Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98 Cacus Cadalso

dicke Stamm eine wahre Krone von Ästen trägt und eine ansehnliche Höhe erreicht. IhreBlüten sind meist sehr vergänglich, zum Thcil unansehnlich, allein bei der Mehrzahl sind sicgroß und glänzend gefärbt, bisweilen spannenlang und zweifarbig und in einzelnen Fällenselbst sehr wohlriechend. In Amerika wachsen sie vom Äquator auf beiden Seiten bis unterden 36.-38. Brcitcgrad meist nur auf dürrem Lande und an Felsen und überziehen dorroft weite Flächen; viele Arten kommen aber auch in den feuchten Urwäldern vor und hierwiederum gemeiniglich in Gestalt sogenannter Parasiten. In sehr wasserarmen Gegendenlöschen Maulthicre und Rindvieh allerdings wol ihren Durst durch Äussaugung der zer-tretenen sehr wasserreichen Cactusstämme, indessen ist die Nützlichkeit dieser sogenanntenvegetabilischen Quellen gar zu übertrieben und romanhaft beschrieben worden. Der verdorrteStamm der Fackcldistcln brennt vortrefflich und liefert in den holzarmen Nordprovinzenvon Chile fast allein das beim Kupfcrschmelzen nöthige Brennmaterial. Die Früchte dermeisten Arten sind eßbar, obgleich etwas fade und zu schleimig; diejenigen der in Südeuropabeccits seit einem Jahrhundert wild gewordenen Opuntia sind ein gewöhnliches Obst der Nea-politaner und in Westindien ein wesentliches Nahrungsmittel der ärmern Volksclassen. Aufeiner oder zwei andern Opuntien gedeiht besonders das Cochenillen-Jnsekt. Linne brachtealle Cacteen unter die einzige Gattung Cactus, die gegenwärtig in11 Gattungen zer-fällt ist und mindestens 400 Arten begreift. Eine kleine Zahl dieser sonderbaren Gewächseläßt sich im Zimmer cultiviren und bedarfsehr weniger Vorsorge; die meisten erheischenaber gute Abwartting und die Temperatur des Treibhauses. Den innern Bau der Cacteenbeschrieb Schleiden, die mathematischen Gesetze der Stammbildung untersuchten mehre,zuletzt Naumann; Monographien gaben Pfeiffer in derbmumeratio ckiagnosticu 6uctea-rum" (Berl. 1837) und Lemaire in den6sctus üorti Alonville" (Par. 1838) und denOkd-Lorum Aenera nova" (Par. 1838).

Cacus hieß jener berüchtigte italische Hirt, der dem Hercules einen Thcil der Rinder,welche dieser dem Geryon abgcnommen hatte, bei seinem Durchzuge durch Italien raubteund selbige, um den Hercules zu täuschen, rückwärts in seine Höhle trieb, aber dennoch durchdas Gebrüll derselben verrathen und hierauf von Letzterm im Zweikampf erschlagen ward.Die ausführliche Erzählung dieser Geschichte findet man bei Livius. Dichterisch ward sievom Ovid und Virgil ausgeschmückt, welche den Cacus zu einem Sohne des Vulcan undeinem ungeheuer» Riesen, der die ganze Umgegend beunruhigte, machen. Zum Dank fürdiesen Sieg widmete Evander dem Hercules ein Heiligthum.

Cadalso (Don Jose de), einer der namhaftem span. Dichter, geb. zu Cadiz am 8.Oct. 1741, ein Sprosse eines altadeligen, begüterten biscayischen Geschlechts, erhielt seineAusbildung in Paris, wo er namentlich eine ausgebreitete Kenntnis der neuern Sprachenerwarb, in denen er sich in der Folge durch seine Reisen in England, Frankreich, Deutsch-land, Italien und Portugal noch mehr vervollkommnete. Im I. 1762 nahm er Mili-tairdienste und zeichnete sich in dem Kriege gegen Portugal so aus, daß ihn der comman-dirende General, Graf von Aranda, zu seinem Flügeladjutanten ernannte. Aber überdem Geräusche der Waffen vergaß er nie die Wissenschaften und am wenigsten die Dicht-kunst. So benutzte er die Standquartiere seines Regiments zu Saragossa, Alcala deHenarcs und Salamanca svwol zu seiner wissenschaftlichen und poetischen Ausbildungals auch zur Erweiterung und Befestigung seiner Verbindungen mit den ausgezeichnet-sten Gelehrten und Dichtern. Auch das noch unentwickelte Talent entging seiner Beach-tung und freundschaftlichen Theilnahme nicht, und insbesondere trug er durch seinen Ein-fluß auf die beiden schon damals vielversprechenden Jünglinge Jovcllanos und Melen-dez Valdes nicht wenig bei zu der durch sie bewirkten Wiedergeburt der span. Nationallite-ratur. Seit 1777 Escadronsches, mußte er in dem >779 mit England ausgebrochenenKriege mit seinem Regiments zu dem Heere stoßen, das Gibraltar einschloß und blockirte,und hier ward er, nachdem er kurz vorher zum Obristen befördert worden war, in der Nachtvom 27. auf den 28. Febr. 1782 in einersehr weit vorgerückten Batterie von einer Gra-nate getödtet. Unter seinen hinterlasscncn Werken sind die bekanntesten die TragödieSan-cho Garcia", ganz noch im franz. Geschmack, die er zuerst unter dem Namenäusn llel Valie"1771 herausgab; fernerIi>os eruckitos ä la vivleta", eine feine Satire auf seichte Vielwis-