkehr von Elba ernannte ihn dieser zum Pair; aber nachdem kurzen Interregnum der Hundert Tage mußte er von neuem in den Privatstand zurück'treten, bis ihn der König 1819 abermals in die Pairskammer berief. Er starb 183-1.
Cadoudal (Georges), der Begründer der Chouans, gcb. 1769 zu Brech, einemDorfe bei Auray im ehemaligen Morbihan, war der Sohn eines wohlhabenden Müllers,der ihm eine höhere Schulbildung geben ließ. Als er aus dem College zu Bannes zurück-kehrte, stellte er sich, um der royalistischen Bewegung gegen die franz. Republik in der Vendcemehr Nachdruck zu geben, an die Spitze eines aus Schleichhändlern, Matrosen, Bauern undFlüchtigen gebildeten Haufens und eröffnete damit den kleinen Krieg gegen die republikanischenTruppen. Von diesen gefangen genommen, fand er nach einigen Monaten Gelegenheit, sichwieder zu befreien und kehrte hierauf unter die Insurgenten zurück. Da inzwischen dieArmce-chefs schon ernannt waren, so mußte er sich mit dem Titel eines Commandanten seines Cantonsbegnügen, in wclch erEigensch aft er nun seine frühem Genossen wieder an sich zog und bald durchunzählige kleine Unternehmungen der Schrecken der Republikaner wurde. (S. Chouans.)Als 1795 zwischen der Republik und den Häuptern der Znsurrection ein Friede zu Standekam, trat C., der viel Ehrgeiz besaß und an der Spitze der gefürchtetsten Banden stand,diesem Vergleiche nicht bei, sondern setzte sich vielmehr mit den Royalisten in England inVerbindung, um die Landung zu Quiberon (s. d.) bewerkstelligen zu helfen. Nachdemdieses Unternehmen mißglückt, vereinigte er die Trümmer des royalistischen Heers mit denChouans. Kraft seiner Würde als Häuptling zog er den Marquis von Puisaye über denAusgong des verunglückten Landungsversuchs zur Verantwortung, den er als Verräthcrder royalistischen Sache erschießen lassen wollte. Doch schon 1796 sah er sich vom GeneralHoche so hart bedrängt, daß er in die Entlassung seiner Truppen einwilligen mußte. Nachder für die Royalisten verderblichen Katastrophe am 18. Fructidor, auf welche C. großeHoffnung gesetzt hatte, suchte er zwar den Aufstand in der Bretagne aufs neue anzufachen;doch gelang ihm dies erst 1799. Die Niederlage der Insurgenten zu Erandchamp und Elvcnim Jan. 1890 versetzte ihn endlich in die Nothwendigkeit, mit dem General Brune ernstlichzu unterhandeln. Nachdem er seine Truppen entlassen und den Frieden beschworen hatte,begab er sich nach London, wo er von den engl. Ministern mit Auszeichnung empfangen undvom Grafen Artois zum Generallieutenant ernannt wurde. Mit Ehren überhäuft kehrteer hierauf nach Frankreich zurück, landete an den Küsten der Bretagne, sammelte als er-nannter Commandant mehrer Districte royalistische Truppen und suchte die Jnsurrectionwiederum in Gang zu bringen. Sein Anschlag auf Belle-Jsle und Brest wurde jedoch denRepublikanern entdeckt und vereitelt, woraufer den Herrn von Bec-de-Lievre, den Schwagerdes Generals Bourmont, als vermeintlichen Spion des ersten Consuls erschießen ließ. Alsam 3. Nivöse die gegen das Leben des ersten Consuls gerichtete Höllenmaschine ihren Zweckverfehlt hatte, wurde C. von der öffentlichen Meinung als der Urheber des Anschlags be-zeichnet. Er leugnete dies, allein seinem gewaltthätigcn Charakter und feinem Haffe gegenBonaparte war die That wohl zuzutrauen; auch sprach der Umstand gegen ihn, daß Carbon,ein alter Marineoffizier, der in Folge des Attentats hingerichtct wurde, im Solde und unterdem Befehle C.'s stand. Nachdem er sich bis 1893 bald in England, bald insgeheim inFrankreich aufgehalten hatte, faßte er in diesem Jahre mit einigen alten franz. Offizieren,unter denen sich auch Pichegru befand, den Entschluß, von England aus nach Paris zugehen, um dort irgend einen Anschlag auf das Leben und die Freiheit des ersten Consulscmszuführen. Die Verschworenen landeten, nichtohne Unterstützung des engl.Ministeriums,am 21. Aug. unweit Beville an der Küste der Normandie und begaben sich verkleidet undauf verschiedenen Wegen nach Paris C. soll den Plan gehabt haben, Bonaparte in derMitte seiner Garden zu ermorden. Indessen war die Police! in Paris auch von dieser Ver-schwörung bald genug unterrichtet, und schon am 28. Febr. 1894 erfolgte die VerhaftungPichegru's und einiger anderer Verschworenen, worauf am 9. März auch C. festgcnommeu