Cabanis Cabarrus 91
guter u. s. w. bewirkte. An den Umtrieben zur Wiederherstellung der Constitution von 1812hatte er bedeutenden Antheil. Zum Deputieren bei den constituirendcn Cortes ernannt,stimmte er selten zu Gunsten des Ministeriums Calatrava. Bei der Discussion des Ent-wurfs der Constitution von 18.17 erklärte er, in ihm kaum noch Spuren der frühern von1812 entdecken zu können. Obschon er dem Ministerium Ofalia noch weniger bcistimmcnkonnte als dem unter Calatrava's Borsitze, so hatte er doch im Kongreß zu geringe Unter-stützung, als daß er anders als im Stillen mit seinen Freunden hätte wirksam sein können.Als Mitglied der Provinzialdeputation von Madrid, zu der er 1838 gewählt wurde, übteer namentlich auf die mittler» Bürgcrclassen einen bedeutenden Einfluß. C. hat nie eigen-süchtige Zwecke verfolgt; hohe Ehrenstcllcn hat er ausgeschlagen und, an die einfachste Le-bensweise gewöhnt, alle patriotische Ämter unentgeltlich verwaltet. Er besitzt umfassendeKenntnisse, vorzüglich im historischen und statistischen Fache. Unter seinen Schriften sind zubemerken „bisoiioiiiia natural ^;><>I>tica de Ins dqnitados ä cnrtes «n 1831, 1835, 1836"(Madr. 1836) und „kl Kodier»» z las cnrtes del «Statut», materiales ziara su lüstnr'ia"(Madr. 1837).
Cabänis (Pierre Jean George), ein als Mediciner wie als Philosoph, auch durchseinen Antheil an der franz. Revolution bekannter franz. Schriftsteller, geb. zu Cognac 1757,ging schon 1773, nachdem er drei Jahre in Paris den Studien obgclegcn, mit einem poln.Magnaten als Secrctair nach Warschau, wo er Zeuge des stürmischen Reichstags von 1773war. Nach zwei Jahren nach Paris zurückgekehrt, widmete er sich nun anfangs den schönenWissenschaften, später der Medicin. Unter Anderm übersetzte er in jener Zeit Homer's„Ilias" ins Französische. Nachdem er zur Wiederherstellung seiner durch anhaltende Studiengeschwächten Gesundheit das nahe bei Paris gelegene Auteuil zu seinem Aufenthaltsorteerwählt hatte, ward er hier mit Madame Helvetius und durch sie mit Holbach, Franklinund Jeffcrson bekannt, und später auch mit Condillac, Turgot und Thomas, sowie mit Vol-taire, Diderot, d'Alembert und andern ausgezeichneten Gelehrten befreundet. Dessenunge-achtet entsagte er seit 1783 gänzlich den schönen Wissenschaften, nahm indem „8er>»»nt c>'»nmödecin" (Par. 1783) förmlich von ihnen Abschied, widmete sich ausschlicßcnd dem ärztlichenBerufe und wurde nachher Professor der Medicin an der Universität zu Paris. Bei demAusbruche der Revolution bekannte er sich zu ihren Grundsätzen, aber er verabscheute dieGreuel, durch welche sie befleckt wurde. Das Genie Mirabcau's, der die entgegengesetztestenEigenschaften in sich vereinigte, machte ihn zu dessen Bewunderer, gleiche Meinungen zuftinem Änhänger. Für ihn schrieb C. die Schrift über die öffentliche Erziehung, die er nachdessen Tode 1791 selbst hcrausgab. In ein noch innigeres Verhältniß trat C. mit Condorccr.Er wurde Mitglied des Raths der Fünfhundert, dann im Erhalkungsscnate und Admini-strator der Hospitäler in Paris und starb am 5. Mai 1868. Sein Hauptwerk ist der,,'I'ruite du jibxsitjue «t du innrul de I'bomme" (2 Bde., Par. 1862; neueste Aust., 3 Bde.,1821; deutsch von Jakob, 2 Bde., Halle 1861). Eine Ausgabe seiner Werke erschien zuParis (5 Bde., 1823—25). Seine Ansicht ist durchgehend Sensualismus. In seiner„kettre j>ostlunne et iuedite sur le» cause» zrremieres" (Par. 1821) bezeichnet er dieSeele oder das Lebensprincip als eine Substanz, welche die Naturelemente der Organe inVerbindung erhalte und im Tode sich von derselben trenne.
Cabarrus (Franc., Graf von), span. Minister und Gesandter, wurde 1752 zuBayonne geboren, und nachdem er seine Schulstudien gemacht, von seiner Familie nachSpanien gesandt, um sich daselbst im Großhandel auszubildcn. Zn Saragossa heirathcte erdie Tochter des Kaufmanns Galabert, der ihn nachher mit der Leitung einer Seifenfabrikin der Nähe von Madrid beauftragte. Hier wurde er durch seine Geschäftsfreunde auch beidem Minister Musquiz eingcführt. Durch den glücklichen Erfolg der Ennssion verzinslichenPapiergeldes, die der Minister in der großen Finanznoth des Staats auf C.'s Vorschlag imI. 1779 vornahm, kam Letzterer schnell in Ansehen. Er entwarf hierauf den Plan zur Er-richtung einer Staatsbank, deren Director er 1782 wurde; auch wurden nach seinem Rathc1785 die Handclscompagnie der Philippinen gestiftet und der Kanal von Scgovia ange-fangen. Unter Karl Hl. wurde er Staatsrath; als aber Karl IV. zur Regierung kam, sei-nes ganzen Einflusses verlustig. Er mußte sogar das Direktorium der Bank nicdcrlegcn.