1»2 Cadiz
die Hauptstadt der gleichnamigen südlichsten Provinz des andalusischen Königreichs Sevilla,liegt am Nordwestende der schmalen Landzunge der Insel Leon, welche durch den Kanal San-Pedro vom Festlands getrennt und durch die Ponte-del-Zuaz mit ihm verbunden ist. AlsFestung gehört C. zu den wichtigsten Punkten ganz Spaniens, da die natürliche Vertheidi-gungsfahigkeit der bastionirten Felsenküste im Norden, Westen und Süden noch durch dasFort San-Catalina und das Jnselfort San-Sebastian verstärkt ist, da die Nordostseite durchSandbänke jede Landung erschwert und die südöstliche schmale Landfronte starkverschanzt ist.Auf der vier Miglicn langen sandigen Landzunge führt eine durch zwei Mauern geschützte,durch das Fort Coctadura und die Nedoute Glorieta venheidigte Straße nach der Stadt San-Fernando am Kanal Sau-Pedro, an dessen Nordausgang das Arsenal de la Carraca liegt,den eine Reihe Batterien und Fleschen beschützen und den im Süden das Fort San-Pedrovertheidigt. Im Nordosten der Stadt bildet die Bai von C. einen schönen für Kauffahrtei-schiffe jeder Größe geräumigen Hafen, welcher am 21. Febr. 1823 für einen Freihafen erklärtward, dieses Vorrecht aber im Sept. 1832 wieder verlor. An dem Nordufer der Bai mündet derGuadalete unterhalb der C. gegenüberliegenden Stadt Puerto-Santa-Maria; im Südostenverengt sie sich zu einer nur 500 Klafter breiten Wasserstraße, welche durch die Forts Puntales,Matagorda und S.-Luis vertheidigt wird und zu der südöstlich tief eingreifenden Bucht desHafens von Puntales führt, der für die Kriegsschiffe und die von Amerika kommenden, wiedort hingehenden Kauffahrteischiffe bestimmt ist und die sumpfige Insel Trocadero enthält.Die Stadt ist seit 1186 sehr erweitert, verschönert und mit geschmackvollen Gebäuden ver-sehen worden. Sie hat ein Bisthum, eine alte und eine prächtige neue Kathedralkirche, eineAkademie der schönen Künste, eine Zeichenschule, eine Steuermanns-, nautische- und mathe-matische Schule, eine vortrefflich eingerichtete Sternwarte, ein See- und Landhospital und 15bürgerliche H ospitäler, eine chirurgische Lehranstalt, einen botanischen Garten und ein Theater.Unter den 5 3000 E- sind viele Engländer und Deutsche. Auf der Erdzunge bei Puerto-Nealsind sehr wichtige Salzwerke und treffliche Weingärten. Die Thunfischerci ist erheblich.Die eigene Gewerbsindustrie ist nicht bedeutend und fast nur auf eine große Cigarrenfabrik,einige Segeltuchwebereien, Tauschlägereien und Stückgießereien beschränkt. Es mangeleder Stadt an gutem, trinkbarem Wasser; obgleich jedes Haus mit einer Cisterne versehen ist,so muß doch das frische Wasser von Puerto-Santa-Maria herbcigeschafft werden. Sieist der Mittelpunkt des span.-amerik. Handels und der Ausfuhr aller südspan. Landes-productc. Alle europ. Nationen haben hier ihre Konsuln und Agenten, namentlich werdenbedeutende Geschäfte in Wein, Olivenöl, Kork, Safran, Anis, Mandeln, Nüssen, Orangenund andern Südfrüchten, in Seife, Soda, Wolle, Blei und Quecksilber gemacht. C. wurdevon den Tyriern erbaut; ihnen ward es durch die Karthager und diesen durch die Römer,welche es Gades nannten, entrissen. Die Überreste des Hercules-Tempels und einiger Gebäudedes alten Gades sieht man noch bei ruhigem Wasser. In der Folge bemächtigten sich dieAraber dieser Stadt und besaßen sie bis 1262, wo sie durch die Spanier genommen wurde.Von den Engländern ward sie 1596 geplündert und verbrannt, bald darauf aber von denSpaniern wieder aufgebaut und besser befestigt. Ein Angriff der Engländer im I. 1702war ohne Erfolg. In der Zeit des Bündnisses zwischen Spanien und Frankreich wurde C.mehrmals von den Engländern blockirt, auch einmal, jedoch ohne Erfolg, bombardirt. Seitder Revolution von 1808 war es bis zu Fcrdinand's VII. Rückkehr im Jnsurrectionszustande.Hierher begab sich, als die franz. Truppen in Andalusien vordrangen, die oberste Jnsurrec-tionsjunta. Sie ließ die Erdzunge vor C. abgraben und die 700 Schritt lange Brücke,welche das feste ,Land mit der Insel Leon verbindet, abbrechen, wodurch die Stadt gänzlichvom Festlande getrennt wurde. Da es von der Seeseite durch Festungswerke und Forts,vorzüglich aber durch span, und engl. Flotten geschützt war, so gehörte die Belagerung dieserStadt durch die Franzosen vom 6. Febr. 1810 — 25.Aug. I812zuden außerordentlichstenUnternehmungen. General Sebastian! blockirte sie von der Landseite; nachdem man imMärz die Laufgräben an mehren Stellen längs der Küste eröffnet und ungeachtet des heftigstenFeuers aus den Forts, von den Schiffen und den schwimmenden Batterien und unter mehrma-ligen Ausfällen der Besatzung die Belagerungsarbeiten fortgesetzt, die Forts längs der Baigenommen und endlich auch das wichtige Fort Matagordo, C. gegenüber, erobcrthattc, wurde