Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

Cadore - 103

von hier aus der Versuch gemacht, die Stadt, ungeachtet der großen Entfernung, zu bom-bardiren, zu welchem Behufe die Franzosen Mörser von einer neuen Erfindung zu Sevillahatten gießen lassen. Am >5. Dec. I8l0 wurden die ersten Bomben und Granaten ge-worfen und flogen wirklich bis in die Stadt; weil aber die Häuser fast durchaus von Steingebaut waren, so entstand kein Brand, und der Schade war unbedeutend. Mehre Versucheder Spanier und Engländer im I. 181 l, die Stadt zu entsetzen, mißlangen, doch glückte esihnen, die Werke der Belagerer zum Thcil zu zerstören. Von Seiten der Franzosen warman vorzüglich mit dem Bau und der Ausrüstung einer Flotille zum Angriff aus die InselLeon beschäftigt, wogegen die Spanier mit größter Thätigkeit ihre Vertheidigungsanstalten be-trieben, weil von der Eroberung der Insel das Schicksal von C. abhing. Dieser Zustanddauerte bis in die letzte Hälfte des I. 1812, wo Wellington's siegreiches Vorrücken die Fran-zosen nöthigte, sich aus Andalusien zurückzuziehen und die Belagerung aufzuhebcn. Auchim 1.1823 wurde C. wiederholt belagert. Nachdem der Herzog von Angouleme, als Be-fehlshaber der stanz. Jnvasionsarmee, ohne Schwierigkeit am 24. Mai von Madrid Besitzgenommen, beorderte er die Divisionen Bordesoulle und Bourmont nach dem Süden, umden König von Spanien aus den Händen der Cortes zu befreien und den Fortgang der Jn-surrection zu hemmen. Schon nach einem Monat stand Bordesoulle vor C., bemüht, dessenVerbindung mit dem Lande abzuschneiden. Der König Ferdinand hatte mit den Cortesvon Sevilla am 14. Juni nach C. gehen müssen, wohin sich unter Lopez Banos ein Thcilder geschlagenen irregulairen span. Truppen eingeschifft hatte, um die Besatzung bis auf14000 M. zu verstärken. Der Versuch eines Ausfalls am 16. Juli, bis zu welcher ZeitVertheidigung und Belagerung vorbereitet wurden, mislang zwar mit beträchtlichem Ver-luste; indeß nöthigte doch der kräftige Widerstand den Herzog von Angouleme, den GeneralOrdonneau mit sechs Bataillonen Verstärkung nach C. zu senden, wodurch die Franzosenzu 2V0U0 M. ergänzt wurden, selbst den Oberbefehl zu übernehmen und im Verein mit derSeeoccupation unter Admiral Duperrö die Belagerung mit Energie zu betreiben. Am 31.Aug. nahmen die Franzosen Trocadero und das Fort Luis unter schwerem Kampfe mitSturm, wodurch der Vortheil einer wirksamer» Beschießung der Stadt erreicht wurde,deren Anerbieten eines Waffenstillstandes zurückgewiesen ward. Die Einnahme des FortsSan-Pedro am 2V. Sept. und das endlich durch den Wind begünstigte Flottenbombarde-ment am 24. Sept. brachten zwar dem Ziel immer näher, indeß mußten zu einem entschei-denden Hauptangciff noch schwere Arbeiten ausgeführt werden. Auf eine Anzeige, daßKönig Ferdinand frei und bereit sei, sich an jedem zu bestimmenden Ort zu stellen, wurde derAngriff auf den 2 9. Sept. verschoben; als jedoch statt des Königs zu Puerto-Santa-Maria eineDeputation mit Vorschlägen erschien, beschloß der Herzog den Angriff auf das bestimmteste.Die Ankunft und Versicherungen des Generals Alava verschoben denselben abermals, unddie persönliche Erscheinung des Königs Ferdinand am >. Oct. zu Pucrto-Santa-Maria sprachdie Auflösung der Cortes aus und entschied den Fall von C., das am 3. Oct. seine Thore denFranzosen öffnete, die den Zweck ihres Feldzugs hiermit erreicht sahen.

Cadöre fJean Baptiste Nompere de Ch ampagny, Herzog von), geb. zu Roanne1756, widmete sich dem Seedienfie und ward sehr schnell zum Schiffscapitain befördert.Bei der Berufung der Nationalversammlung wählte ihn der Adel von Forez zum Abge-ordneten. C. schloß sich den freisinniger« Mitgliedern seines Standes an, die sich mit denVertretern des dritten Standes vereinigten. Im I. I7VI trat er aus der Nationalver-sammlung aus, allein, obgleich er zurückgezogen lebte, konnte er in der Schreckenszeit demVerdacht antirepublikanischer Gesinnungen nicht entgehen. Er ward verhaftet, bis ihn der9. Thermidor aus dem Gefängnisse befreite. Der 18. Brumaire öffnete ihm von neuemdie öffentliche Laufbahn. Er wurde Staatsrath im Marinedepartenient, erhielt 1801 denwichtigen Gesandtschaftsposten in Wien, wurde 1804 zum Minister des Innern und 1807zum Chef des Ministeriums des Auswärtigen ernannt. In dieser letzter« Eigenschaft warer besonders thätig bei den berüchtigten Unterhandlungen mit dem span. Hofe, wodurch dieAbdankung Karl's IV. und Ferdinand's VII. sowie die Invasion in Spanien entschiedenwurde. Durch Navoleon im I. 1808 zum Herzoge von Cadore ernannt, leitete er, nachdem Kriege gegen Ostreich im I. 1809, die Verhandlungen zur Vermählung des Kaisers